Erziehen
, verb. irreg. act.
S. Ziehen. 1. Durch Ziehen bewegen, doch nur im
Oberdeutschen, und im gemeinen Leben. Die Pferde können den Wagen nicht
erziehen. Der Glöckner kann die Glocken nicht erziehen. 2. Aufziehen,
groß ziehen, den Wachsthum eines Dinges befördern, in
figürlicher Bedeutung, und von Menschen, für das niedrigere aufziehen
und Oberdeutsche auferziehen. 1) Nicht nur durch Reichung der Nahrungsmittel
den körperlichen Wachsthum eines Kindes befördern, sondern auch
dasselbe durch Unterricht zur Erwerbung seines Unterhaltes geschickt machen. Er
ist nunmehr erzogen, hat das gehörige Wachsthum erreichet. Unerzogene
Kinder, welche noch nicht die gehörige Größe erreicht haben. Ich
bin hier geboren und erzogen. Wir sind zugleich erzogen worden. Ältern
müssen ihre Kinder selbst erziehen. 2) In engerer Bedeutung, die Sitten,
das Herz, den Geist eines Kindes [
1959-1960] bilden. Ein
wohl erzogener junger Mensch. Schlecht erzogene Kinder. Unerzogene Kinder,
deren Sitten schlecht gebildet worden. An einem solchen Thoren lässet sich
nicht viel Ehre erziehen, d. i. durch die Erziehung erwerben. Besonders wird
das Hauptwort die Erziehung in diesem Verstande gebraucht. Die Gewohnheit wird
durch die Erziehung verändert. Seinen Kindern eine gute Erziehung geben.
Er hat eine gute, eine schlechte Erziehung gehabt. Zuweilen wird es auch
für gute Erziehung gebraucht. Er hat keine Erziehung, er ist schlecht
erzogen worden.Anm. Erziehen, bey dem Ottfried und Willeram irziehan, ist nach
dem Lateinischen educare gebildet. Kero gebraucht das einfache zechan für
ernähren, und Notker ziehen für erziehen. Für Erziehung in der
ersten, meist physischen Bedeutung, ist bey dem großen Haufen noch das
Hauptwort die Ziehe üblich. Ein Kind in die Ziehe geben, es andern zur
Erziehung geben. [
1961-1962]