Der Winkel
, [
1561-1562] des -s, plur. ut nom. sing.
Diminut. das Winkelchen. 1. Der Ort, wo zwey sich gegen einander neigende
Linien oder Flächen zusammen stoßen; da denn Winkel eigentlich den innern, Ecke
aber den äußern Raum bezeichnet, ob man gleich in der Mathematik Winkel, im
gemeinen Leben aber oft Ecke, für beydes gebraucht. Ein rechter Winkel, wenn
sich die Linien oder Flächen senkrecht auf einander neigen, der folglich 90
Grad hält. Ein spitziger Winkel, der unter 90 Grad hält, zum Unterschiede von
einem stumpfen, welcher darüber hält. Der Winkel in einem Zimmer, wo die Wände
zusammen stoßen, die Ecke. Die Winkel des Mundes, der Augen, die Extremitäten,
wo die Lippen und Augenlieder zusammen stoßen. 2. Ein verborgener, heimlicher
Ort. Etwas in den Winkel werfen. Jemanden in allen Winkeln suchen. Sich in
einen Winkel verstecken. Zu Winkel kriechen, in der vertraulichen Sprechart,
einen einsamen verborgenen Ort suchen. Anm. Schon im Ottfried und Notker
Winkil, Winchil, die es auch für Ecke gebrauchen; Winchelstein, Eckstein. Im
Niederdeutschen gleichfalls Winkel, wo es aber auch die Werkstätte einiger
Handwerker bedeutet. Wachter und Frisch leiten es von dem Latein. angulus ab,
wogegen aber der regelmäßige völlig Deutsche Bandes Wortes streitet. Die
Endsylbe el ist die Ableitungssylbe, welche ein Werkzeug, ein Ding, Subject
bezeichnet; die erste Hälfte aber ist unstreitig von dem Verbo winken, so fern
es ehedem überhaupt neigen bedeutet haben mag.
S. dasselbe.