2. Das Schock
, [
1615-1616] des -es, plur. die -e. 1.
Eigentlich, so wohl ein Haufe, als auch eine Menge; eine im Hochdeutschen
veraltete Bedeutung, außer daß man noch im gemeinen Leben eine beträchtliche
unbestimmte Menge zuweilen ein Schock zu nennen pflegt. Im Schwed. ist Skock
und im Isländ. Skockr noch eine Menge mehrerer Dinge, und das Engl. Shock
bedeutet einen Haufen Garben. In einigen Oberd. Gegenden wird ein Schober und
Feimen noch jetzt ein Schoch genannt, und da hat man auch das Zeitwort schochen
und schöcheln in solche Schoche oder Haufen setzen. Bey dem Hornegk ist
geschockt gehäuft, häufig. Ohne Zweifel gehöret hierher auch die bey den Jägern
mancher Gegenden übliche Bedeutung, wo ein dicker Strauch ein Schock genannt
wird. 2. In engerer Bedeutung ist das Schock eine Menge einzelner Dinge von
einer bestimmten Zahl, wo aber die Schocke nicht überall gleich sind. Auf den
Blechhämmern hält ein Schock Blech oder Dünneisen 120 Stück Blech. In Schlesien
bestehet ein schwer Schock aus 60, ein leicht Schock aber aus 40 Stück. Ja in
vielen Gegenden begreift ein Schock oder alt Schock nur 20 Einheiten, welcher
Gebrauch aber auch von der folgenden Bedeutung entlehnet seyn kann. Am
üblichsten ist es indessen von einer Zahl von 60. Ein Schock Eyer, Käse,
Garben, Äpfel u. s. f. das ist, 60 Stück oder vier Mandel. Nach Schocken
zählen, oder schockweise. 3. In noch engerer Bedeutung ist ein Schock eine Zahl
von sechzig Stück der an jedem Orte gangbarsten Münzsorte; welche Rechnungsart
ehedem sehr gewöhnlich war, und noch in einigen Gegenden, z. B. in Böhmen,
Sachsen u. s. f. nicht ganz veraltet ist, wo aber die Verschiedenheit der nach
Schocken gezählten Münzsorten auch eine große Verschiedenheit dieser Schocke
verursacht. Im 13. und 14. Jahrhundert prägte man in Böhmen Groschen deren 60
eine Mark Silber ausmachten, und damahls waren eine Mark und ein Schock, oder
vollständiger, ein Schock Groschen, gleichbedeutende Wörter. Indessen blieb man
nicht lange bey diesen schweren Groschen, sondern schlug gar bald um der
Bequemlichkeit im Handel und Wandel willen leichtere oder kleinere, blieb aber
bey der Gewohnheit, sie nach Schocken zu zählen. Ein Schock breiter Groschen
hieß ein breites Schock, ein Schock Schwertgroschen ein Schwertschock, ein
Schock schmaler Groschen ein Schmalschock, eine Schock Kreuzgroschen ein
Kreuzschock, ein Schock Silbergroschen ein Silberschock u. s. f. In der ersten
Hälfte des 15ten Jahrhunderts wurden in Thüringen und Sachsen zweyerley
Groschen gemünzt; man prägte Groschen, deren 20 auf einen Gulden gingen, und 20
solcher Groschen hieß ein neues Schock man prägte aber auch welche, deren 60
einen Gülden machten, und diese 60 hießen ein altes Schock. In Sachsen ist die
Rechnungsart nach Schocken noch bey den Steuern, bey den Geldstrafen in den
Gerichten, und bey dem gemeinen Manne auf dem Lande gangbar; aber da man jetzt
nur einerley Art Groschen hat, so ist ein alt Schock jetzt 20, ein neu Schock
aber 60 Meißnische Groschen oder 2 1/2 Thaler. Als um die Mitte des 16ten
Jahrhundertes die Landsteuern, d. i. die beständigen Abgaben von den
Feldgütern, in Sachsen ihren Anfang nahmen, schätzte man den Werth der
Feldgüter nach damahls üblichen Schocken, und legte auf jedes Schock 5
Pfennige, welche 1606 auf 8 Pfennige erhöhet wurden. Diese in Sachsen jetzt
noch gangbare Art der Landsteuer wird der Schockanschlag genannt, und die von
den nach Schocken taxirten Feldgütern bestimmte Steuer gleichfalls mit dem
Nahmen der Schocke belegt. In Böhmen, der Mark u. s. f. wo man auch noch
zuweilen nach Schocken rechnet, sind dieselben wieder anders bestimmt. So ist
z. B. ein Schock Böhmische Groschen so viel als 2 Rthlr. In manchen Gegenden
zählete man ehedem auch die Pfennige nach Schocken, und da war ein Schock, oder
vollständiger ein Schock Pfennige, 60 Pfennige von der damahls üblichen
Währung. Und da man damahls Pfennige hatte, welche so viel als jetzt 4 Pfennige
galten, so scheint das Meißnische alte Schock, welches 20 Groschen hält,
eigentlich auch sechzig solcher Pfennige zu bedeuten. In manchen Gegenden
Meißens ist daher auch in manchen Dingen, z. B. von Eyern, Hühnern, Käsen u. s.
f. ein alt Schock so viel als 20 Stück. Anm. In der zweyten und dritten
Bedeutung im Schwedischen gleichfalls Skock. Wachter und Frisch leiten es sehr
gezwungen von dem Lateinischen Sexagena her. Aus der ersten Bedeutung der Menge
und eines Haufens erhellet, daß es von Schob, Schober, nur im Endlaute
verschieden ist, und zu dem Geschlechte der Zeitwörter schicken und schocken,
stoßen, aufhäufen, gehöret. Ohne Zischlaut gehöret auch unser hoch mit zur
Verwandtschaft. [
1617-1618]