Verwandeln
, [
1169-1170] verb. reg. act. welches
eigentlich mit verändern gleich bedeutend ist; aber durch den Gebrauch noch
sehr davon unterschieden wird. Es bedeutet, 1. Im weitesten Verstande, und so
wie verändern, ein Ding anders bestimmen, es geschehe, auf welche Art es wolle,
auch in Ansehung der äußern Gestalt. Sie werden verwandelt werden, wie ein
Kleid, Ps. 102, 27. In dieser weitern Bedeutung ist es in der anständigern
Sprechart veraltet; nur im gemeinen Leben sagt man noch, es verwandle sich
jemand im Gesichte, wenn er seine Farbe verändert, plötzlich roth wird. 2. In
engerer und gewöhnlicherer Bedeutung ist verwandeln, die Natur und Verbindung
eines Dinges ändern, ein Ding anderer Art daraus machen, wo denn dieser Begriff
wiederum sehr vielerley Einschränkungen leidet. Und da es dem König von Ägypten
ward angesagt, daß das Volk war geflohen, ward sein Herz verwandelt, 2 Mos. 14,
5. Du bist mir verwandelt in einen Grausamen, Hiob. 30, 21. Die Klage in einen
Reihen, Gottes Wahrheit in Lügen, Gottes Gesetz in gottlose Ehre, den
natürlichen Brauch in den unnatürlichen verwandeln, lauter biblische Ausdrücke,
wo es oft nur bedeutet, ein Ding anstatt des andern darstellen. Ich hoffe ihren
kleinen Eigensinn leicht in eine beständige Liebe zu verwandeln, Gell. Stumme
Bewegungen und einfaches Geschrey verwandelt der Dichter in menschlichen
Ausdruck. Durch die Verdauung werden Speise und Trank in Fleisch und Blut
verwandelt. Mein Verdruß verwandelt sich in eine tiefe Traurigkeit. Der Wein
verwandelt sich in Essig. Wir müssen den flüchtigen Anblick der Schöpfung in
einen bedachtsamen verwandeln, Gell. 3. Im engsten Verstande ist verwandeln das
Wesen eines Dinges verändern, ein Ding in ein Ding anderes Wesens umschaffen,
wozu natürliche Kraft nicht hinlänglich ist. Moses verwandelte das Wasser in
Blut, den Stab Aarons in eine Schlange. Christus verwandelte Wasser in Wein.
Daphne ward in einen Lorberbaum verwandelt. Jupiter verwandelte sich in einen
Stier. So auch die Verwandlung. Die Verwandlungen Jupiters. Anm. Schon bey dem
Notker firwandeln, der aber auch das einfache wandeln dafür gebraucht, welches
noch bey dem Opitz, Lohenstein und andern in dieser Bedeutung vorkommt.
Daß die von uns bisher so angenehme Liebe Den Nectar auf
einmahl in Wermuth wandeln kann, Günther;
d. i. eigentlich nur ändern. Allein, bey dem heutigen
Gebrauche des Zeitwortes verwandeln ist die Partikel ver keines Weges
überflüssig, indem sie dem Worte den Begriff der völligen gänzlichen
Veränderung mittheilet, welchen es ohne sie nicht hat.
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1171-1172]