Auftragen
, verb. irreg. (
S. Tragen), welches in doppelter Gattung üblich
ist.I. Als ein Aktivum. 1. Hinauf tragen, in die Höhe tragen. In diesem
Verstande wird aufgetragen in den Schmelzhütten auch für auflaufen
gebraucht, d. i. Erz und Kohlen in den Schmelzofen tragen, welches vermittelst
der Auftragtröge oder Schichttröge geschiehet. In einer
uneigentlichen Bedeutung bezeichnet in den Bergwerken auftragen, so viel als
erhöhen; z. B. einen Schacht auftragen, ihn von unten auf mit
Jöchern, Einstrichen, Tragestämpeln u. s. f. erhöhen.2. Eine
Sache auf die andere tragen. 1) Eigentlich. Die Speisen auftragen, auf den
Tisch. Es ist schon aufgetragen, oder man hat schon aufgetragen, die Speisen
sind schon auf den Tisch getragen. Einem herrlich auftragen, ihn ansehnlich
bewirthen. 2) In weiterer Bedeutung wird dieses Wort in verschiedenen
Handwerken und Künsten gebraucht, diejenige Verbindung oder Vereinigung
zweyer Dinge auszudrucken, welche bloß durch An- und auflegen geschiehet.
Farbe auftragen, bey den Mahlern und Buchdruckern. Gold im Vergolden auftragen.
Glasreifen mit dem Bindeisen auftragen, d. i. anlegen, in den Glashütten.
Das Seil auftragen, in den Bergwerken, es um den Korb legen u. s. f.
Ingleichen, einen Riß auftragen, ihn auf das Papier oder eine andere
Fläche zeichnen. 3) Figürlich, zur Verwaltung, Besorgung
übergeben. Einem ein Amt, ein Geschäft auftragen. Einem die Regierung
auftragen. Eine aufgetragene Gewalt, ein aufgetragenes Geschäft.
Ingleichen, das Obereigenthum über eine Sache abtreten; daher in dem
Lehenswesen, einem seine Güter auftragen, oder zu Lehen auftragen,
ingleichen ein aufgetragenes Lehen, Feudum oblatum, im Gegensatze des
gegebenen. Ehedem war auftragen in mehrern Fällen der Abtretung
üblich, in welcher Bedeutung es aber nun größtens Theils
veraltet ist.II. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, in welcher
Bedeutung man aber nur in gemeinen Leben, von einer Sache sagt, daß sie
auftrage, wenn sie zu dick ist oder wird, so daß eine andere, wider ihren
Endzweck, von derselben gleichsam getragen wird. So trägt ein Nachtlied
auf, wenn es die darüber gezogene Kleidung zu enge macht.Das Substantiv,
die Auftragung, kann in allen Bedeutungen des Activi gebraucht
werden. [
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