Das Geschöpf
Das Geschöpf,
[
615-616] des -es, plur. die -e, von dem
Zeitworte schöpfen, welches ehedem für schaffen üblich war. 1) Ein jedes Werk,
welches man schaffet, d. i. macht oder bildet; Nieders. Schipsel, Schöpsel. Mit
was für fürchterlichen Geschöpfen der Einbildungskraft kämpfen sie? In welchem
Verstande auch die in der Wiedergeburt hervor gebrachte neue Fertigkeit 2 Cor.
5, 17, Gal. 6, 15, ein neues Geschöpf genannt wird. 2) In weiterer Bedeutung,
ein jedes zufälliges Wesen, so fern es von Gott geschaffen ist. Die Geschöpfe
Gottes. Lebendige, leblose Geschöpfe. Die Geschöpfe mehr ehren, als den Schöp-
fer. Oft auch im Scherze oder aus Verachtung von Personen, deren nähere
Beschaffenheit man sich eben zunächst zu bezeichnen Willens ist; wo auch das
Diminut. das Geschöpfchen gebraucht wird. Sie wissen ja, was die Mannsperson
für stolze Geschöpfe sind, Weiße. Du bist ein sehr ungefälliges Geschöpf. Er
sieht uns für Geschöpfchen an, die aus keiner andern Absicht da sind, als den
Männern ein Vergnügen zu machen, Less. Anm. Bey dem Notker Geschephido. Andere
gebrauchten Geschäft von schaffen dafür, die Gaskaft bey dem Ulphilas, Giscafat
im Isidor, Giscaft bey dem Ottfried, Gesceafta im Angels. Ehedem bedeutete
Geschöpf auch die Schöpfung, daher das erste Buch Mosis in den Deutschen Bibeln
des 15ten Jahrhundertes noch immer das Buch der Geschöpf genannt wird.
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