S
, [
1227-1228] der neunzehnte Buchstab des
Deutschen Alphabetes und der funfzehnte unter den Mitlautern, welcher durch die
Zähne ausgesprochen wird, und daher auch zu den Zähnbuchstaben gehöret. Nachdem
dieser Buchstab gelinde oder hart ausgesprochen wird, hat man für ihn die
Figuren s oder s, ß oder ss, und z, welches letztere doch immer als ein eigener
Buchstab angesehen und an das Ende des Alphabetes verwiesen wird, ungeachtet er
weiter nichts, als das härteste s ist. Wenn dieses s aber mit einem vollen
Zischen ausgesprochen wird, welches besonders manchen Mundarten sehr gewöhnlich
ist, so schreibt man es gemeiniglich sch. Ich will das vornehmste, was bey
diesem Buchstaben anzumerken ist, auf dessen Aussprache, Schreibart und
etymologischen Gebrauch einschränken. 1. Was die Aussprache betrifft, so wird
das s oder f theils mit einem halben oder gelinden Zischlaute, theils aber auch
mit einem vollen Zischer ausgesprochen. 1) Mit einem halben oder gelinden
Zischlaute, wie in rasen, dem Lat. risus, mus u. s. f. Dieses s wird entweder
einfach oder gedoppelt ausgesprochen. Das letztere wird allemahl ss und in
einigen Fällen mit einem ß geschrieben. Das einfache s oder s aber hat wieder
einen gedoppelten Laut, einen gelinden und einen scharfen. Gelinde lautet es am
Anfange einer Sylbe, wo es auch mit einem langen s geschrieben wird. Säuseln,
Rose, Ameise, Lesebuch. Wohin auch die Fälle gehören, wo der darauf folgende
Vocal weggeworfen worden, da denn das s an das Ende der vorher gehenden Sylbe
zu stehen kommt, und alsdann oft auch s geschrieben wird; Röschen, Lieschen,
Bläschen, er rast oder ras't für raset, er bläs't oder bläset, welche
Zusammenziehungen doch lieber vermieden werden. Eine Ausnahme machen diejenigen
Wörter, in welchen ein d, t, th, b, p, g, k, und ch vorher gehet, wo das s
einen scharfen Laut bekommt; Krebse, krebsen, Kebse, wachsen, Gewächse,
drucksen, drechseln, klappsen, des Gypses u. s. f. Daher die Endsylbe -sen oder
-seln in vielen Zeitwörtern auch in das noch härtere -zen und -zeln verwandelt
worden. Die Endsylbe sam behält ihr gelindes s, was für ein Mitlauter auch
vorher gehen mag. Stehet es in der Mitte, so lautet es scharf. Last, Wust,
Wüste. Eben so scharf lautet es auch am Ende der Sylbe oder eines Wortes, da es
denn allemahl s geschrieben wird. Aus, weislich, gottlos, Beweis, Ries, Maus,
Aas, Eis. Ist die Aussprache am Ende eines Wortes gelinder, so wird ein e
euphonicum angehängt, diesen gelindern Laut zu bezeichnen; böse, leise, Käse,
Matrose, Franzose, Ameise u. s. f. wofür härtere Oberdeutsche Mundarten bös,
leis, Käs, Matros, Franzos, Ameis schreiben und sprechen. Von denjenigen
Fällen, wo dieses harte s durch ein ß ausgedruckt wird, wird sogleich geredet
werden. 2) Mit dem ganzen oder rauschenden Zischer, wie ein sch. Hier sind die
Deutschen Mundarten gar sehr von einander unterschieden. Einige Oberdeutsche,
besonders die Schwäbische, zischen jedes s an, wenn es vor einem andern
Mitlauter stehet, und oft vor einem Vocal, ist, bist, hast, Wespe, wie ischt,
bischt, hascht, Weschpe; dagegen die Niederdeutschen mit diesem an und für sich
freylich unangenehmen Zischlaute weit sparsamer sind, das s in sp und st
niemahls zischend aussprechen, und in den übrigen Fällen statt des sch entweder
ein bloßes s oder ein sg hören lassen, welches letztere besonders den
Westphalen und Holländern eigen ist. Die Hochdeutsche Mundart, welche das
Mittel zwischen beyden hält, pflegt es folgender Gestalt zu halten. Wenn das s
zu Anfange eines Wortes vor einem c, k, m, p und t stehet, so lautet es wie
sch; Scorpion, Sclave, skoptisch, Smyrna, Smaragd, spaßen, spinnen, Stand,
stehen, Stern; welche Aussprache auch in den Zusammensetzungen bleibt, Gestirn,
beständig, Verstand. In der Mitte der Wörter und am Ende bleibt der
gewöhnlichere Laut des s, gestern, Vesper, lispeln, Wispel, Maske, fest,
befestigen, erste, füßeste, Ast, Gäste, Bestie. Nach einem r wird das s,
besonders aber in dem st, von dem meisten Hochdeutschen in sehr vielen Wörtern
wie ein sch ausgesprochen; Mars, garstig, Durst, Fürst, erst, Borste, bersten
u. s. f. wie Marsch, garschtig, Durscht u. s. f. Nur hörst, warst, wirst, Vers,
Börse, du fährst, und andere mehr lauten nur in den niedrigen Sprecharten wie
hörscht u. s. f. Diejenigen Fälle, wo besonders zu Anfange der Wörter statt
dieses gezischten f wirklich ein sch geschrieben wird, gehören nicht hierher.
