Der Tand
, [
527-528] des -es, plur. car. 1. Ein
Geschwätz, eine grundlose Rede. Alter Weiber Tand, Pict. Bey andern
Oberdeutschen Schriftstellern kommt Tandmähre in eben dieser Bedeutung vor. 2.
Eitele unnütze Dinge, als ein Collectivum. Menschentand, leere menschliche
Erdichtungen, wo aber auch die vorige Bedeutung Statt findet. Narrentand,
Narrenpossen. Kindertand, Kinderpossen, Kindereyen. Das ist weiter nichts als
Tand.
Mein Geist soll sich dem Tand der Erde kühn entschwingen,
Kleist.
Anm. Im Nieders. gleichfalls Tant, und im gemeinen Leben
daselbst mit der auch in andern Fällen nicht ungewöhnlichen Verdoppelung
Tanterlantant, im Schwed. Dant. Wachter leitet es von dem Arab. und Ital. Dad,
ein Würfel, Pellerier in seinem Bretagnischen Wörterbuche, von Dant, ein Zahn,
Dens, Frisch von tanti her; welche letztere Ableitung wohl die sonderbarste
ist. Die erste Bedeutung des Geschwätzes hat noch in manchen gemeinen Mundarten
ihre Verwandten, wo danten, Nieders. tantern, schwatzen, Französ. dandiner,
Tander, ein Schwätzer, und Tanderey, Geschwätz ist. Es scheinet in dieser
Bedeutung eine Onomatopöie des Schwatzens zu seyn, und mit zu Ton, tönen zu
gehören. Wenn die zweyte Bedeutung keine Figur der ersten ist, wie sie es denn
nicht zu seyn scheinet, so ist sie wieder eine eigene Onomatopöie der
spielenden Bewegung, und in diesem Falle ein Verwandter von tanzen. Im
Oberdeutschen bedeutet Tand, auch alte Kleider und Hausrath, Tändlerey,
Tändelkram. Daher ist Tändler, Tändlerkrämer, Tändlermann, daselbst ein Trödler
oder Trödelmann, der Tändelmarkt, der Trödelmarkt. Siehe Tändeln.
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527-528]