Schmälen
, [
1555-1556] verb. reg. neutr. welches das
Hülfswort haben erfordert, und in einer doppelten Bedeutung üblich ist. 1) Bey
den Jägern bedeutet es im weitern Verstande, einen Laut von sich geben, seine
Stimme hören lassen; wo es doch nur von den Rehen und Rehböcken üblich ist, und
auch melden und schrecken genannt wird. 2) In der vertraulichen Sprechart ist
schmälen, seinen Unwillen durch Worte an den Tag legen; wo es zugleich ein
gelinderer und vertraulicherer Ausdruck ist, als schelten und andere
gleichbedeutende, indem er einen geringern Grad des Unwillens und gelindere
Ausdrücke desselben voraussetzt. Den ganzen Tag schmälen. Auf jemanden
schmälen. Ja, wenn doch nur Ein Mahl dein Vater auf dich schmälte, Rost. So
auch das Schmälen. Anm. Im Nieders. gleichfalls schmälen und schmeilen. Es ist
der Form nach ein Diminutivum von schmähen, gleichsam ein wenig schmähen, da es
denn aus schmähelen zusammen gezogen ist, (
S. -Eln;) woraus zugleich erhellet, daß auch die
Schreibart schmählen ihre Gründe für sich hat. Dem Ursprunge nach scheinet es
eine Onomatopöie zu seyn, wie solches die erste bey den Jägern übliche
Bedeutung wahrscheinlich macht. Und da sie dieses schmälen auch melden nennen,
so erhellet daraus zugleich die Verwandtschaft mit diesem Worte und mit 2 Mahl,
die Sprache, von welchem letztern es vermittelst des intensiven Zischlautes
gebildet worden. In der Rothwälschen Diebessprache ist schmalen übel von
jemanden reden, und Schmalkachler ein Berleumder.