Das Gummet
Das Gummet,
[
823-824] des -s, plur. car. in der
Landwirthschaft, dasjenige Gras, welches auf zwey- und dreymähdigen Wiesen nach
dem zum ersten Mahle davon gewonnen Heue wächset; ingleichen das von diesem
Grase gewonnene Heu, welches von geringerer Güte ist, als das erste. Daher der
Grummetboden, ein Boden, auf welchem es verwahret wird; die Grummetbutter,
welche im letzten Theile des Sommers gemacht wird, wenn die Kühe auf den Wiesen
das Grummet abfressen; die Grummetwiese, eine Wiese, welche zwey oder drey Mahl
gehauen werden kann, und auch eine zwey- oder dreymähdige, ingleichen eine
zwey- oder dreyschürige Wiese genannt wird, zum Unterschiede von den
einmähdigen oder einschürigen. Anm. Die Abstammung dieses Wortes hat die
Wortforscher sehr beschäftiget. Wachters seltsame Ableitung von -
hier
nichtlateinischer Text, siehe Image - verdienet kaum erwähnet zu werden.
Frisch leitet es von grün, unreif, und Mahd, mähen, her, andere von Grammes,
Grommes, welches im gemeinen Leben für Hieronymus üblich ist, Wend. Growmus,
weil das Grummet gemeiniglich um den Hieronymus-Tag, der auf den 30sten
September fällt, gewonnen wird, daher auch der Krammesvogel seinen Nahmen haben
soll. Allein die Gestalten, welche dieses Wort in den verschiedenen Sprachen
und Mundarten hat, machen diese Ableitungen unwahrscheinlich. Im
Osnabrückischen lautet dieses Wort Gramme, in andern Niedersächsischen Gegenden
nur Gram, wobey man an das Latein. Gramen denkt; im Brem. Etgroon, Holländ.
Eetgroen, welches in dem Bremisch-Nieders. Wörterbuche von eten, essen, und
Groon, eine Wiese, abgeleitet wird, weil man dieses Gras gemeiniglich von dem
Viehe abfressen lasse; im Alt-Schwed. Ramaet; im Oberdeutschen Omat, Amendt,
Omt, Ämt, Emt, welches Frisch von ab, aben, Abend, her- leitet; woraus beynahe
scheinen sollte, daß das g und r nicht wesentlich zum Stamme gehören, wenn
nicht Grummet, Ramaet und Omat Wörter verschiedenen Ursprunges sind, da denn in
Ansehung des erstern Frischens Ableitung gar wohl Statt finden kann, obgleich
auch die von Grammes, Hieronymus, ihre Wahrscheinlichkeit hat, wenn nicht das
Bremische Etgroon, und unser Grummet bloß in der Versetzung der Sylben
verschieden sind. Übrigens wird das Grummet auch Spatheu, im Oberdeutschen auch
Dihm oder Dohm, und Afterheu, in Niedersachsen auch Nagras, Nachgras, Namatt,
Nachmahd, von nach und mähen, im Dän. Auret, im Schwed. Nywaelle, im Franz.
Regain, genannt. [
825-826]