Anlaufen
, verb. irreg. (
S. Laufen,) welches so wohl als ein Neutrum, als auch
ein Activum üblich ist.I. Als ein Neutrum, welches mit dem Hülfsworte
seyn verbunden wird.1. Anfangen zu laufen, welche Bedeutung aber wenig
vorkommt.2. Hinan laufen, d. i. in die Höhe laufen, in welchen Verstande
es nur in weiterer und figürlicher Bedeutung üblich ist. Injener
laufen die Bergleute an, wenn sie allmählich in die Höhe arbeiten, so
daß die Sohle vor ihnen her steiget. Von einer allmählich in die
Höhe steigenden Fläche sagt man gleichfalls: Die Fläche
läuft an. Ferner sagt man auch von dem Wasser, es läuft an, der
Fluß ist sehr angelaufen, wenn sich dessen Menge, und folglich auch dessen
senkrechte Höhe vermehret. Figürlich und im gemeinen Leben, von
Zahlen. Die Summe ist schon hoch angelaufen, hat sich sehr vermehret. Seine
Schulden laufen täglich höher an.3. Heran laufen, sich laufend
nähern. 1) Eigentlich. Eine Grenadier-Compagnie anlaufen lassen, auf den
Feind. + Angelaufen kommen, im gemeinen Leben, sich laufend nähern. Mit
einem geringen Zusatze zu dem Begriffe wird bey den Jägern anlaufen
lassen, von den wilden Schweinen gesagt, wenn man sie an und auf das Fangeisen
laufen lässet. Auf ähnliche Art sagt man auch im Jagdwesen, das Thier
läuft an, wenn es dem Jäger zum Schusse kommt. 2) In weiterer
Bedeutung, wird anlaufen, (a) in den Hammerwerken von dem geschmolzenen Eisen
gebraucht, wenn es sich an die Brechstange, die daher auch der Anlaufkolben
oder der Anlaufstab genannt wird, anlegt, welche Verrichtung gleichfalls
anlaufen lassen genannt wird. (b) Den Glanz verlieren, von polirten
Körper, weil die Feuchtigkeit oder die matte Farbe, welche den Glanz
vertreibet, sich schnell und gleichsam laufend über die polirte
Fläche verbreitet. Das Glas, der Spiegel läuft an, wenn beyde mit
Dünsten überzogen werden; Niedersächsisch beframen, in Baiern
und Österreich damen. Polirten Stahl blau anlaufen lassen, ihm durch das
Ausglühen auf der Oberfläche eine blaue Farbe geben. An einigen Orten
gebraucht man dieses Verbum überhaupt von anbrüchig werden, und sagt
daselbst, der Wein läuft an, wenn er kahnig wird; mit Schimmel, oder vom
Schimmel anlaufen.4. Im Laufe an etwas anstoßen. 1) Eigentlich. Er ist mit
dem Köpfe an die Wand angelaufen. Im Finstern läuft man überall
an. 2) Figürlich (a) Übel bey einem anlaufen, schlecht von ihm
empfangen werden. Du wirst häßlich anlaufen, schlecht ankommen, dich
in deiner Rechnung gewaltig betriegen. So auch, einen anlaufen lassen, ihm auf
verdiente Art begegnen. In einem andern Verstande läßt man jemanden
anlaufen, wenn man ihn zu seinem Nachtheile einem Fehler begehen
läßt, woran man ihn hätte hindern können. (b) * Gegen
Gottes Gebothe anstoßen, doch nur in der biblischen Schreibart. Sind sie
darum angelaufen, daß sie sollten fallen: Röm. 11, 11. Der Stein des
Anlaufens, Röm. 9, 33.
Eh als ich gedruckt ward irret' ich, Und lief sehr an in meinem
Thun und Tichten, Opitz, Ps. 119, 34.
beging viele Fehler.II. * Als ein Activum, an einen laufen,
auf einen zu laufen, mit der vierten Endung des Substantives. Einen anlaufen.
Da liefen ihn die Juden in allen Städten an - und klagten ihm u. s. f. 2.
Maccab. 4, 36. Welche ihn ansehen und anlaufen, deren Gesicht wird zu Schanden,
Ps. 34, 6. Besonders in figürlicher Bedeutung und mit dem Nebenbegriffe
des ungestümen und beschwerlichen Bittens. Der Mensch läuft mich
täglich an. Einen um etwas anlaufen. Ingleichen mit dem Nebenbegriffe des
feindlichen Angriffes, einen feindlich anfallen.
Tewrdank der unverzagte man Lieff den pern mit seim spieß
an, Theuerd. Kap. 27. Ein wildes grimmes Thier läuft alle Menschen an,
Opitz Mehr hat nicht Attila - -- - euch feindlich angelaufen, ebend.
[
331-332] Allein in der ganzen
thätigen Bedeutung ist es, wenigstens in der edlern Schreibart im
Hochdeutschen, nicht mehr üblich. [
333-334]