Übrigens wird von dem sch an seinem Orte noch etwas gesagt werden. 2. Was die
Schreibart dieses Buchstabens betrifft, so herrscht darin eine nicht geringere
Verschiedenheit, indem die vier Figuren s, s, ß und ss fast von einem jeden
anders gebraucht werden, welche indessen doch alle darin einig sind, daß das s
und s zur Bezeichnung des einfachen, das ss aber zur Bezeichnung des doppelten
s gebraucht werden müsse. Das ß (Eßzet) ist der Figur nach freylich auch nichts
anders, als ein doppeltes ss, weil das z, welches dessen letzte Hälfte
ausmacht, ehedem sehr häufig die Stelle des s vertreten mußte. Es wurde vor
diesem auch beständig mit dem ss fast ohne allen Unterschied als gleichgültig
gebraucht, und erst in diesem Jahrhunderte hat man angefangen, es noch von
demselben zu unterscheiden, und ihm seine eigenen Verrichtungen anzuweisen,
weil die Figur einmahl da war, und man es, wie billig, für unnöthig hielt, zwey
völlig gleichgültige Zeichen für einen und eben denselben Laut zu haben. Man
kann wirklich einen dreyfachen, sehr merklich verschiedenen Laut in dem s
unterscheiden, einen sehr gelinden, wie in Rose, blasen; sausen, Muse, Maser,
einen stärkern, wie in ich las, weislich, Haus, gottlos, Buße, Muße, das Roß,
(im Bienenstocke,) das Maß, mensura, und den stärksten oder das doppelte ss,
wie in Roß, lassen, Schloß, müssen, die Masse. 1) Das gelinde oder sanfte s
stehet allemahl zu Anfange eines Wortes und sehr oft auch in der Mitte zu
Anfange einer Sylbe, und wird ohne Ausnahme durch ein langes s ausgedruckt;
Salz, säumen, selig, seltsam, rasen, Blase, summsen. 2) Das scharfe s findet
sich in mehrern Fällen und wird nun einmahl bald durch s, bald aber auch durch
ß ausgedruckt. [
1229-1230] (a) Durch s. (aa) Am Ende eines
Wortes oder einer Sylbe, wenn es in dessen Verlängerung wieder in das vorige
gelinde s übergehet, oder aus demselben entstanden ist; Haus; Häuser, böslich
von böse, weislich von weise, Röschen von Rose, ich las, lies von lesen, Ries,
Riese, Graus, grausen. Daß man aus, das, was und andere einsylbige Wörter auch
nur mit einem s schreibt, ob man gleich außen, dessen und wessen schreibt und
spricht, ist als eine Ausnahme anzusehen. (bb) Am Ende einer Sylbe oder eines
Wortes, theils wenn noch ein anderer Mitlauter, theils aber auch, wenn ein
ausgedehnter Selbstlaut vorher gehet; Dachs, Fuchs, Wachstafel, Gans, Wamms,
Hals, es, des Mannes. (b) Durch ein s zu Anfange einer Sylbe nach b, p, ph, ch,
g, k, d, t und th; wachsen, des Wachses, die Füchse, die Büchse. Die Endsylbe
sam aber lautet allemahl gelinde, wachsam. Nach andern Mitlautern bleibt es
gleichfalls gelinde; Gänse, Hälse, wammsen. (c) Durch ein ß, und zwar allemahl
nach einem gedehnten Selbstlaute: der Fuß, die Füße, auf etwas fußen, füße,
füßlich, groß, größer, Buße, boßeln, spaßen, Kloß, Klöße, Muße, müßig, fließen,
Meißen, Preußen, Gruß, grüßen, ich saß, ich aß u. s. f. Die Fälle, wo dieses
scharfe ß Statt findet, muß bloß die richtige Aussprache geben. Freylich gibt
es Mundarten, z. B. die Schlesische, welche diesen gedehnten Selbstlaut
beständig geschärft sprechen, und die müssen denn freylich auch, wenn sie ihrer
