Sammt
, [
1269-1270] ein Partikel, welche in
doppelter Gestalt üblich ist. 1. Als ein Nebenwort. 1) Für alle, insgesammt;
eine nur noch in den Kanzelleyen in der R. A. sammt und sonders, alle
insgesammt und jeder besonders, übliche Bedeutung.
S. Allesammt, Insgesammt und Gesammt, wo es in diesem
Verstande üblicher ist. 2) * Als ein vergleichendes Neben- oder Bindewort, für
wie, als; eine im Hochdeutschen völlig veraltete Bedeutung, in welcher es
ehedem für das gleichfalls veraltete sam gebraucht wurde.
Dermaßen pflegt ihr hier, zu werden euern Mann, Sammt alles,
was ihr thut, euch selber sey gethan, Scultet.
Es scheinet hier bloß das schon gedachte sam mit dem
angehängten t euphonico zu seyn. 2. Als ein Vorwort, welches die dritte Endung
des Hauptwortes erfordert, und so viel als mit bedeutet, wenn dasselbe eine
Gesellschaft bezeichnet, da es denn ehedem sehr oft für die bloße verbindende
Partikel und Gebrauch wurde. Gott hat uns, da wir todt waren in Sünden, sammt
Christo lebendig gemacht, und hat uns sammt ihm auferwecket, und sammt ihm in
das himmlische Wesen gesetzt, Ephes. 2, 5, 6. Jacob kam sammt alle dem Volk,
das mit ihm war, 1 Mos. 35, 5. Wer Unrecht hasset sammt dem Geitze, Es. 33, 15,
Unrecht und Geitz. Laßt uns unser Herz sammt den Händen aufheben zu Gott,
Klagel. 3, 41. Ihr könnet nicht Gott dienen sammt dem Mammon, Luc. 16, 17, und
dem Mammon. Ihr werdet sammt eurem Kerle das Brot noch vor dem Thüren suchen
müssen, Gell. Es ist in dieser Bedeutung zwar nicht veraltet; aber man
gebraucht es im Hochdeutschen doch bey weiten nicht mehr so häufig, als ehedem,
und scheinet sich dieses Vorwortes nur noch zu bedienen, um mit dem Vorworte
mit abwechseln zu können, wenn dasselbe zu oft auf einander folgen sollte. Oft
gebraucht man es auch, wenn man einer Rede mehr Nachdruck geben will, als ihr
das bloße mit gewähret. In den gemeinen Sprecharten, besonders
Niederdeutschlandes, pflegt man vor dem sammt gern noch ein müßiges mit vorher
gehen zu lassen. Ein pyrin (Bärinn) mit sambt iren welftein klein, Theuerd. Du
solltest dich der Luft mit sammt der Braut verzeichnen, Günth. Welcher
Pleonasmus aber der anständigen Sprechart fremd ist. Anm. Bey dem Ulphilas
samath, im Schwed. samt, bey dem Notker sament, sament mir, bey den
Schwäbischen Dichtern auch sant: Lieb und leit das teile ich sant dir, der von
Kinrenberg. Unser sammt ist von dem intensiven samm, sammen, mit dem
angehängten t, so wie das ältere samt von dem einfachern sam und sammen ist. (
S. Sam und Sammeln.) Man gebrauchte diese Partikel
ehedem sehr häufig in Zusammensetzungen, so wohl mit Zeitwörtern, samath
rinnan, Ulphilas, wofür jetzt zusammen üblich ist, zusammen laufen; theils mit
Hauptwörtern, eine Handlung oder Sache zu bezeichnen, woran mehrere Theil
haben, welche von mehrern gemeinschaftlich geschiehet. Die ersten sind völlig
veraltet; von den letztern aber sind noch manche in der Schreibart der
Kanzelleyen üblich. Sammtamt, Sammtbelehnung, Sammtgeleit, Sammtgut,
Sammthändler, Sammtkauf, Sammtlehen u. s. f. welche Wörter insgesammt, und zwar
am häufigsten, auch mit gesammt zusammen gesetzt werden, daher sie schon dort
aufgeführet worden. [
1271-1272]