2. Hell
2. Hell,
[
1099-1100] -er, -este, zusammen gezogen
hellste, adj. et adv. welches in einer doppelten Hauptbedeutung üblich ist. 1.
Von den Tönen, einen hohen Grad der mit Reinigkeit verbundenen Deutlichkeit
habend, und darin gegründet. Eine helle Stimme, welche aus dem offenen Munde
ohne Zwang und Drücken der Kehle frey aus der Brust hervor gebracht wird. Eine
helle oder hell klingende Trompete, welche einen starken, reinen Klang hat;
Nieders. schrell. Helle Cimbeln, 1 Chron. 16, 16, 28. Helle Posaunen, Pf. 47,
6. Auf ähnliche Art gebrauchen die Lateiner die Wörter clarus und Splendor von
den Tönen und der Stimme. Hell schreyen. Das helle e, in der Sprachkunst, das
offene e, das e ferme der Franzosen, so wie es in der ersten Sylbe der Wörter
stehen, Ehre, stehen, ausgesprochen wird, zum Unterschiede von dem dunkeln oder
tiefen e, welches wie ein ä lautet, wie in geben, leben. 2. Eine Eigenschaft
der Körper in Ansehung der Lichtstrahlen zu bezeichnen. 1) Eigentlich. (a)
Einen hohen Grad des Lichtes habend, oder von sich gebend, und darin gegründet;
im Gegensatze dessen was dunkel ist. Das Licht, das Feuer brennt nicht hell.
Ein helles Licht. Die hellen Sterne. Es ist sternenhell, wenn die Sterne hell
leuchten. Der Blitz machte das ganze Zimmer hell. Ein helles Zimmer, welches
den nöthigen Grad des Lichtes hat. Es wird hell, wenn der Tag anbricht. Es ist
schon heller lichter Tag, im gemeinen Leben. Was ist heller denn die Sonne?
Sir. 17, 30. Ein heller Schein, 2 Cor. 4, 6. Helle Hölzer, im Forstwesen,
welche auch lichte Hölzer heißen, Laubhölzer, mit Laubholze bewachsene Gehölze,
weil sie heller sind, als die Nadel- oder Tangelhölzer. In einem andern
Verstande ist eine Holzung hell oder licht, wenn die Bäume sehr dünn in
derselben stehen, und also viele Lichtstrahlen durchlassen. Helle Farben, in
der Mahlerey, welche viele Lichtstrahlen zurück werfen, lichte Farben; im
Gegensatze der dunkeln. So auch in den Zusammensetzungen, hellblau, hellgrau,
hellroth, hellgrün, hellgelb u. s. f. im Gegensatze des dunkelblau, dunkelgrau
u. s. f. (b) Einen hohen Grad des Glanzes habend, viele Lichtstrahlen von
seiner Oberfläche zurück werfend; im Gegensatze des matt oder trübe. Helle
(glänzende) Augen haben. Ein heller Spiegel. Das Geschirr hell scheuern. Ihre
Füße glänzten, wie ein hell glatt Erz, Ezech. 1, 7. Ihr Licht war gleich einem
hellen Jaspis, Offenb. 21, 11. (c) Einen hohen Grad der Durchsichtigkeit
habend, viele Lichtstrahlen durchlassend: im Gegensatze des trübe. Ein sehr
helles Wetter. Die Luft ist nicht hell, wenn sie mit Dünsten angefüllet ist.
Das Glas ist sehr hell. Der Diamant ist hell. Reines, helles Wasser. Helles
Bier, welches nicht dick oder trübe ist. Augen, in denen helle Tropfen hingen.
Nicht ohne helle Zähren zu weinen, Wiel. 2) Figürlich, einen hohen Grad der
Deutlichkeit habend, und darin ge- gründet. Es ist die helle Wahrheit. Hell
denken, mit vieler Deutlichkeit. Ein heller Kopf, welcher sehr klare oder
deutliche Begriffe von vielen Dingen hat. In seinem Kopfe ist es helle. Die
hellen Zwischenräume der Vernunft, Intervalla lucida, wo man sich seiner mit
Deutlichkeit bewußt ist. Anm. Dieses Wort lautet in beyden Bedeutungen im
Nieders. hell. In der ersten Bedeutung, in welcher es älter zu seyn scheinet,
weil sich Töne leichter nachahmen lassen, als die Empfindung des Sehens,
gehöret es ohne Zweifel zu dem alten Hall, und hallen, schallen. Bey dem Notker
kommt hellen für schallen vor. Da es eine eben nicht seltene Figur ist, die
Eindrücke des Gehöres auf die übrigen Sinne, und besonders auf das Sehen
überzutragen, so ist auch hell schon sehr früh von einem hohen Grade des
Lichtes und Glanzes gebraucht worden. Das Hebr. -
hier nichtlateinischer
Text, siehe Image - , glänzen, das Griech. -
hier nichtlateinischer
Text, siehe Image - , die Sonne, Lat. Sol, durch Vertauschung des
Hauchlautes mit dem Zischlaute, und -
hier nichtlateinischer Text, siehe
Image - , der Sonnenglanz, und das Wallis. Haul, die Sonne, sind sehr alte
Beweise davon. Zu eben diesem Geschlechte gehöret auch das Angels. Aeled und
Dän. Ild, Feuer, aelan, anzünden. [
1099-1100]