Aussprache gemäß schreiben wollen, Füsse, grüssen, Busse u. s. f. schreiben,
weil sie so sprechen. 3) Das gedoppelte s; dieses wird entweder durch ein ß
oder durch ein ss ausgedruckt. (a) Durch ein ß. (aa) Am Ende eines Wortes oder
einer Sylbe, wo es eine vorher gehende geschärfte Sylbe voraus setzet, und in
der Verlängerung in ss übergehet; Schloß, Faß, Haß, häßlich, Flußwasser. (bb)
In der Mitte einer Sylbe, wenn nach dem ss ein e weggeworfen worden, oder wenn
es doch aus dem ss entstanden ist; er ißt von isset, heißt, beißt, haßt,
gleißt, gewußt, ich wußte. (b) Durch ein ss, zwischen zwey Vocalen, wenn die
Aussprache ein doppeltes s erfordert; lassen, hassen, fassen, Gasse, und so
ferner. Dieses dreyfache, dem Laute nach verschiedene s ist in der Aussprache
hinlänglich gegründet. Rose lautet doch anders, als das Roß (die Wachstafeln im
Bienenstocke) und Roß, Muse, anders als Muße, und müssen, Maser anders als Maß
und Masse, weise anders als weiß, Schöße anders als Geschosse u. s. f. Indessen
gibt es doch Sprachlehrer, welche mit der Vertheilung der Schriftzeichen s, s,
ß und ss unter diese drey Laute nicht zufrieden sind, und besonders wider den
jetzt gedachten Gebrauch des ß sehr vieles einzuwenden haben. Wahr ist es
freylich, daß diese Art, die vier Figuren des Lautes s zu schreiben, ihre
Schwierigkeiten und Unbequemlichkeiten hat, besonders da das ß am Ende eines
Wortes so wohl das scharfe, als auch das doppelte s ausdrucken muß; allein man
hat doch nichts besseres an ihre Statt in Vorschlag gebracht. 3. Von dem
etymologischen Gebrauche wäre sehr viel zu sagen; ich will mich aber nur auf
einige Stücke einschränken. 1) Das s ist ein Sibilus, welcher in manchen
Mundarten gern in das volle, gröbere sch übergehet, und vermöge seiner Natur,
alle mit einer Art des Zischens verbundene Bewegungen ausdruckt, wie das Sausen
und Säuseln des Windes, das Fließen des Wassers, die hastige Eile u. s. f.
daher es denn auch in allen [
1229-1230] den Wörtern
vorkommt, welche einen solchen Begriff ausdrucken, oder doch ursprünglich und
eigentlich ausgedruckt haben. Es ist eine Grundregel in der Etymologie, daß,
wenn sich ein Wort mit zwey oder mehrern Mitlautern anfängt, nur der letzte zum
Stamme gehöret, die vorher gehenden aber nur zufällige Vorlaute sind, welche
doch nicht allemahl als müßige Zusätze angesehen werden müssen, sondern die
Hauptbedeutung auf mancherley Art bestimmen und abändern. Es gilt dieses
besonders von allen denjenigen Wörtern, welche zu Anfange nach dem s noch einen
oder mehrere Consonanten haben, wobey noch dieses voraus zu setzen ist, daß die
weichen b und d allemahl in die verwandten härtern p und t, k und g aber in das
weichere ch übergehen, der Blaselaut w aber, so wie l, m, n und r statt des
einfachen s gemeiniglich das voller zischende sch bekommen. So findet man bey
den ältern Oberdeutschen Schriftstellern sehr oft s was, swer, swie, swenn, für
was, wer, wie, wenn. Spreiten ist von breiten, und dieß wieder von reiten;
schlecken von lecken; schmelzen, Griech. -
hier nichtlateinischer Text,
siehe Image - -
hier nichtlateinischer Text, siehe Image - , von
milde; Schnee, Nix, von dem noch bey den Jägern üblichen Neu; Stock, Griech.
