Voraus
, [
1251-1252] adv. zuvor, vor einem andern
Dinge, so wohl dem Orte, als der Zeit nach. 1. Dem Orte nach, voraus, wo es
gleichfalls oft für voran gebraucht wird, doch mit dem Nebenbegriffe so wohl
der Zeit, als auch einer größern Entfernung. Ich will indessen voraus gehen,
nicht bloß voran, sondern vorher dahin gehen, wohin auch andere gehen wollen.
So auch voraus laufen, reiten, schicken, fliegen. 2. Der Zeit nach. (1) Vor der
bestimmten, gehörigen oder gewöhnlichen Zeit. Jemanden voraus bezahlen, ehe
noch die Bezahlung eigentlich fällig ist. Das hast du schon voraus genossen.
Einem etwas voraus heben. Ich habe den Verlust schon voraus verschmerzet, ehe
er mich noch betroffen hat.
Nur fraget nicht voraus, wer diesen Reim gesetzt, Günth.
Wo es oft mit den Vorwörtern im und zum verbunden wird, als
wenn es ein Hauptwort wäre, in welchem Falle man auch den Ton zuweilen auf das
vor setzet. Jemanden im oder zum voraus bezahlen. Wenn er sich zum voraus an
jeder Rettung ekelt, Herd. Schon im voraus empfinde ich hier eine Freude, die
alle meine Leiden versüßt, Hermes. Ich will ihnen im voraus von Herzen Glück
wünschen, Gell. Er versichert sie im voraus seiner Ergebenheit. Da mehrere
Nebenwörter mit Präpositionen verbunden werden, ohne daß sie dadurch zu
Hauptwörtern würden, so ist es unnöthig, das voraus in diesem Falle mit einem
großen Buchstaben zu schreiben. (2) Für vorher, ehe eine Sache wirklich
geschiehet. Etwas voraus wissen, sehen, verkündigen. Das habe ich lange voraus
gesehen. Auch hier zuweilen mit im und zum. Ich sehe es schon im der zum
voraus. 3. Figürlich. (1) Etwas setzen, es als wahr, als möglich oder wirklich
annehmen. Ich setze dabey voraus, daß du unschuldig bist. Voraus gesetzt, daß
sich das einmahl so fügen wird. Nach einer noch weitern Figur wird etwas voraus
gesetzt, wenn es dazu erforderlich ist. Die wahre Freundschaft setzet allezeit
gegenseitige Verdienste voraus, Gell. (2) Oft bedeutet voraus einen Vorzug vor
einem andern. Er hat viel vor dir voraus, er hat Vorzüge vor dir, als auch, er
hat mehrere Vortheile, er hat gleichsam einen starken Vorsprung vor dir, ist
dem Orte der Bestimmung schon näher. Jemanden etwas zum Voraus vermachen, wo
der Ton gern auf das vor gesetzt wird, ihm außer dem gewöhnlichen Theile an der
Erbschaft noch etwas vermachen, welches die übrigen Miterben nicht bekommen, da
denn ein solcher Theil im gemeinen Leben auch wohl der Voraus genannt wird. Er
klagt über sein Unglück, gleichsam als wenn er vor andern etwas voraus hätte,
als wenn er das Vorrecht hätte, nicht unglücklich zu seyn. (3) Ehedem wurde es
auch häufig für vornehmlich, besonders, gebraucht, welche Bedeutung aber im
Hochdeutschen veraltet ist. Schon bey den Schwäbischen Dichtern kommt vor us in
diesem Verstande vor.
Was mir voraus zu reden wohl gefällt, Opitz.
Der es auch für zumahl gebraucht.