Schirmen
, [
1477-1478] verb. reg. act. welches
ursprünglich von scharen vermittelst des hier vielleicht intensiven Endlautes m
abstammet, und daher auch aller der verschiedenen Bedeutungen fähig ist, welche
jenes hat und haben kann. 1. * Als eine unmittelbare Nachahmung des Schalles,
bedeutete es ehedem als ein Neutrum schreyen, wehklagen. Diese im Hochdeutschen
ungewöhnliche Bedeutung hat das Schwed. skärma noch, und im Wallis. ist Ysgarm
das Geschrey, und im Bretagnischen scarmi rufen. (Siehe 1 Schar). 2. * Nach
einer der gewöhnlichsten Figuren bezeichnete es nachmahls verschiedene mit
diesem Laute oder Getöse verbundene Handlungen. Dahin gehören das
Finnländische, des Zischlautes beraubte kirman, spielen, und unser jetzt
veraltetes schirmen, schermen, fechten, streiten, und zwar nicht bloß zur
Vertheidigung fechten, wie Frisch und andere wollen, die solches aus der
folgenden Bedeutung des Abwehrens nur gemuthmaßet haben, sondern fechten
überhaupt; Schwed. skärma, Ital. scrimare, Franz. escrimer, Böhm. ssermir. (
S. auch Scharmützel.) 3. Nach einer fortgesetzten Figur
wurde es oft der Ausdruck verschiedener mit diesem oder einem ähnlichen Laute
verbundener Bewegungen. 1) * In die Länge und Breite; daher der figürliche
Gebrauch des Hauptwortes Schirm in der Bedeutung einer Fläche. (
S. Schar 4.) 2) In die Tiefe; eine im eigentlichen
Verstande veraltete Bedeutung, (
S. 1 Schar 4 5) von welcher aber die noch jetzt übliche
der Abhaltung, Abwehrung, als eine Figur angesehen werden kann, indem der
Begriff der Beschirmung, Beschützung, Bedeckung, in mehrern Fällen eine Figur
des hohlen Raumes ist. Schirmen bedeutet, dieser Figur zu Folge, die Annäherung
eines andern als ein Übel betrachteten Dinges, oder dessen Einfluß abhalten. So
sagte man ehedem sich vor der Kälte, vor dem Regen, von der Hitze schirmen,
eine Stadt vor dem Feinde schirmen u. s. f. Indessen ist es in dem gemeinen
Sprachgebrauche sehr in Abgang gekommen, indem theils beschirmen, theils andere
Zeitwörter dafür üblicher geworden sind. Eben dieß gilt auch von den
Zusammensetzungen Schirmbrief, Schirmgott, Schirmgeld, Schirmherr u. s. f.
welche man jetzt mit Schutz verbindet. In dieser Bedeutung des Abhaltens und
figürlich der Vertheidigung sagt schon Ottfried skirmen. Das Ital. schermire,
beschirmen, ist ohne Zweifel aus dem Deutschen entlehnet, so wie auch das
Griech. -
hier nichtlateinischer Text, siehe Image - , ein Schirm,
Schauer, damit verwandt ist. Schirmen druckt mehr die Abhaltung des Übels aus,
schützen stehet mehr auf dessen Wirkung, auf die dadurch gewährte Sicherheit.
Eben so sind Schirm und Schutz verschieden. Der Grund davon liegt ohne Zweifel
in der mehrmahls verstärkten Intension der Wörter Schutz und schützen, deren
Stammwort hüthen gleichfalls nur bedecken bedeutet. Schauer ist mit Schirm nahe
verwandt, und wurde auch ehedem dafür gebraucht. In einer Urkunde von 1385 wird
der Landgraf von Thüringen durch sonderliches Nutzis, Schures-Willen, erwählet,
zu unsirm und des Stiftis Schurer, Schirmer und Vorweser.
[
1477-1478]