-
hier nichtlateinischer Text, siehe Image - , von Docke; der Stollen
im Bergbaue, von dem Oberdeutschen Dohle, ein Canal; schließen, Nieders.
fluten, von dem noch im Lat. üblichen cludere; das Nieders. Scharn, Mist, von
Gahre, Mist, Dünger; sterben von derben; das Holländ. slink von unserm link;
Schlamm, Schleim, von Lehm, Leim, Lat. Limus; schlüpferig von dem noch im Lat.
befindlichen lubricus; scheren von kehren, Griech. -
hier nichtlateinischer
Text, siehe Image - ; schreyen von kreyen, Franz. crier; schreiten von
gradi; schreiben von reiben, -
hier nichtlateinischer Text, siehe
Image - , stumm und dumm; Specht, Picus, von bicken; Stier, Taurus, von
tor, groß; das Stammwort von schwer ist noch in dem Griech. -
hier
nichtlateinischer Text, siehe Image - befindlich. Mehrere werden im
folgenden auf allen Seiten vorkommen. In manchen Wörtern ist das Anfangs s auch
ein Zusatz vor dem Vocal. So sind Saal und Aula sondern und ohne, das Lat.
super und über u. a. m. Eines Geschlechtes. Dieser Vorschlag ist nicht bloß den
Deutschen Mundarten eigen, sondern er findet sich bey allen Völker schaften; ja
es gibt Sprachen, welche fast keinen Mitlauter aussprechen können, ohne ihn mit
einem s zu begleiten. So machten die Äolier aus Geten oder Kithen ihre Scythen,
aus Kimber, Skimber. Für Servus sagten die ältesten Lateiner erst Erus, und
hernach Eruus. Aus Dach machten die Griechen -
hier nichtlateinischer Text,
siehe Image - , und aus Zinn, Nieders. Tinn, die Lateiner Stannum. Oft ist
dieses s freylich wohl etwas Eigenes der Mundart, ohne eine bestimmte Bedeutung
zu haben. Allein in sehr vielen Fällen kann man es doch als eine Intension
ansehen, welche sich aus dem natürlichen Laute, den dieser Buchstab nachahmet,
sehr wohl erklären läßt. Im mittlern Lateine lautet dieses intensive s häufig
vollständig es- und ex- und es stehet dahin, ob es nicht auch im Deutschen aus
zusammen gezogen worden. Die Italiäner sagen struccare für estruccare,
ausdrucken; svellere, sminuire, stimare, scaldare, u. s. f. wo es überall die
Bedeutung verstärkt. Das dieser Nation so eigene privative s zu Anfang der
Wörter, ist wenigstens augenscheinlich, aus ex oder dis entstanden; sradicare,
ausrotten, scalzare, die Schuhe ausziehen, sbrigare, der Mühe überheben, von
Briga, sbendare, entbinden, von Benda, die Binde, sbaccellare, enthülsen,
scallare, auspacken, sbarbare, des Bartes berauben, sbarcare, ausschiffen,
sborsare, ausbeuteln, und hundert andere mehr. Das t ist dem s sehr nahe
verwandt, daher es von vielen auch der halbe Zischer genannt, und von manchen
Völkerschaften mit einem gelinden Zischlaute durch die Zähne gesprochen wird.
