- Isch
- Isch,
[
1399-1400] eine alte Ableitungssylbe,
Bey- und Nebenwörter aus Haupt- und Zeitwörtern zu bilden, welche die
Bedeutungen der Ableitungssylben ig und icht oder lich in sich vereiniget.
Dieje- nigen Wörter, welche auf solche Art zu Bey- und Nebenwörtern werden
können, sind, I. Allgemeine Nennwörter, oder Apellativa, wo diese Sylbe eine
doppelte Bedeutung hat. 1. Bezeichnet sie einen Besitz, wie die Sylbe ig. 1)
Den Besitz der durch das Hauptwort bezeichneten Sache oder Eigenschaft, wo sie
dem Hauptworte bloß angehänget wird, doch so, daß das stumme e am Ende wegfällt
und die Vocale a, o, u zuweilen in ä, ö, ü übergehen. Diese werden von
Hauptwörtern gebildet. Einheimisch, ehedem heimisch, von Heim, Heimath, seine
Heimath an einem Orte habend, neidisch, Neid besitzend, abergläubisch,
argwöhnisch, rückisch, mißtrauisch, parteyisch, launisch, ein stättisches
Pferd. Im Bergbaue sagt man auch güldisch, bleyisch, zinnisch, alaunisch u. s.
f. für goldhaltig, bleyhaltig u. s. f. 2) Zu einer Person oder Sache gehörig,
von ihr herrührend; gleichfalls von Hauptwörtern, Waisenhäusisch, dem
Waisenhause gehörig, im demselben befindlich; so auch höllisch, himmlisch,
gebirgische Leute, welche auf dem Gebirge ohnen, die stiftischen Lande, welche
einem Stifte gehören, gichtische Zufälle, welche von der Sicht herrühren, die
nordischen Gegenden, städtische Leute, welche in Städten wohnen u. s. f. Ehedem
sagte man auch kaiserisch, königisch, dem Kaiser, Könige gehörig, und im
Oberdeutschen höret man noch oft von gegnerischen Waffen, d. i. den Waffen des
Gegners. Wohin auch viele fremde, besonders Lat. Beywörter auf -icus gehören,
welche vermittelst dieser Sylbe ein Deutsches Ansehen erhalten. Mystisch,
philosophisch, theologisch, mathematisch, biblisch, katholisch, apostolisch und
hundert andere mehr, zur Mystik, Philosophie, Theologie, Mathematik, Bibel,
gehörig, in denselben gegründet, daher rührend. Andere, welche sich im
Lateinischen auf ilis, inus., aris, anus u. s. f. endigen, behalten die erste
Sylbe dieser Endungen und verändern die letzte in isch; volatilisch, salinisch,
militarisch, grammaticalisch, logicalisch u. s. f. besser grammatisch und
logisch. Falsch ist es, wenn man glaubt, daß dergleichen Beywörter eine
doppelte Endung hätten, eine Lateinische und eine Deutsche, indem -isch hier
nichts als das Lateinische is und us mit dem Zischlaute ist. Mehrere Wörter
dieser Art kommen im folgenden vor. 3) Eine Fertigkeit, eine Neigung in und zu
einer Sache. Aufrührisch, so wohl wirklich im Aufruhre begriffen, als auch zum
Aufruhre geneigt. Die meisten dieser Art stammen von Zeitwörtern her, welche
das -en des Infinitivs wegwerfen, und das a, o und u oft in ä, ö und ü
verändern. Zänkisch, höhnisch, spöttisch, mürrisch, läufisch, wetterwendisch,
anhängisch, einbildisch, stürmisch, verführisch, der gern und viel zankt,
höhnet, spottet, läuft, murret, sich anhängt, sich viel einbildet u. s. f. Im
gemeinen Leben gibt es sehr viele dieser Art, z. B. käufisch, der gerne kauft,
gebisch, der gerne gibt, willfährisch, für willfährig, auffahrisch, der leicht
auffähret, regnisches, regnerisches Wetter, da es viel regnet u. a. m. Wo es
auch zuweilen eine passive Bedeutung hat, angreifische Waare, wornach andere
gern greifen. 2. Eine Ähnlichkeit, wie die Sylben icht und lich; wo sie nur
Hauptwörtern angehänget wird. Himmlisch, englisch, höllisch, balsamisch,
städtisch, kleinstädtisch, soldatisch, edelmännisch, läppisch, närrisch,
irdisch, bübisch, hurisch, schelmisch, zauberisch, abgöttisch, von dem
veralteten Zauber u. s. f. welche insgesammt eine Übereinstimmung bezeichnen.
