Der Acker
, des -s, plur. die Äcker, Diminutivum Äckerchen,
Oberdeutsch Äckerlein. 1) Ein gebautes, zum Feldbaue urbar gemachtes Feld,
wenn es gleich dieses Jahr nicht bestellet wird. Den Acker bestellen, zur
Hervorbringung der Feldfrüchte geschickt machen. Den Acker düngen,
pflügen, egen, zusäen oder besäen. Einen Acker aussaugen,
ausmärgeln, durch Unterlassung des Düngens, oder durch Versagung der
nöthigen Ruhe, entkräften. Figürlich, auch wohl zuweilen, was
auf dem Acker wächst. Der ganze Acker ist verhagelt. Einen Acker
abbrennen, die Stoppeln oder das Unkraut auf demselben anzünden.2) Das
Erdreich, der Boden eines solchen Ackers in Betrachtung seiner natürlichen
Beschaffenheit; ohne Plural. Ein schwarzer Acker, fetter Acker, sandiger Acker,
Lehmacker, Thonacker, guter Weitzenacker u. s. f. Ich glaube, daß Herr
Stosch in den Krit. Anm. S. 36 Recht hat, wenn er versichert, daß man das
Wort in dieser Bedeutung von dem Boden eines Waldes, eines Gartens oder einer
Wiese nie gebrauche.3) Ein Flächenmaß, welches in einigen Gegenden
nicht bloß von dem tragbaren Lande, sondern auch von Holzungen, Wiesen,
Weinbergen und Teichen gebraucht wird, und überhaupt so viel Land
begreift, als mit einem Pfluge in einem Tage umgepflüget werden kann,
sonst aber von sehr verschiedener Größe ist. In Sachsen, wo man alles
Land, es mag tragbares Feld, oder Wiese, oder Waldung seyn, nach Äckern
mißt, hält ein Acker 300 Quadrat-Ruthen, jede von 71/2 Ellen und 2
Zoll Leipziger Maß. In Oberdeutschland bestimmt man nur das Maß der
Felder und Wälder nach Äckern, das Maß der Wiesen aber nach
Tagewerken. Allein in Österreich ist für Äcker auch das Wort
Joch, und Bifang, und in der Schweiz die Benennung Juchart üblich.
Anmanchen Orten ist Morgen und Acker einerley; in den meisten Gegenden aber
sind sie verschieden. In Sachsen ist ein Morgen nur ein halber Acker.Anm. 1.
Dieses Wort ist sich in den meisten Europäischen und in vielen
Morgenländischen Sprachen ähnlich geblieben. Zu den von Frisch und
Wachter gesammelten Beyspielen kann man noch das Persische ackar setzen. Was
dessen Abstammung betrifft, so könnte man theils auf das
Morgenländische und besonders Arabische -
hier nichtlateinischer Text, siehe Image - , er hat gegraben, rathen, wovon
auch das Hebräische -
hier nichtlateinischer Text, siehe Image - , einer der die Erde umgräbt, herkommt, theils
auf das alte Nordische und Isländische aka, fahren, davon akare, ein
Fuhrmann. Beyde Begriffe werden sich zu dem Ackerbaue nicht übel
schicken.2. Feld und Acker werden im gemeinen Leben oft als gleich bedeutend
angesehen, gemeiniglich aber genau unterschieden. Feld bedeutet ein tragbares
Land, es mag gebauet werden oder nicht. Acker aber nur ein wirklich gebauetes
Feld, wenn es gleich nicht alle Jahr bestellet wird. Auf diese Art sind die
zusammen gesetzten Wörter Brachacker und Brachfeld, Sommerfeld und
Sommeracker, Winterfeld und Winteracker, Weitzenfeld und Weitzenacker u. s. f.
völlig gleich bedeutend.3. Wenn Acker ein Feldmaß ist und ein
bestimmtes Zahlwort vor sich hat, so wird Statt des Plurals der Singular
gesetzt, z. B. zehen Acker Wiesen, funfzig Acker Feld, hundert Acker
Wiesewachs. Man hat dieses tadeln wollen; aber nicht bedacht, daß wir sehr
viele andere Nahmen haben, welche ein Maß, Gewicht und oft auch nur Zeit
bedeuten, und mit bestimmten Zahlwörtern keinen Plural leiden, ohne
Zweifel, weil Zahl, Maß, und Gewicht hier als bloße Materialia
betrachtet werden, welche als solche niemahls eines Plurals fähig sind.
S. mein Lehrgeb. Th. 1, S. 377-383.4. Wenn Acker mit den
Nahmen der Pflanzen zusammen gesetzet wird, so bezeichnet es theils solche
Pflanzen, welche wild wachsen, im Gegensatze derjenigen Pflanzen gleiches
Nahmens, welche nur in den Gärten fortkommen, theils solche, welche auf
den Äckern angetroffen werden, im Gegensatze der Wasser- Wiesen- und
Waldpflanzen gleicher Art. Andere Zusammensetzungen, z. B. Ackerarbeit,
Ackerbestellung, Ackergeräth, Ackergeschirr, Äckerreich, u. s. f.
sind leicht zu verstehen, daher sie im folgenden übergangen
worden. [
157-158]