Der Bettel
, des -s, plur. ut nom. sing. 1) * Das Betteln, und das
Geschäft, welches man aus dem Betteln im eigentlichsten Verstande macht;
ohne Plural, und nur im Oberdeutschen. Dem Bettel nachhängen. Arme, die im
Bettel herum laufen. Von dem Bettel leben. Sich im Bettel betreten lassen. Den
Gassenbettel abstellen, das Betteln auf den Gassen. Alle diese Ausdrücke
sind nebst der ganzen Bedeutung im Hochdeutschen unbekannt. 2) Eine schlechte,
geringe Sache, im verächtlichen Verstande. Das ist ja nur ein Bettel.
Schwören sie den Bettel ab. Soll sich denn ein Mann, wie ich, auf allen
Bettel besinnen?Anm. Im gemeinen Leben hat man verschiedene Zusammensetzungen
mit diesem Worte, die schlechte, geringe Beschaffenheit einer Sache mit
niedriger Verachtung auszudrucken. Ein Bettelkönig, Bettelfürst, ein
armseliger König oder Fürst. Ein Bettelschmaus, eine Bettelhochzeit,
ein elender Schmaus, eine elende Hochzeit. Bettelode ist bey dem Notker
mendicitas. In der zweyten Bedeutung lautet dieses Wort im Nieders. Bödel,
Böel, welches eigentlich geringen Hausrath bedeutet, der auch wohl Budel,
Inbudel genannt wird. Es ist daher glaublich, daß Bettel in dieser
Bedeutung nicht zu betteln, mendicari, sondern zu einem ganz andern Stammworte
gehöret.
S. Budtheil. [
949-950]