Die Gelegenheit
Die Gelegenheit,
[
527-528] plur. -en, von dem vorigen
Bey- und Nebenworte. 1) * Die Lage eines Ortes überhaupt; eine im Hochdeutschen
veraltete, im Oberdeutschen aber noch sehr gangbare Bedeutung. 2) Die innere
Einrichtung eines Ortes, die Lage seiner Theile. Alle Gelegenheit eines Hauses,
eines Gartens, eines Waldes, oder in einem Hause u. s. f. wissen. 3) Die
Beschaffenheit einer Sache, im Oberdeutschen und zu- weilen auch im gemeinen
Leben der Hochdeutschen. Müssen wir nach Gelegenheit der Sachen zuweilen die
Gebothe ändern, Stücke in Esth. 5, 7. 4) Die Neigung, eine Handlung nach seinem
Gefallen, zur gelegenen Zeit zu verrichten; im gemeinen Leben. Seiner
Gelegenheit pflegen, warten bis es uns gelegen ist. Etwas mit seiner guten
Gelegenheit thun.
S. Ungelegenheit. Ingleichen ein bequemer Ort, ein
bequemer Zustand. In diesem Verstande sagt man zuweilen, sich eine Gelegenheit
auf dem Lande kaufen, für, sich ein Landgut kaufen. Eine Gelegenheit suchen, d.
i. einen Dienst, eine Condition. Auch das heimliche Gemach pflegt man an
einigen Orten im höfischen Reden so wohl die Gelegenheit, als auch die
Bequemlichkeit zu nennen. Am häufigsten aber, 5) diejenige Verbindung der
Umstände, wodurch eine Handlung so wohl veranlasset, als auch erleichtert wird;
die Gelegenheit zum Guten, zum Bösen. Gelegenheit zu etwas geben, diese
Umstände so einrichten. Gelegenheit bekommen. Wenn es die Gelegenheit gibt,
wenn sich Gelegenheit dazu findet. Ein Mensch, der in einem Winkel der Erde
eingeschlossen ist, hat wenig Gelegenheit, das, was unter dem menschlichen
Geschlechte vorgehet, zu sehen. Gelegenheit macht Diebe. Eine Gelegenheit
fahren lassen, sie aus den Händen lassen. Sich einer Gelegenheit bedienen, sie
ergreifen, in Acht nehmen, der Gelegenheit wahrnehmen. Gelegenheit suchen. Mit
der ersten Gelegenheit. Die Gelegenheit zum Bösen fliehen. Einem Gelegenheit zu
murren, zu sündigen, zu spotten geben. Die Gelegenheit auskaufen, sich jeder
Gelegenheit sorgfältig bedienen. Zuweilen bedeutet es im gemeinen Leben auch
die Art und Weise, Personen und Güter fortzuschaffen. Mit seiner eigenen
Gelegenheit kommen, mit seinem eigenen Fuhrwerke. Eine fahrende Gelegenheit
bekommen. 6) In dem weitesten Verstande, eine jede Gelegenheit, so fern
dieselbe auch nur eine entfernte Veranlassung einer Handlung abgibt, mit dem
Vorworte bey. Bey einer solchen Gelegenheit muß wohl ein jeder in Verwirrung
gerathen. Sie betrug sich bey dieser Gelegenheit sehr ungeberdig. Es erhob sich
ein Sturm, und uns war bey dieser Gelegenheit nicht wohl zu Muthe, bey diesem
Vorfalle. Anm. Nieders. Legenhed, Schwed. Lägenhet, Dän. Leilighed,
Beleilighed. Gelegenheit bezeichnet eigentlich nur die Verbindung der Umstände,
wodurch eine Handlung möglich gemacht oder erleichtert wird; Anlaß schließet
aber auch die Bewegungsgründe und Reitzungen dazu mit ein.
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