Gleiten
Gleiten,
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719-720] verb. irreg. neutr. Imperf.
ich glitt; Mittelw. geglitten. Es bezeichnet eine Bewegung auf einer glatten
aber schlüpfrigen Fläche, und ist in einer doppelten Gestalt üblich. I. Mit dem
Hülfsworte seyn. 1) Sich auf oder über einer glatten Fläche leicht fort
bewegen. Der Schlitten gleitet auf dem Eise leicht dahin. Der Wein will nicht
gleiten, im gemeinen Leben, will nicht hinunter. Auch figürlich in der höhern
Schreibart, von einer sanften gleichförmigen Bewegung. Mein kühleres Blut
gleitet mit gleichem Laufe in seinen Ufern fort.
- Sanft wie das Morgenroth Das über frische Rosen gleißet,
Utz.
2) Auf einer glatten oder schlüpfrigen Fläche eine
unwillkühliche Bewegung machen, besonders mit den Füßen, für ausgleiten; in der
niedrigen Sprechart glitschen, im Nieders. glippen, glisken, in Baiern ränzeln,
in Österreich auskrollen, Ital. crollare. Zu seiner Zeit soll ihr Fuß gleiten,
5 Mos. 32, 35. Die Hoffnung des Verächters - ist wie ein gleitender Fuß,
Sprichw. 25, 19. Meine Tritte hätten (wären) beynahe geglitten, Ps. 73, 2. Das
Pferd, der Ochs ist geglitten. Auch figürlich in der höhern Schreibart, aus
Übereilung, aus Unvorsichtigkeit einen Fehler begehen.
Aber bin ich gleich geglitten Dennoch steh ich wieder auf,
Gryph.
II. Mit dem Hülfsworte haben, sich auf einer glatten Fläche,
besonders auf dem Eise, fortbewegen machen, sich auf dem Eise fortgleiten
machen; im Hochdeutschen auch schleifen, in Thüringen und Meißen glandern, in
Baiern halezen, hälscheln, von hal, schlüpfrig, in andern Gegenden kahscheln,
wo auch Kahschel eine solche Schleifbahn ist; im Nieders, fliddern, flindern,
im Schwed. kana. Sie haben den ganzen Tag geglitten. Anm. In der ersten
Bedeutung lautet es im Nieders. gliden, in den Monseeischen Glossen giliten, im
Schwed. glida, im Angels. glidan, im Engl. to glide, im Franz. glisser. Man
könnte es füglich von glatt herleiten, wenn man nicht häufige Spuren hätte, daß
leiten, welches jetzt nur active gebraucht wird, ehedem auch gehen, reisen, ja
sich bewegen überhaupt bedeutet hätte, woraus durch Vorsetzung der Sylbe ge und
deren Abkürzung unser gleiten geworden ist. Bey dem Ulphilas ist leithan, im
Angels. lithan, im Schwed. lida, im Wallisischen llitro, gehen bey dem Kero
kelitan zurück gehen, weggehen, in den Monseeischen Glossen gilidan reisen,
wovon im Nieders, noch das Mittelwort leden, für verwichen, von einer Zeit
gebraucht, üblich ist. Im Griech. ist $ gleichfalls ich gehe.
S. Leiten, ingleichen Schlitten, welches durch
Vorsetzung des Zischlautes aus gleiten entstanden.
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721-722]