Die Rotte
, [
1179-1180] plur. die -n, mehrere bey
einander befindliche lebendige Dinge Einer Art. 1) Eigentlich, wo es ehedem in
allen Fällen von mehrern bey einander befindlichen Thieren Einer Art, oder auch
von mehrern in einer und eben derselben Absicht versammelten Personen gebraucht
wurde, jetzt aber nur noch in einigen einzelnen Fällen üblich ist. Die Jäger
nennen mehrere bey einander befindliche Wölfe eine Rotte Wölfe; von andern
Thieren ist bey ihnen das verwandte Rudel üblich. Bey den Fleischern einiger
Gegenden bestehet eine Rotte aus einem Paare oder zwey zum Schlachten
bestimmten Thieren verschiedener Art, d. i. aus einem Rinde und einem Schafe.
Besonders war es ehedem im Kriegswesen üblich, einen Haufen unter einen
gemeinschaftlichen Befehlshaber stehender Soldaten zu bezeichnen, wo die Rotte
keine gewisse Zahl hatte, sondern aus bis 100 Mann bestand, am häufigsten aber
nur von kleinern Haufen gebraucht wurde; der Vorgesetzte einer solchen Rotte
hieß der Rottmeister, und die einzelnen Personen dieses Haufens gegen einander
heißen Rottgesellen. Frisch führet folgende Stelle aus dem Fronsberg an: "Es
wurden zehen Hakenschützen und einfache Knechte in Eine Rotte gestellt,
ingleichen auch sechs Doppelsöldner in Eine Rotte, dieselben sechs oder zehen
wählten sich einen Rottmeister aus ihrer Zahl, der empfing ihre Balleten, ihren
Proviant, und führte sie, wohin er sollte, seine Rotte hießen auch seine
Rottgesellen." Noch jetzt ist es in dieser Bedeutung nicht ganz veraltet, indem
die Compagnien in einigen Gegenden noch in Rotten abgetheilet werden, und
rottenweise marschiren, obgleich in den meisten dafür das Französische Division
üblicher ist. Die streifenden Rotten erschracken, 1 Sam. 14, 15. In den
Niedersächsischen Städten werden die Bürger-Compagnien noch in Rotten
abgetheilet, und da ist eine Rotte so viel wie eine Corporalschaft, und der
Rottmeister so viel wie ein Corporal. Im Pohln. ist Rota und im Schwed. Rote
noch in eben diesem Verstande üblich. Im engern Verstande begreift eine Rotte
so viel Mann, als hinter einander gestellt werden, so wie die neben einander
gestellten ein Glied heißen. So viel Mann jedes Glied hat, so viel Rotten hat
der Zug. 2) In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung gebraucht man dieses Wort
nur im härtesten und verächtlichsten Verstande, von Personen, welche sich zu
einer lasterhaften oder schädlichen Absicht versammelt, und in weiterer
Bedeutung vereiniget haben. Korah und seine Rotte, 4 Mos. 16, 5. Die Rotte der
Philister, 1 Sam. 23, 13. Der Gottlosen Rotte beraubet mich, Ps. 119, 61. Eine
Rotte Diebe, Straßenräuber, Bettler; die Diebesrotte, Mörderrotte, Räuberrotte.
Cartouche und seine ganze Rotte. Ingleichen von Secten, Parteyen, Spaltungen,
doch immer in diesem harten und verächtlichen Verstande. Denn es müssen Rotten
unter euch seyn, 1 Cor. 11, 19. Zank. Zwietracht, Rotten, Haß, Mord, Gal. 5,
20. Die halsstarrigen Juden machten eine Rotte und richteten einen Aufruhr an,
Apost. 17, 5. Anm. Bey dem Hornegk im männlichen Geschlechte, der Rott, im
Nieders. Rot, Rott, Angels. Ryd, Cread, Cruth, im Schwed. Rote, im Engl. Rout,
im Finnländ. Routu, im Ungar. und Böhm. Rota, im Ital. im verächtlichen
Verstande Frotta, im Wallis. Rhawd, im Irländ. Ruta, im Arab. Rotuow, Rataon
und Rottaon, alle in der Bedeutung einer größern oder geringern Menge bey
einander befindlichen Volkes. In der Schweiz ist die Roode ein abgetheilter
Haufe der Einwohner eines Cantons, ein einzelner Bezirk, und das auch im
Hochdeutschen übliche Rudel bedeutet gleichfalls eine Menge mehrerer Dinge
Einer Art.
S. das folgende. [
1181-1182]