Drücken
, verb. reg. act. die Theile eines Körpers in einen engern
Raum zu bringen suchen. 1. Eigentlich. Butter in den Topf drücken. Etwas
in der Hand fest zusammen drücken. Einem die Hand drücken, als ein
Merkmahl des alten Deutschen Wohlwollens. Den Huth in das Gesicht drücken.
Der Alp hat ihn gedrückt,
S. Alp.
Er hatte seinen Mund auf meine Hand gedrückt, Gell.
Jemanden an seine Brust drücken, als ein Merkmahl
lebhafter Zärtlichkeit. Drücke auch diese zwey Unschuldigen an deine
Brust. 2. In weiterer und figürlicher Bedeutung. 1) Einen Körper aus
jener Stelle zu bringen suchen. So schreibt man oft dem Zuge der Gewichte einer
Uhr, der Wirkung der stählernen Feder, ein Drücken zu. 2) Durch
Drücken Schmerzen verursachen, wund drücken. Die Schuhe drücken
mich. Da drückt uns der Schuh, figürlich, im gemeinen Leben, das ist
der geheime Schmerz, der uns quält. Der Sattel hat das Pferd
gedrückt, hat dasselbe wund gedrückt. 3) Ingleichen von gewissen
Empfindungen, welche der durch Drücken verursachten Empfindung gleichen.
Es drückt mich auf der Brust. Ich fühle ein schmerzhaftes
Drücken im Unterleibe. 4) Durch drücken befestigen. Das Siegel auf
eine Urkunde drücken. 5) In der Mahlereybedeutet drücken oder
drucken, die Schatten dunkeler machen, weil solches vermittelst eines
stärkeren Druckes mit dem Pinsel geschiehet; im Gegensatze des Blickens.
6) Sich drücken, im gemeinen Leben, einen moralisch engern Raum
einzunehmen suchen. Man muß sich schmiegen und drücken, wenn man mit
Ehren durch die Welt kommen will. Wer sehr pranget, der verdirbt darüber,
wer sich aber drücket, der kommt empor, Sir. 20, 11. 7) Zaudern,
gleichfalls nur im gemeinen Leben. Was drückst du lange, gib her, was du
hast. In den niedrigen Sprecharten ist dafür ein neues Frequentativum
drucksen üblich. 8) Beschwerde, Kummer, Gram verursachen. Die
drückende Last der Geschäfte. Von Mangel und Armuth gedrückt
werden. Die Unterthanen mit Abgaben drücken. Hier drückt ein
mächtiges Unrecht die Unschuld. Die Tugend wird gedrückt, aber nicht
unterdrückt. Die Noth drückt mich. Ich fühle, daß mich ihre
Seufzer unter allen meinen übrigen Lasten am meisten drücken.
S. das folgende. [
1559-1560]