Der oder das Schilf
, [
1465-1466] des -es, plur. doch nur von
mehrern Arten, die -e, ein Nahme, welcher im Deutschen mehrern Arten von
Wassergewächsen beygelegt wird. 1) Dem Rohre, Arundo L. von welchem unsere
gemeine Art in manchen Gegenden Schilf, in andern aber Rieth, und sehr oft auch
zusammen gesetzet, aber vermuthlich ohne Noth, Schilfrohr genannt wird, in
welcher Bedeutung es auch Luther in einigen Stellen der Deutschen Bibel zu
gebrauchen scheinet. 2) Die Binsen oder Semsen, Scirpus L. führen in vielen
Gegenden gleichfalls den Nahmen des Schilfes, und da wird der Scirpus palustris
und lacustris L. großer Schilf genannt. (
S. Schilfmeer.) Endlich kommt 3) in vielen Gegenden auch
die Schmele oder Schmiele, Aira L. unter dem Nahmen des Schilfes vor. Scharfer
Schilf, Aira canescens L. Anm. Der Nahme leidet mehrere Ableitungen. Allein da
alle diese Wassergewächse hohle Stängel und zum Theil auch hohle scharfe
Blätter haben, daher auch ihre meisten übrigen Nahmen von dieser Beschaffenheit
entlehnet sind, so scheinet selbige auch hier zum Grunde zu liegen. (
S. Schale, ein hohles Ding, wovon Schilf, vermittelst eines
Endlautes gebildet worden.) Das Griech. -
hier nichtlateinischer
Text, siehe Image - und Lat. Ulua, Schilf, Rohr, sind nur in dem oft
zufälligen Zischlaute unterschieden. Alle drey Gewächse, welche wir Schilf
nennen, heißen im Dänischen Sif, und im Schwed. Säf, womit das Hebr. -
hier
nichtlateinischer Text, siehe Image - , Rohr, Binsen, genau überein
stimmet. (
S. Schilfmeer.) Das Geschlecht dieses Wortes ist
verschieden. Die Niederdeutschen gebrauchen es im ungewissen Geschlechte, das
Schilf., welchem Beyspiele auch die meisten Niedersachsen folgen, wenn sie
Hochdeutsch schreiben. Im Ober- und Hochdeutschen hingegen ist das männliche
das üblichste. Moses wurde in den Schilf gelegt, 2 Mos. 2, 3, 5. Kann auch der
Schilf aufwachsen, wo er nicht feuchte stehet? wo die Hallische und einige
andere Ausgaben das übrigens ganz ungewöhnliche weibliche Geschlecht haben,
kann auch die Schilf aufwachsen u. s. f.