Das Kebsweib
Das Kebsweib,
[
1527-1528] des -es, plur. die -er, eine
solche Person weiblichen Geschlechtes, in der harten Sprechart, wofür man in
der gelindern Kebsfrau sagen könnte; eine Beyschläferinn, mit einem Lat.
Ausdrucke ein Concubine, oder mit einem Franz. Worte eine Maitresse. Salomo
hatte stehen hundert Weiber und drey hundert Kebsweiber, 1 Kön. 11, 3, und so
in andern Stellen mehr. Ehedem waren dafür auch die Ausdrücke Beyweib und
Nebenweib üblich. Anm. Ehedem nur Kebse, bey dem Willeram Chobse, im Angels.
Cyfese, im Span. Manceba, (Mannskebse.) Im Schwabenspiegel heißt es Kap. 383:
Man sait daz dehain kint siner muter kint hebslichen si (daß es in Ansehung
seiner Mutter unecht sey.) Dez enist doh niht. Ain uuip mag geuuinnen Ekint,
Friukint, aygeniu kint und Kebskint. Ist siu aigen, man mag si frie lauzen. Ist
siu Kebse, siu mag einen eman nemen und mag der ekint bi ir genuinnen. In
andern Schriften dieser Zeit kommen auch die Abgeleiteten kebisch, kebsen,
bekebsen, verkebsen u. s. f. doch alle von einem unrechtmäßigen Ehestande vor,
von welchem Frisch nach gesehen werden kann. Im Holländ. ist Kevesen,
fornicari. Die Abstammung dieses Wortes ist noch ungewiß. Wachter leitet es vom
Latein. cubo her, und an einem andern Orte behauptet er, daß kebsen ehedem
reitzen, anlocken, bedeutet habe, ohne einigen Beweis davon zu führen, denn das
Isländ. Kebsir, ein verführerischer Knecht, beweiset hier nichts, weil dieses
Wort in den Nordischen Sprachen einen jeden Knecht bedeutet. Frisch lässet es
in seiner Ausgabe der Bödickerischen Sprachkunst von dem Lat. Cugus und dem
Deutschen Gutguck abstammen, in seinem Wörterbuche aber von Kaue, Käsich, eine
niedrige elende Hütte, beydes auf eine sehr gezwungene Art. Nach dem Schilter
stammet es von dem Schwed. und Isländ. Kaeps, Kaebs, ein Knecht, ein
Leibeigener, her, welche Ableitung noch die wahrscheinlichste ist, weil man
ehedem leibeigene Personen am häufigsten zu Beyschläfern und Beschläferinnen zu
wählen pflegte. Im Isländ. ist Slaecka eine Magd, und im Dän. und Schwed.
Slaegfrid eine Beyschläferinn. Ihre ist zweifelhaft, ob diese Bedeutung eines
Leibeigenen oder jene die älteste sey. Es scheinet überhaupt eine Person oder
Sache von geringerer, schlechterer Art bedeutet zu haben, ob sich gleich diese
Bedeutung zur Zeit nur noch muthmazen lässet. Im Türkischen ist Kabin, Kebin,
Kubin, eine Heirath auf gewisse Zeit. Im Schwedischen ist Kofsa zugleich ein
Schimpfwort auf eine unzüchtige Weibsperson.