Der Tyrann
, [
725-726] des -en, plur. die -en. 1. Dem
Ursprunge nach, ein jeder Landesherr, Landesfürst, besonders unabhängiger Fürst
oder Herr, in welcher Bedeutung es aber im Deutschen nicht üblich ist, obgleich
ungeschickte Übersetzer es oft da beyzubehalten pflegen, wo das Lateinische
Tyrannus und Griechische hier nichtlateinischer Text, siehe Image,
in dieser Bedeutung vorkommen. 2. Ein Landesherr oder Fürst, welcher sich auf
widerrechtliche Art der Herrschaft bemächtiget, sich zum Nachtheil des
rechtmäßigen Herren zum Regenten aufgeworfen hat; eine im Deutschen um der
Mißdeutung willen, gleichfalls seltene Bedeutung. Weil dergleichen Regenten
gemeiniglich grausam und gewaltthätig zu regieren pflegen, so ist 3. im
figürlichen Verstande der Tyrann, ein Regent, welcher seine Gewalt zur
Grausamkeit und Gewaltthätigkeit mißbraucht; dergleichen Tyrannen die alte und
neue Geschichte häufig genug auf- weisen hat. Nach einer noch weitern Figur ist
Tyrann, 4. ein jeder, welcher grausam gegen andere verfähret, oder im hohen
Grade hart und fühllos gegen das Übel anderer ist, ein Wütherich. In einigen
Gegenden wird der Zaunkönig im Diminut. das Tyrannchen genannt.
S. Goldhähnchen. Anm. Es ist aus dem Griech. und Lat.
Tyrannus, welches wieder von dem alten tor, tyr, groß, stark, mächtig,
abzustammen scheinet. Ottfried gebraucht dafür Goteuuoto, wo die letzte Hälfte
zu unsern wüthen gehöret. Am gewöhnlichsten wird dieses Wort von beyden
Geschlechtern gebraucht, indessen hat doch Klopstock die Tyrannin gewagt,
welches wenigstens erträglicher ist, als die Tyranne eines andern
Schriftstellers. [
727-728]