Die Schmach
, [
1549-1550] plur. inus. 1) * Das Schmähen,
die Handlung des Schmähens, ingleichen Schmähreden, Schmähungen; eine im
Hochdeutschen ungewöhnliche und veraltete Bedeutung. Solltet ihr nicht in der
Furcht Gottes wandeln, um der Schmach willen der Heiden, unserer Feinde? Nehem.
5, 9; d. i. damit ihr nicht von ihnen geschmähet werdet. Herr du hörest ihre
Schmach und alle ihre Gedanken über mich, Klagel. 3, 61. Auf daß er nicht falle
dem Lästerer in die Schmach, 1, Timoth. 3, 7. 2) Die thätige, kränkende
Erweisung des Urtheils von der geringen, verächtlichen Beschaffenheit eines
andern, wodurch es sich von Schimpf, Schande, Hohn, Spott u. s. f.
unterscheidet. Jemanden alle Schmach anthun, welches so wohl durch kränkende
verächtliche Worte, als durch andere kränkende und Verachtung an den Tag
legende Handlung geschehen kann. Schmach thut wehe. Die Schmach bricht mir mein
Herz, Ps. 69, 22. Gedenke Gott an die Schmach, die dir täglich von den Thoren
widerfähret, Ps. 74, 22. Die biblischen Figuren, da es auch den Zustand
bedeutet, da man der Schmach von Seiten anderer ausgesetzet ist, in Schmach
seyn, die Schmach von jemanden nehmen, ingleichen einen Gegenstand der Schmach,
eine Schmach seyn, zur Schmach werden, werden im Hochdeutschen selten mehr
gebraucht, wo dieses Wort überhaupt in der Sprache täglichen und gemeinen
Lebens nur selten gehöret wird. In einigen Oberdeutschen Gegenden scheinet es
auch für Schande zu seyn, wenigstens höret man daselbst etwas für eine Schmach
halten, für eine Schande. In Luthers Deutscher Bibel kommt auch der Plural vor:
in Schmachen gutes Muthes seyn, 1 Tim. 3, 7, die Schmach (Schmachen) derer die
dich schmähen, fallen auf mich, Ps. 69, 10; welcher aber im Hochdeutschen ganz
ungewöhnlich ist. Anm. Im Schwabenspiegel, wo es aber auch für Schande
gebraucht wird, die Smache, bey andern ältern Oberdeutschen die Schmacht, im
Nieders. Smade, Smaheit, im Schwed. Smälig und Smallet, im Böhm. Posmech,
welche insgesammt nur im Endlaute unterschieden sind. Im 14ten Jahrhunderte
wurde Schmaheit auch für Laster, Scelus, gebraucht. Bey diesem so weiten
ehemahligen Umfange der Bedeutung dieses Wortes, läßt sich dessen Abstammung
und folglich auch dessen erste und eigentliche Bedeutung nur muthmaßlich
bestimmen, zumahl da drey Wörter gleich starken Anspruch darauf machen können.
Es kann nähmlich, 1) unmittelbar von schmähen abstammen, und eigentlich Schmach
in Worten bedeuten, welches wenigstens von der ersten Bedeutung gewiß ist. 2)
Es kann aber auch von dem im Hochdeutschen veralteten schma, schmacht, klein,
und figürlich geringe, verächtlich, Nieders. sma, smade, smäde, Schwed. sma,
abstammen, (
S. Schmächtig und Schmal, welche gleichfalls daher
kommen.) Bey dem Ottfr. ist smaher Scalc ein geringer schlechter Knecht,
und Kero gebraucht Smalihhi und Ottfried Smahi für geringe, schlechte
Beschaffenheit, Verächtlichkeit. 3) Da endlich Laster, Schande und andere
ähnliche Wörter eigentlich körperliche Verunstaltungen bedeuten, und diesem
Worte in mehrern Mundarten ein d anklebt, wie aus dem Niedersächs. Smade und
Schwed. smäda, schmähen, erhellet, so kann es auch von dem veralteten schmaden,
besudeln, herkommen, wovon unser schmitzen und schmutzen Intensiva sind, so daß
Schmach eigentlich körperliche Beschmutzung und daraus entstehende
Verächtlichkeit bedeuten würde. So auch Schmälich.
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1551-1552]