Ahnden
, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, eine dunkele
Empfindung von einer künftigen Sache haben. Es wird auf gedoppelte Art
gebraucht. 1) Als ein persönliches Verbum. Was ahnden sie? was sagen sie?
Göthe. Ein kleiner Anfangs-versuch, an dem man aber, was noch dahinten
sey, ahnde und rathe, Herd. Daher haben denn auch einige das Particip.
Präs. gebraucht. Meine ahnende (ahndende) Angst hatte nicht falsch
geweissaget. Mit ahnender Betrübniß, Schleg. Da diese ganze
persönliche Form mehr Nieder- als Hochdeutsch ist, so gilt dieses
vornehmlich auch von dem Participio. 2) Am häufigsten unpersönlich,
mit der dritten Endung der Person. Es ahndet mir nichts Gutes, oder mir ahndet
nichts Gutes. Das hat mir lange geahndet. Meinem Herzen ahndete ein
Unglück.
Es ahnt mir, Schlesien verliere seine Schwäne; Ich sah
sie, sah ich recht, vorlängst nach Norden fliehn, Günth.
Anm. Bey den Niedersachsen bedeutet es auch Empfindung,
Begriffe von etwas haben; z. B. das Kind ahnet die Schläge noch nicht, hat
noch keine Begriffe davon. Eben dieselben schreiben und sprechen gern ahnen,
und die gröbern Mundarten aunen, so wie sie das d und t in der Mitte
vieler andern Wörter aus Trägheit verschlucken; z. B. been, für
beden, oder Hochdeutsch bethen, döen, für tödten, höen,
für hüten u. s. f. Indessen ist es doch in diesem Worte bey ihnen
nicht allgemein, denn man findet bey ihnen auch aanden. Es ist also ein Fehler,
wenn manche Hochdeutsche die Niedersächsische Bequemlichkeit nachahmen und
gleichfalls ahnen schreiben und sprechen; zumahl da sogleich erhellen wird
daß das d zur Wurzel gehöret. Denn Frischens Ableitung von an, und
Ihre's von ohne, so daß die Emfindung des Mangels der Stammbegriff sey,
sind viel zu künstlich und unwahrscheinlich. Es ist vielmehr glaublich,
daß in dem vorhin gedachten Niedersächsischen aanden, Begriff von
etwas haben, empfinden, der Stammbegriff verborgen liegt, und dann kann man mit
Wachtern immer das alte Nordische Ande, Aund, Geist, für das Stammwort
annehmen, welches noch jetzt im Isländischen Ond, im Dänischen aber
Aand lautet. Ahnden kommt in der Bedeutung der dunkeln Empfindung des
Zukünftigen bey den Fränkischen und Alemannischen Schriftstellern, so
viel ich weiß, nicht vor, wohl aber das gleichbedeutende Suanon, welches
noch in Niedersachsen üblich ist,
S. Schwanen, ingleichen das folgende.2. [
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