Schnüren
, [
1611-1612] verb. reg. welches in
doppelter Gestalt vorkommt. I. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, wo es
nur im Bergbaue üblich ist, wo zwey Zechen mit einander schnüren, wenn sie mit
einander gränzen, nahe an einander liegen; vermuthlich auch als eine von der
Meßschnur, womit ihre Gränzen bestimmt werden, hergeleitete Figur.
S. Schnurnachbar. II. Als ein Activum, mit einer Schnur
befestigen, auf eine Schnur reihen, mit der Schnur zeichnen u. s. f. 1) Einem
Dinge die Schnur anlegen; eine nur in einigen Fällen übliche Bedeutung. Eine
Wage schnüren, sie mit Schnüren versehen. Ein Thier männlichen Geschlechtes
schnüren, ihm die Hoden mit einer Schnur abbinden; eine Art des Castrirens.
Einen Missethäter schnüren, eine Art der Tortur, da ihm schwache Schnüre um die
Arme geleget und selbige fest zugezogen werden. Das Schnüren mit vollen Banden,
der höchste Grad dieser Tortur. Nicht so schmerzhaft ist in einem andern
Verstande das bey einigen Arbeitsleuten übliche Schnüren der Zuschauer oder
Fremden, wenn man sie mit einer Schnur umgiebet, oder eine Schnur vor den
Ausgang spannet, um ein Trinkgeld von ihnen zu erhalten, (
S. Anbinden.) Vermuthlich ist es eine Figur dieses
Gebrauches, wenn schnüren oft für prellen und schnellen gebraucht wird, d. i.
jemanden mit List oder unter einem falschen Vorwande um sein Geld bringen, wenn
es hier nicht vielmehr zu dem Nieders. snar, geschwinde, schnell, gehöret, und
so wie schnellen eine Figur der Geschwindigkeit ist. 2) Mit einer
durchgezogenen Schnur befestigen. Den Mantelsack auf das Pferd schnüren.
Besonders in den Zusammensetzungen abschnüren, anschnüren, aufschnüren u. s. f.
Die Schnürbrust lockerer schnüren. Daher in engerer Bedeutung sich schnüren bey
dem andern Geschlechte so viel ist, als eine Schnürbrust oder ein Schnürleib
tragen; geschnürt gehen. Sich lockerer, sich fester schnüren, die Schnürbrust,
das Schnürleib lockerer oder fester schnüren. Ein geschnürter Styl, eine Art
des gezwungenen Styls, der gleichsam so steif ist, wie ein geschnürtes
Frauenzimmer. 3) Mit der Richtschnur zeichnen. So schnüren die Zimmerleute,
Maurer u. s. f. wenn sie gerade Linien vermittelst einer gefärbten Schnur
machen. In einigen Zusammensetzungen, z. B. abschnüren, bedeutet es zuweilen
auch, mit einer Schnur abmessen. 4) Auf eine Schnur reihen; eine am häufigsten
in Niedersachsen übliche Bedeutung. Doch schnüret man auch in Obersachsen die
Tobaksblätter, wenn man sie auf eine Schnur reihet. So auch das Schnüren. Anm.
Im Nieders. snören und snirren, im Schwed. snöra. Es scheinet unmittelbar von
Schnur gebildet zu seyn.