Heidnisch, für heidisch, wie man wohl auch sagte, ist von dem alten Nominativ
der Heiden. Besonders werden die Hauptwörter auf er, welche eine männliche
Person bezeichnen, auf diese Art gebraucht, eine ihnen gleich kommende
Eigenschaft zu bezeichnen. Mahlerisch, rednerisch, buhlerisch, verrätherisch,
betriegerisch, räuberisch, dichterisch, kriegerisch, ketzerisch, heuchlerisch,
verschwenderisch u. s. f. Besonders im gemeinen Leben, prahlerisch,
schwelgerisch, träumerisch, spielerisch, schülerisch u. s. f. wofür man in der
anständigern Sprechart lieber prahlhaft, spielhaft, schülerhaft u. s. f. sagt.
Viele bezeichnen nur einen nachtheilige Eigenschaft im verächtlichen Verstande;
wie hündisch, schweinisch, säuisch, thierisch, viehisch, bäuerisch, teufelisch
u. s. f. da man denn in manchen Fällen doppelte Wörter dieser Art hat, eines,
welches diese verächtliche Eigenschaft ausdruckt, und ein anderes
gleichgültiges. Kindisch und kindlich, weibisch und weiblich, herrisch und
herrlich, papistisch und päpstlich, richterisch und richterlich. Auch
Lateinische Beywörter können in dieser Bedeutung vermittelst der Endsylbe isch
das Bürgerrecht erhalten. Majestätisch, monarchisch, poetisch, sclavisch,
prophetisch, politisch, barbarisch, pestilenzialisch oder pestilenzisch,
paradiesisch, und tausend andere mehr. II. Eigenthümliche Wörter, eigene
Nahmen, Beywörter aus denselben zu bilden, welche die beyden vorhin angeführten
Hauptbedeutungen in sich vereinigen, und so wohl einen Besitz, einen Ursprung,
ein Herkommen, ein Angehören, als auch eine Ähnlichkeit und Übereinstimmung
bedeuten. Diese eigenen Nahmen sind, 1. Nahmen der Völker, mit Wegwerfung des e
euphonici am Ende. Französisch, Schweizerisch, Englisch, Russisch, Corsisch,
Irisch, Schottisch, Dänisch, Schwedisch, Portugiesisch, Fränkisch, Griechisch,
Jüdisch, Türkisch, Sächsisch u. s. f. von den Hauptwörtern Franzose, Schweizer,
Angel oder Engel, Russe, Corse, Ire, Schotte u. s. f. Deutsch und Wälsch
stammen auf ähnliche Art von Deut und Wale oder Walle her. Lateinisch und
Hebräisch von Lateiner und Hebräer werfen auch das -er weg. 2. Nahmen der
Länder, mit Wegwerfung der Endsylben n, en, ien, ey. Preußisch, Spanisch,
Russisch, Ungarisch, Österreichisch, Niederländisch, Märkisch, Schwäbisch,
Mailändisch, Pfälzisch, Baierisch, Böhmisch, Tartarisch, Lombardisch,
Bulgarisch, Wallachisch u. s. f. Pohlnisch behält sein n, ob man gleich im
gemeinen Leben auch Pohlsch sagt. Von manchen sind doppelte Beywörter
vorhanden, deren eines von dem Nahmen des Volkes und das andere von dem Nahmen
des Landes gemacht ist. Englisch und Engländisch, Irisch und Irländisch,
Schottisch und Schottländisch, Curisch und Curländisch, Esthnisch und
Esthländisch. Von vielen, besonders ausländischen Ländernahmen, behält man die
fremden schon vorhandenen Beywörter bey und verwandelt nur die Lateinische
Endung icus und us in isch. Sicilianisch, Italiänisch, Gallicanisch,
Venetianisch, Mantuanisch, Indianisch, Amerikanisch, Afrikanisch, Europäisch,
Asiatisch u. s. f. Wofür man nicht nöthig hat, Sicilisch, Italisch, Venedisch,
Indisch u. s. f. zu sagen, indem solches, wie schon oben gedacht worden, nicht
Beywörter mit doppelten Ableitungssylben, sondern nur mit einer einzigen sind,
obgleich Sicilisch, Indisch, Venedisch in einer andern Betrachtung auch richtig
sind. Asisch Amerikisch, Afrikisch, würde wohl niemand sagen wollen, und
Gallisch und Gallicanisch sind wesentlich verschieden. Chinesisch, Malthesisch,
Genuesisch u. s. f. sind aus Italiänischen Beywörtern auf -ese gebildet. 3.
Nahmen der Örter, besonders der Städte, Flecken und Dörfer. Leipzigisch,
Hamburgisch, Berlinisch, Meißnisch, Frankfurtisch, Petersburgisch, Römisch u.
a. m. Wo be- sonders von ausländischen Städten, auch die fremden Beywörter auf
die oben gedachte Art üblich sind. Hallensisch, besser Hallisch, Atheniensisch,
Neapolitanisch, Sirakusanisch, Constantinopolitanisch u. s. f. Wenn dergleichen
Beywörter auf -isch nicht üblich sind, oder übel klingen, so macht man sie
lieber auf -er; Leipziger Lerchen, Pariser Hüte, Amsterdamer Waaren, Berliner
Blau, Petersburger Wachs u. s. f.