Beyde Mitlauter wechseln daher in allen Sprachen sehr häufig mit einander ab;
besonders gebrauchen die Niederdeutschen, und die mit
[
1231-1232] ihnen verwandten Mundarten, in sehr vielen
Fällen gern ein t, wo die dem s und sch günstigern Oberdeutschen diese letztern
Mitlauter haben. Lassen, Nieders. laten, das, was, Nieders. dat, wat,
schleißen, Nieders. sliten, reißen, Nieders. riten u. s. f. Unser es, Nieders.
it, Engl. it, und das Lat. id, sind ursprünglich Ein Wort. R und s, h und s
gehen in allen Sprachen gleichfalls oft in einander über, weil die Laute,
welche sie bezeichnen, oft nur in den Graden verschieden sind. Ein sanfter Wind
wehet, ein stärkerer säuselt, ein noch stärkerer sauset, raset und brauset. So
lauten die Griech. -
hier nichtlateinischer Text, siehe Image - ,
-
hier nichtlateinischer Text, siehe Image - , -
hier
nichtlateinischer Text, siehe Image - und -
hier nichtlateinischer
Text, siehe Image - , bey den Lateinern Sus, Sol, Sylva und Sudor; für
Zunder sagte man ehedem Hunuer; unser Hase lautet im Schwed. und Engl. Hare;
verlieren und verliesen waren ehedem gleichbedeutend, wie köhren und kiesen,
was und war. 2) In der Beugung und Ableitung der Wörter spielet dieser Buchstab
eine nicht minder ansehnliche Rolle. Er hilft in vielen Hauptwörtern die zweyte
einfache Endung des männlichen und ungewissen Geschlechtes bilden; des Mannes,
des Hauses, des Trunkes oder Trankes. Bey den eigentlichen Hauptwörtern hat er
hier gemeiniglich ein e vor sich, welches aber auch, wenn der Wohlklang es
verstattet, weggelassen werden kann und oft wegbleiben muß. Nur die Infinitive,
wenn sie als Hauptwörter gebraucht werden, leiden dieses e nicht; des Daseyns,
des Wesens, des Essens. Es ist hier, so wie in allen folgenden Fällen, kein
leerer willkührlicher Schall, obgleich das hohe Alterthum alle weitere
Muthmaßungen verbiethet. Dieses s, welches eigentlich nur für die männlichen
Hauptwörter bestimmt ist, bekommen auch die weiblichen eigenthümlichen Nahmen,
wenn sie ohne Artikel in der zweyten Endung vor dem regierenden Hauptworte
stehen; Marianens Tugend, Luisens Schönheit, Minervens Schild, Hedwigs Geist.
So wie es auch in der Zusammensetzung vielen weiblichen Nennwörtern angehänget
wird; hülfsbedürftig, Hülfsgelder, der Geburtstag, die Andachtsübung,
hoffnungsvoll, anbethungswürdig, Liebesbriefe, Nahrungsmittel, die
Frauensperson. Im Niederdeutschen bildet es auch in vielen Fällen den Plural
ohne Unterschied des Geschlechtes, welchen Plural die Niedersachsen oft mit in
die Hochdeutsche Mundart bringen, der er doch fremd ist; die Mädchens, Frauens,
Jungens, die Schülers, die Dieners. Es scheinet, daß die heutigen Franzosen, so
fern ihre Sprache durch die ehemahligen Franken verändert worden, ihren Plural
auf s daher bekommen haben. Im Deutschen pflegt man ihn daher auch oft in
solchen Wörtern beyzubehalten, welche zunächst aus dem Französischen entlehnet
worden; die Ministers, Generals, Officiers, Grenadiers u. s. f. wofür man doch
besser sagt, Minister, Generale, Officier, Grenadier. Ferner macht dieses s am
Ende der Wörter auch Nebenwörter; allerdings, gleichfalls, theils, rechts,
links, unversehens, flugs, erstens, zweytens, drittens, abends, mittags,
nachts, montags, dienstags, nächstens, welche nicht selten eine unbestimmte
Bedeutung haben,
S. -mahls in 6 Mahl. In manchen Wörtern gehet dieses s
in st über; einst, dereinst, längst, immittelst, vermittelst. Es scheinet hier
aus der Endsylbe -isch zusammen gezogen zu seyn, welche in vielen solcher
Wörter in den gemeinen Sprecharten noch deutlich gehöret wird. Auch Opitz sagt
noch linkisch für links. Von dem sch und st wird noch an seinem Orte etwas
gesagt werden. [
1231-1232]