Der Wenzel
, [
1491-1492] des -s, plur. ut nom. sing.
ein nur im gemeinen Leben Ober- und Niederdeutschlandes übliches Wort. 1. Als
ein männlicher Taufnahme, da es denn aus Wenceslaus verkürzt, und so, wie
andere auf ähnliche Art verstümmelte Nahmen, z. B. Hans, Franz, Toms u. s. f.
nur im gemeinen Leben üblich ist. 2. In manchen Arten Deutscher Kartenspiele
werden die vier Buben oder Untern Wenzel genannt. In einem solchen Spiele,
welches daher Scherwenzel heißt., sind diese vier Buben die Hauptwenzel, die
vier Neunen aber gemachte Wenzel. 3. Eine gewisse Classe von Vögeln, welche
sich durch ihre gewölbte Brust von mancherley Farben auszeichnet, und wohin das
Rothkehlchen, Blaukehlchen u. s. f. gehöret, werden Wenzel und Brustwenzel
genannt, Sylvia Klein. der Buntwenzel, Sylvia versicolor Klein. und der rothe
Wenzel mit schwarzer Haube, Sylvia rubra rostro longiori Klein. der grüne
Wenzel u. s. f. sind Arten davon. 4. In den niedrigen Spracharten wird der
einheimische Land-Tabak im verächtlichen Verstande Lausewenzel genannt. Anm. Es
ist unwahrscheinlich, daß in allen diesen Bedeutungen der eigene Nahme Wenzel
zum Grunde liegen sollte. Es scheinet vielmehr, daß es in der zweyten und den
folgenden Bedeutungen ein eigenes Wort ist, welches vermittelst der
Ableitungssylbe el von wenden und dessen veralteten Intensivo wendsen gebildet
worden, so daß Wenzel ein bewegliches Ding bedeuten würde, welches sich leicht
wenden und drehen, und zu allem gebrauchen läßt; welche Bedeutung das zusammen
gesetzte Scherwenzel wirklich hat.
S. dasselbe.