S. - Er. Wo beydes nicht füglich angehen will, gebraucht
man eine Umschreibung. Im Oberdeutschen pflegt man dergleichen Beywörter gern
von den Nahmen der Einwohner zu bilden; Berlinerisch, Leipzigerisch,
Hamburgerisch u. s. f. von Berliner, Leipziger, Hamburger, für Berlinisch,
Leipzigisch, Hamburgisch. Im Hochdeutschen kennt man diese Form nicht, außer
daß man sie in Wienerisch für Wienisch angenommen hat. Zwischen beyden einen
Unterschied in der Bedeutung zu machen, wie Aichinger gethan und Hempel ihm
nachgebethet hat, ist eine Grillenfängerey. 4. Nahmen der Personen. Die
Wolfische Weltweisheit, die Gellertischen Schriften, die Lutherische Kirche,
die Weißischen Kinderlieder, das Schützische Gut, die Leibnitzischen Monaden,
Homerische Gedichte. Von vielen selbst Deutschen Nahmen nimmt man auch hier die
Lateinischen Beywörter auf die oben gedachte Art auf, und von manchen sind nur
die letztern allein üblich; Wolfisch und Wolfianisch, Paulinisch die
Ernestinische Linie, Carolinisch, Fridericianisch, Theodosianisch u. s. f. Anm.
1. Diese Ableitungssylbe lautet bey dem Ulphilas isk, bey den Angelsachsen und
Niedersachsen gleichfalls isk, im Italiänischen esco, und selbst in den
Slavonischen Mundarten isk, Ihr Alterthum erhellet aus dem Tacitus, wo sie
schon in den Wörtern Teutiscus, Cheruscus, Nariscus vorkommt. Sie war
vornehmlich den Germanischen und Slavonischen Völkerschaften eigen, durch
welche sie sehr frühe auch in das spätere Latein kam: Franciscus, Spaniscus,
Hunniscus, Frigiscus, Daciscus u. a. m. kommen statt Francicus u. s. f. in der
Notitia Imperii, bey dem Vegetius, Anastasius und andern sehr häufiger vor. Es
erhellet daraus zugleich, daß diese Sylbe nichts anders ist, als die
Ableitungssylben ig und icht, welche in einer zischenden Mundart in isch
übergegangen sind. Da diese Aussprache manchen gröbern Mundarten vorzüglich
eigen ist, so erhellet daraus zugleich, warum die damit gebildeten Beywörter,
die eigenthümlichen Nahmen ausgenommen, in so vielen Fällen etwas gemeines und
niedriges haben; daher man viele Wörter dieser Art in der anständigen
Schreibart lieber auf andere Art bildet: abergläubig, argwöhnig, angreifig,
anhängig, haushältig, auffahrend, tändelhaft, für abergläubisch u. s. f. Mit
allen läßt sich dieses freylich nicht thun, daher man sie behalten muß. In den
niedrigen Sprecharten gehet das -ig der Hochdeutschen in hundert andern Fällen
in -isch über. Anm. 2. Die eigenthümlichen Beywörter dieser Art sind, außer
wenn sie eine sittliche Eigenschaft bedeuten, keiner Comparation fähig. Die
andern verstatten selbige in manchen Bedeutungen allerdings, und im gemeinen
Leben gebraucht man sie häufig genug. der viehische Mensch, die barbarischste
That, die hündische Begierde, der mißtrauischste Geitzhals. Allein die vielen s
thun im Superlativ so wohl den Sprach- als Gehörwerkzeugen Gewalt an, daher man
die dritte Staffel in der edlen Schreibart lieber vermeidet, oder sie
wenigstens auf -te bildet, viehischte, barbarischte, hündischte. Der
Comparativ, barbarischer, thierischer u. s. f. hat weniger Mißklang, und wird
ohne Anlaß gebraucht. Übrigens sind von diesen Beywörtern keine Hauptwörter als
Abstracta üblich, entwe- [
1403-1404] der des Wohlklanges
wegen, oder auch, weil diese Sylbe vornehmlich dem großen Haufen zugehöret,
welcher die Abstracta nur selten gebraucht; der Sinn verstattet sie allerdings.
Anm. 3. Die Beywörter dieser Art können, die fremden und eigenen Nahmen
ausgenommen, nicht nach Willkühr gebildet werden, sondern man muß es bey
bewenden lassen, welchen der Gebrauch einmahl das Bürgerrecht gegeben hat. Der
Verlust ist auch nicht groß, weil der dieser Ableitungssylbe eigene Zischlaut
eben nicht die glänzendste Seite unserer Sprache ist. Selbst bey
eigenthümlichen Nahmen muß das Gehör zu Rathe gezogen werden, ob es dergleichen
Beywörter verstattet oder nicht. [
1403-1404]