Der Vasall
, [
1165-1166] des -en, plur. die -en, Fämin.
die Vasallin, eigentlich ein Lehensmann, im Gegensatze des Lehensherrn, eine
Person, welche von einem andern ein Gut in Lehen hat, und ihm dafür zur Treue
und gewissen Diensten verpflichtet ist. Jemandes Vasall seyn. Die Vasallen
aufbiethen, die Lehensleute, Untersassen. In engerer Bedeutung werden von
einigen nur diejenigen Lehenleute Vasallen genannt, welche zur Mannschaft, d.
i. zu Kriegsdiensten, verpflichtet waren, zum Unterschiede von den
Dienstmännern oder Dienstleuten, Ministeriales, welche Hoflehen besaßen und
dafür zu Hofdiensten, verpflichtet waren; obgleich dieser Unterschied aus den
Deutschen Gebräuchen nicht erweislich seyn möchte. In weiterm Verstande wird
oft ein jeder Unterthan, selbst zuweilen ein bloßer Gerichtsunterthan, ein
Vasall genannt,
S. Unterthan. Anm. Das Wort ist mit dem Lehenrechte aus
dem mittlern Lat. Vasallus, Vassallus, Vassus, in das Deutsche gekommen,
obgleich auch dieses aus einer der damahligen Europäischen Sprachen entlehnet
worden, welches vermuthlich die Deutsche oder nordische gewesen. Da dieses
ältere Stammwort bisher noch nicht mit Gewißheit bestimmt worden, so hat es
auch an Ausschweifungen und seltsamen Ableitungen dieses spätern Lateinischen
Wortes nicht gefehlet, welche ich hier nicht anführen mag, sondern nur bemerke,
daß diejenige Ableitung, welche dieses Wort eigentlich durch Kostgänger,
Brötling erkläret, eine Person zu bezeichnen, welche jemandes Kost genießet,
und ihm dafür zu gewissen Diensten verpflichtet ist, wie das gleichfalls
spätere Lat. Familiaris, die meiste Wahrscheinlichkeit für sich hat. In dieser
Bedeutung kommt, wie aus dem Du Fresne erhellet, Vassus am frühesten vor.
Weisat waren im Deutschen ehedem allerley Speisen und Eßwaaren, welche die
Lehensleute dem Lehensherren zu gewissen Zeiten zum Geschenke brachten; im
Schwedisch. aber ist Veisla, Veitsla, eine Mahlzeit, ein Gastmahl, das
Stammwort weita aber, ist geben, darreichen, bewirthen, und in engerer
Bedeutung, zu Lehen geben, welches mit unserm weisen, in einweisen, anweisen u.
s. f. überein kommt. In eben dieser Sprache ist Weiting, ein Lehen, welches
nebst dem Niederdeutschen föden, ernähren, füttern, zugleich ein bequemes
Stammwort für das mittlere Lat. Feudum abgibt, wie schon von mehrern erkannt
worden.