Hold
Hold,
[
1261-1262] -er, -este, adj. et adv. 1)
Geneigt, des andern Glück gern zu sehen, Liebe gegen denselben empfindend, ohne
Unterschied des Standes; nur in Gestalt eines Nebenwortes. Der Herr wird den
Demüthigen hold seyn, Sir. 3, 20. Mosen waren beyde Gott und Menschen hold,
Kap. 45, 1. Den Lastern hold seyn. Jemanden hold werden. Der Gegensatz ist das
größten Theils veraltete abhold. In Gestalt eines Beywortes kommt es in dieser
Bedeutung nur selten vor, und wo es dieselbe zu haben scheinet, z. B. das holde
Glück, da gehöret es zunächst zu der folgenden dritten. (
S. Huld, Holde und Unhold,) 2) in engerer Bedeutung,
geneigt, das Beste seines Herrn gern zu sehen und zu befördern; wo es noch in
der Kanzelleysprache in Verbindung mit dem Worte treu gebraucht wird, aber auch
nur noch als ein Nebenwort üblich ist. Unterthanen sollen der Obrigkeit treu
und hold seyn. Sie waren weder dem Könige noch der Landschaft treu und hold, 3
Macc. 3, 7. (
S. Holde und Huldigen,) 3) In der weitesten Bedeutung,
in einem merklichen Grade angenehm, was man mit merklichem oder vielem
Wohlgefallen empfindet, liebenswürdig; in der edlen Schreibart und am
häufigsten als ein Beywort. Deine holde Geschäftigkeit mich zu erquicken. Mit
holder Anmuth küssest du die Tränen meiner Freude von meinen Wangen, Geßn. Ein
holder Mund, eine holde Wehmuth. Ein holder Knabe, er ist die lautre Natur,
Engel. Saugt Ambraduft von holden Blüthen ein, Zachar.
Es wandelt unter Bäumen Der holde Schlaf mit holdern Träumen,
Uz.
Anm. In der ersten Bedeutung ist es, wenigstens den Schriften
nach, am ältesten, indem es in derselben schon bey dem Ulphilas hulths lautet,
bey dem Notker hold, im Schwed. hult oder huld, im Isländ. holdur. Im Schwed.
ist hylla so wohl versöhnen, als huldigen, und hyldra schmeicheln. Daß es aber
in der zweyten Bedeutung nicht minder als sey, erhellet aus den Aldiis, Haltiis
und Illaldionibus des mittlern Lateines,
S. das folgende Holde. Vnholdeluite sind bey dem Notker
untreue Leute, und holdun scalca bey dem Ottfried treue Knechte. Wachter und
Frisch leitet es von hellen, neigen, und Halde, die abhängige Seite eines
Berges, her, da es denn nach eben der Figur gebildet seyn würde, nach welcher
geneigt und Gnade von neigen und nahen abstammen. In der dritten Bedeutung
kommt es am spätesten, aber doch schon bey den Schwäbischen Dichtern vor.
Sollte es in derselben wohl gar ein eigenes, zu einem andern Stamme gehöriges
Wert seyn? [
1263-1264]