Schweifen
, [
1729-1730] verb. reg. welches als ein
Intensivum von schweben angesehen werden kann, und in einer doppelten Gestalt
üblich ist. I. Als ein Activum, mit dem Hülfsworte seyn, wo es eigentlich
bedeutet, sich in einem weiten Raume hin und her bewegen, so wie schwanken, und
besonders mit dem Nebenbegriff der ungewissen Richtung gebraucht wird. Im Lande
umher schweifen. Aus den Schranken schweifen. Der Verdacht der Gräfinn schweift
auf einer ganz andern Fährte, Less.
Die phantasirenden Sinnen Schweiften in goldnen Träumen umher,
Zachar.
S. Ausschweifen. II. Als ein Activum. 1. Mit einem
Schweife versehen; wo es unmittelbar von Schweif abstammet, aber nur in dem
Mittelworte geschweift üblich ist. Ein schön geschweiftes Pferd, welches einen
schönen Schweif hat. 2. Schweifen machen, in einem weiten Raume bewegen. 1)
Eigentlich, wo es doch nur in einigen Fällen üblich ist. (a) Einen flüssigen
Körper hin und her bewegen, wie schwänken, in welcher Bedeutung es für spülen
in den Zusammensetzungen abschweifen und ausschweifen am üblichsten ist, (
S. dieselben.) Bey dem Notker ist ubersweifig
überschwänklich. (b) Fegen, besonders in der Landwirthschaft, wo das
ausgebrochene Getreide geschweift wird, wenn man die Spreu mit einem Besen von
Binsen und mit weiten Zügen davon abfeget. Im Angels. ist sweopan, im
Englischen to sweep, im Schwedischen sopa, gleichfalls fegen oder kehren. (c)
Die Bortenwirker schweifen die Kette, wenn sie selbige an den Schweifrahmen
spannen. 2) Figürlich, bogenförmig ausschneiden, besonders in dem zusammen
gesetzten ausschweifen, (
S. dasselbe.) Bey den Tischlern werden die Rehfüße zu
den Tischen mit der Schweifsäge geschweift. So auch das Schweifen, und im
Activo zuweilen die Schweifung, besonders in der Bedeutung einer bogenförmigen
Rundung. Anm. Im Engl. to sweep, im Schwed. im Neutro sväfva, Isländ. vofa. Es
ist mit schweben verwandt, deutet aber durch den Diphth. ei eine Bewegung in
einen weitern Raum an, als jenes. Im Niedersächsischen hat man davon das
Intensivum swoppen, hin und her schwanken, (
S. Schwabbeln.) Eben daselbst ist Swepe eine lange
Peitsche, (Engl. Whip, Angels. Hweop,) swöpen peitschen, und Swopp der Wipfel.
Im Schwed. ist svepa einwickeln, im Isländ. swipa schnell bewegen, und bey den
alten Oberdeutschen Schriftstellern biswifen umarmen. Siehe Schweben, Weben,
Weifen, Wipfel, Wippe u. s. f. welche alle verwandt sind. Mit einem andern
Endlaute ist suuihon, bey dem Kero, umher schweifen.
[
1731-1732]