Das Verderben
, [
1201-1202] des -s, plur. inus. der
Infinitiv des vorigen Zeitwortes, als ein Hauptwort gebraucht. 1. Von dem
Activo verderben, diese Handlung zu bezeichnen; in welchem Verstande es doch
nur zuweilen im gemeinen Leben gebraucht wird. Das Verderben ist eine schlechte
Kunst. In einigen Fällen ist dafür Verderbung üblich. 2. Von dem Neutro
verderben. (1) Der Zustand, da ein Ding verdirbt, oder verdorben ist, in allen
Bedeutungen desselben. a) Der Zustand, da ein Ding zu seiner Bestimmung oder
Absicht unbrauchbar, unfähig wird, aus einem guten Zustande in den entgegen
gesetzten schlimmen geräth, wo es im eigentlichen Verstande nur zuweilen von
leblosen Dingen gebraucht wird. Das Fleisch, die Früchte, den Wein, das Obst
vor dem Verderben bewahren. Da das Wort hier sehr unbestimmt ist, so bedienet
man sich in den meisten Fällen dafür lieber der bestimmtern Fäulniß,
Verstockung u. s. f. Im moralischen Verstande, der Zustand, da man aus einem
moralisch guten Zustande in den entgegen gesetzten schlimmern geräth oder
gerathen ist, in welchem Verstande man in der theologischen Schreibart das
Verderben des menschlichen Herzens, der menschlichen Natur kennet, wofür man
doch, um der Zweydeutigkeit der folgenden Bedeutungen willen, lieber
Verderbniß, noch mehr aber Verdorbenheit oder Verderbtheit gebraucht. Das
natürliche Verderben, das Übergewicht der Sinnlichkeit über die obern Kräfte
des Menschen. b) Der Zustand des höchsten Unglücks, so wohl im weltlichen als
geistlichen Verstande, so fern dasselbe in der Zerstörung des Wohlstandes
bestehet, Untergang, Tod, Verdammniß u. s. f. gleichfalls als ein sehr
allgemeines und unbestimmtes Wort. In sein Verderben rennen. Der dein Leben vom
Verderben erlöset, Ps. 103, 4. Sein Leben ins Verderben bringen, Sprichw. 6,
32. Jemanden in das Verderben stürzen. Nach dem Verderben ringen, Weish. 1, 12.
Zu seinem Verderben in den Krieg gehen. (2) Ein Ding, welches das Verderben
eines andern befördert, daran Schuld ist, in dieser letzten Bedeutung. Sünde
ist der Leute verderben, Sprich. 14, 34. Das Spiel ist dein Verderben. Dieser
Umgang wird einmahl dein Verderben seyn. Im gemeinen Leben auch der Verderb.
Anm. Der Plural ist völlig ungewöhnlich, obgleich Klopfstock ihn gewagt hat:
alle deine Verderben zogst du Ewiger an.