Der Tod
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611-612] des -es, plur. inus. 1.
Eigentlich, das Ende des natürlichen oder thierischen Lebens, der Zustand und
der Zeitpunct der Trennung der Seele von dem Leibe, welcher in der Theologie
der zeitliche, leibliche oder natürliche Tod genannt wird, um ihn von dem
folgenden geistlichen und ewigen zu unterscheiden; im Gegensatze des Lebens.
Sich vor dem Tode fürchten. Jemanden von dem Tode erretten. Jemandes Tod
beweinen. Von dem Tode übereilt werden. Ein herrlicher Tod nicht auf dem
Rosenbette der weiblichen Muße, nicht gleichgültig dem Vaterlande, noch
unberühmt bey den künftigen Enkeln. Der natürliche Tod, auch im Gegensatze
eines gewaltsamen. Eines natürlichen Todes sterben, aus erschöpfter
Lebenskraft. So auch eines gewaltsamen, schmähligen, schrecklichen, plötzlichen
Todes sterben. Welche Wortfügung des Zeitwortes sterben mir der zweyten Endung
dieses Zeitwortes, alsdann richtig ist, wenn die Todesart ausgedruckt werden
soll. Das biblische des Todes sterben aber, für sterben, oder den Tod leiden,
ist ein Hebraismus. In der dichterischen Schreibart drückt man die Art und
Weise auch mit der vierten Endung aus. Den Tod fürs Vaterland sterben. Den Tod
der Helden, den Tod der Sünder sterben. - Dem Tode unerschrocken entgegen
gehen, Todes verbleichen, verfahren, im Oberdeutschen und in der feyerlichen
Schreibart der Hochdeutschen, für sterben. Mit Tode abgehen, ehedem Todes
halber abgehen, ist im Hochdeutschen für sterben völlig gangbar. Ich bin des
Todes, ich möchte mich zu Tode erschrecken, verwundern, ärgern u. s. f. Ich
wäre des Todes, wenn er es wüßte. Ich möchte vor Ärgerniß des Todes seyn. Noch
bin ich des Todes für (vor) Schrecken, Zachar. Auf den Tod darnieder liegen,
sterbenskrank, oder todkrank seyn, auf den Tod liegen. Mit dem Tode ringen. Für
jemand in den Tod gehen. Die Krankheit ist nicht zum Tod, nicht gefährlich. Der
Tod sitzt ihm schon auf der Zunge, er ist dem Tode nahe. Sich zu Tode trinken,
arbeiten, lachen, grämen u. s. f. Man mochte sich darüber zu Tode, oder todt
lachen. Das ist mir bis in den Tod, oder in den Tod zuwider, im höchsten Grade.
Es ist eine sehr alte und gewöhnliche Figur, den Tod als ein für sich
bestehendes Wesen zu betrachten, welche so wohl im gemeinen Leben als in der
höhern Schreibart sehr gewöhnlich ist. Der Tod läuft mir übers Grab, sagt man,
z. B. wenn man einen plötzlichen Schauer empfindet, ohne dessen Ursache zu
wissen. Das Wort Tod wird in allen diesen Fällen entweder überhaupt von dem
Ende des tierischen Lebens, oder von diesem Zustande bey einzelnen Personen
gebraucht. In dem letzten Falle sind von vornehmen Personen und in der
feyerlichen Schreibart, Todesfall, Absterben, Ableben, tödlicher Hintritt u. s.
f. üblicher. Alle obige Arten des Ausdruckes sind von dem natürlichen Tode, und
dem meisten Theile nach von diesem nur allein üblich. Auf einen gewaltsamen Tod
beziehen sich folgende. Jemanden den Tod zuerkennen, ihn zum Tode verurtheilen,
zur gewaltsamen Beraubung des Lebens. Jemanden zum Tode führen, begleiten, zur
Hinrichtung. Den Tod leiden, erdulden, ausstehen. Jemanden den Tod anthun,
wofür doch hinrichten üblicher ist. Sich selbst den Tod anthun, sich
gewaltthätiger Weise um das Leben bringen. Jemanden vom Leben zum Tode bringen,
nach Urtheil und Recht hinrichten. Auf den Tod gefangen sitzen, oder nur
schlechthin, auf den Tod sitzen. Den Tod verdienet haben. 2) Figürlich ist in
der Theologie der geistliche Tod, die Beraubung des geistlichen, und der ewige
Tod, die Beraubung des ewigen Lebens. 3) Im gemeinen Leben, besonders
Niederdeutschlandes wird der verdorrete Überrest der ehemahligen Blüthe an den
Äpfeln und Birnen der Tod genannt, welches Wort von dem Niedersächsischen doen,
sterben und vertrocknen, abdoen, abdorren, abstammet. Anm. 1. Ungeachtet der
Plural bey andern ähnlichen Wörtern, besonders von mehrern Arten, nicht
ungewöhnlich ist, so klingt er hier doch allemahl vorzüglich fremd und
widerwärtig, so oft er von einigen gewagt worden. Nicht deine brüllende Tode
schrecken mich, Schlacht, Klopst. Alle Tode der Kinder Adam zu sehen, ebend.
Luther machte ihn irrig Tode; ich wollte eher zehn Tode leiden. Anm. 2. Bey dem
Ulphilas Dauths, im Isidor Dodh, bey dem Kero Tod, bey dem Ottfried Doth, im
Nieders. Dood, im Angels. und Engl. Death, im Schwed. Död, im Isländ. Daud. Es
stammet von dem im Hochdeutschen veralteten Zeitworte toen, toden, sterben her,
welches noch im Nieders. und allen damit verwandten Sprachen gangbar ist;
Nieders. doen, Dän. doe, bey dem Ottfried douen, im Angels. dydan, im Engl.
die, bey dem Ulphilas gadauthnan; wovon noch unser Factitivum tödten, sterben
machen, abstammet, dagegen das Griech. hier nichtlateinischer Text, siehe
Image, und das Franz. tuer, gleichfalls eine thätige Bedeutung haben. In
einigen Niederdeutschen Gegenden wird der Tod, so fern er als ein für sich
bestehendes Wesen betrachtet wird, der Hel genannt, (
S. Hölle) daher ist daselbst Helheß, das dreybeinige
Pferd, worauf der Tod bey Pestzeiten herum reiten soll.
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