Versehren
, [
1133-1134] verb. reg. act. durch Trennung
des Zusammenhanges, besonders der äußern Theile, unvollkommener manchen, wie
verletzen, und von thierischen Körpern verwunden. Ir vil froelich stenden ougen
diu hant so verseret mich vil senden man, Heinr. von Frauenberg. Wan diu mir
kunde das herze also verseren, Graf Rud. von Neuenburg. Jetzt gebraucht man es
nur noch entweder in ganz allgemeinem Verstande, ohne den Grad der Verletzung
zu bezeichnen, oder, und zwar am häufigsten, von geringen Beschädigungen oder
Verletzungen. Die Mäntel waren nicht versehrt, Dan. 3, 27. Sich die Hand
versehren, durch eine Streif- oder andere leichte Wunde. Im Feuer unversehrt
bleiben. So auch die Versehung. Ehedem wurde es auch figürlich für beleidigen
gebraucht, welche Bedeutung in einigen Oberdeutschen Gegenden noch gangbar ist.
Auf daß ich nichts begehe wider Pflicht, Noch möge dich mit
Übelthat versehren, Opitz. Daß ihr versuchendes Gelüsten Im öden Orte (in der
Wüste) Gott versehrt, eben ders.
Anm. Es ist ein altes Wort, welches bey dem Ottfried auch
firzaren lautet, und daselbst zerreißen bedeutet, (
S. auch Verzehren.) Da das einfache sehren ehedem sehr
häufig für versehren gebraucht wurde, und in den gemeinen Mundarten Ober- und
Niederdeutschlandes noch gangbar ist, so erhellet daraus, daß ver hier eine
bloße Intension bezeichnet. Seragaz herza, ein verwundetes Herz, Ottfr. Im
Nieders. ist seren und serigen, noch verletzen, beschädigen, Schmerzen
erwecken. Eben daselbst ist Seer, Serede, Serigheit, Seringe, so wohl
Veletzung, Ausschlag, Grind u. s. f. als auch dessen Wirkung, der Schmerz, bey
allen alten Oberdeutschen Schriftstellern gleichfalls Ser, Seru, im Schwed.
Sär, Angels. Sar, Hartseer, He zeleid, serig, verletzt, serlig, bey dem
Ottfried schmerzlich, in Oberschwaben ser u. s. f. Unsere Partikel sehr ist
eine Figur davon, (
S. dieselbe,) ingleichen Dorn. Das hier
nichtlateinischer Text, siehe Image ängsten, scheint damit nahe verwandt
zu seyn.