Die Haube
Die Haube,
[
999-1000] plur. die -n, Diminut. das
Häubchen, Oberd. Häublein, welches überhaupt eine jede oberste rundliche
Bekleidung eines Dinges zu bezeichnen scheinet; besonders in folgenden Fällen.
1) Eine Bekleidung des Hauptes bey Menschen, eine Mütze. In der Oberpfalz und
andern Oberdeutschen Gegenden werden auch die Mützen des männlichen
Geschlechtes Hauben genannt, in welcher Bedeutung dieses Wort schon im
Schwabenspiegel vorkommt. Daher die im gemeinen Leben üblicher figürlicher R.
A. jemanden auf die Haube greifen, ihm scharf zusetzen; einem auf der Haube
seyn, oder sitzen, genau auf ihn Acht haben; ihn genau beobachten.
Geh aber du dem Feinde auf die Hauben, Opitz.
Die Söhne Aarons mußten Hauben, d. i. Hauptbinden, tragen, 2
Mos. 28, 40; Kap. 29, 9; 3 Mos. 8, 13. In den Zusammensetzungen Bickelhaube und
Sturmhaube hat es gleichfalls noch die alte Bedeutung einer jeden Bekleidung
des Kopfes. Im Hochdeutschen ist es nur von einer Bekleidung des Hauptes des
andern Geschlechtes üblich, wo man in manchen Gegenden bald eine jede
Bekleidung des Hauptes, ein Kopfzeug, bald nur eine Art einfacher und
ungekünstelter Mützen, bald aber auch nur die leinwandene und gemeiniglich mit
Spitzen besetzte Bekleidung unter der Mütze eine Haube zu nennen pfleget. Daher
die Nachthaube oder Schlafhaube, Florhaube, Spitzenhaube u. s. f. In einigen
Niedersächsischen Gegenden tragen noch die Jungfrauen bloße leinwandene Hauben,
die Geschwächten und verehelichten Personen aber Mützen, Nieders. Hüllen. Daher
sagt man in Niedersachsen, mit Ehren unter die Hülle kommen, d. i. mit Ehren
eine Ehefrau werden, wofür man in Hoch- und Oberdeutschen mit Ehren unter die
Haube kommen sagt, und alsdann eine Weiberhaube oder Mütze darunter verstehet.
Die Kappe, welche dem Falken aufgesetzet wird, ihn zahm zu machen, heißt bey
den Falkenieren gleichfalls die Haube, so wie die Jäger den zugespitzten Sack,
worin sie den Dachs in seinem eigenen Loche fangen, eine Haube nennen. Einige
nennen den zweyten Magen der wiederkäuenden Thiere, vermuthlich wegen einiger
Ähnlichkeit mit einer Mütze, die Haube, und im Nieders. die Hülle. 2)
Verschiedene Arten der Bedeckung oder der Bekleidung des obersten Theiles
lebloser Körper. So wird der obere Theil des Mühlengehäuses an den
Holländischen Windmühlen die Haube genannt. Bey den Kohlenbrennern ist die
Haube eines Meilers die obere Schicht, welche aus kleinem Holze gemacht wird.
In der Baukunst sind die Wälschen Hauben Arten von Kuppeldächern, welche nach
zierlichen ausgeschweiften und eingebogenen krummen Linien zusammen gesetzet
sind, am häufigsten bey Kirchthürmen und Lusthäusern gebraucht und auch
Helmdächer genannt werden. In weiterer Bedeutung pfleget man auch ein jedes
Kuppeldach zuweilen eine Haube zu nennen.
S. Kuppel. 3) Der oberste Theil mancher Dinge in einigen
einzelnen Fällen. So wird an den Vögeln der obere Theil des Kopfes, welcher aus
der Stirn, der Scheitel und dem Hinterkopfe bestehet, die Haube genannt. In
einem andern Verstande führet diesen Nahmen der Schopf Federn, welchen einige
Vögel auf dem Kopfe haben.
S. Haubendrossel, Haubenfink, Haubenlerche, Haubenmeise.
An den Hämmern hat der oberste mittelste Theil, in welchem sich das Auge
befindet, den Nahmen der Haube. Im Böhmischen werden die Schwämme vermuthlich
wegen ihres rundlichen Obertheiles Hauba genannt. Anm. Dieses Wort lautet in
der ersten Bedeutung im Nieders. Huve, im Dän. Hue, Huve, im Schwed. Hufwa, im
Engl. How, Coif, im Wallis. Hwf, im Ital. Coffia, im mittlern Lat. Coiffa,
Cuphia, daher das Franz. Coeffe. Durch Vorsetzung des Zischlautes ist daraus
das Ital. Scuffia und alte Deutsche Schaube entstanden. Wachter leitet es von
dem Griech. -
hier nichtlateinischer Text, siehe Image - , ein Gewebe,
Frisch von Rufe, ein hohles Geschirr, Ihre aber von dem Gothischen Vaib, eine
Hauptbinde, Haube, und vaiban, bekleiden, her. Allein, da dieses Wort in allen
Fällen, in welchen es gebraucht wird, sich auf das Obertheil einer Sache
beziehet, so scheinet es vielmehr zu Haupt und Hause zu gehören, so fern sie
überhaupt etwas, das in seiner Art das oberste oder höchste ist, ausdrucken.
S. auch Hoch. [
1001-1002]