Schmachten
, [
1551-1552] verb. reg. neutr. welches das
Hülfswort haben erfordert, den höchsten Grad des Hungers und Durstes empfinden,
wo es eine unmittelbare Nachahmung desjenigen Lautes ist, welchen ein im
höchsten Grade Durstiger, im Stande der ungebildeten sich selbst überlassenen
Natur, mit dem Munde macht. 1. Eigentlich. Vor Durst, vor Hunger schmachten.
Nach einem Trunke Wasser schmachten. Vor Hitze schmachten, weil die Empfindung
eines hohen Grades der Hitze sich durch einen ähnlichen Laut äußert.
Schmachthans, Schmachthals, Schmachtlappen sind in einigen gemeinen Sprecharten
verächtliche Benennungen eines Hungerleiders, von der Niederdeutschen
Bedeutung, schmachten, hungern, Hunger leiden. 2. Figürlich. 1) Vor Hunger und
Durst abgezehret werden. Sie muß doch vor Hunger schmachten, Gryph. Im
Gefängnisse schmachten, in weiterm Verstande, aus Mengel der Freyheit und
Bequemlichkeit abgezehret werden. (
S. Verschmachten.) 2) Einen hohen Grad der Sehnsucht,
des sehnsüchtigen Verlangens empfinden. Jemanden schmachtend ansehen. Augen die
oft schmachtend auf die seinigen geheftet waren. Blaue schmachtende Augen. Der
Gegenstand des Schmachtens bekommt auch hier das Vorwort nach.
Seht, wie sein Auge nach mir schmachtet, Gell.
O Romeo, meine Seele schmachtet darnach, wie ein verdorrtes
Gras nach dem Morgenthaue, Weiße. Nach Trost schmachten. So auch das
Schmachten. Anm. Bey dem Notker smahten, und in der ersten figürlichen
Bedeutung intensive smecheren, im Nieders. smagten, wo es auch für hungern
überhaupt, ingleichen für Hunger leiden, darben, gebraucht wird. Es ist ohne
Zweifel eine unmittelbare Onomatopöie, so wie schmecken, welches der Form nach
ein Intensivum davon ist, so fern einen ähnlichen Laut nachahmet, der aber eine
ganz andere Handlung begleitet. Ehedem war auch Schmacht der Hunger, und
schmachten, factitive, verhungern lassen. [
1551-1552]