2. Die Quehle
, [
887-888] plur. die -n, ein schmales
langes Tuch von Leinwand, die gewachsenen Theile des Leibes damit abzutrocknen.
Die Handquehle, so fern dieses Tuch vornehmlich zur Abtrocknung der Hände
bestimmt ist; das Handtuch. Die Küchenquehle, zum Behuf der Küchenarbeiten. Die
Putzquehle, eine sehr zierliche Quehle, welche man ehedem zur Zierde in den
Zimmern aufzuhängen und sie auch wohl über eine Rolle zu ziehen pflegte, da sie
denn im Nieders. Rikdwehle genannt wird. Die Rollquehle ist ein längliches Tuch
von Leinwand, die Wäsche darein zu schlagen, und, wenn sie gerollet werden
soll, darin um das Mandelholz zu winden. In einigen Oberdeutschen Gegenden wird
es auch noch von einem Tischtuche gebraucht, welches dessen älteste Bedeutung
ist, entweder auch so fern es zunächst ein langes schmales Tischtuch bedeutet,
oder so fern es zugleich zum Abwischen der Hände bestimmt ist. Anm. Dieses Wort
ist ein merkwürdiger Beweis von dem Übergange der verwandten Consonanten in
einander, indem es im Hochdeutschen Quehle, im Niederdeutschen und vielen
fremden Sprachen Dwehle, in den zischenden Oberdeutschen Mundarten aber Zwehle
lautet. Schon bey dem Kero ist Duuahila ein Tischtuch, Mappula, bey dem Hagen
Handtowehle, (welches die vollständigste und der Abstammung gemäßeste
Schreibart ist,) im mittlern Lateine Cuullia, ein leinen Tuch zur Bedeckung des
Altars, und Toacula, Toagla. Toaillia, Toalha, Toalia, Tobalea, Tobale, Toella,
Togilla, Tuabola, Tualla u. s. f. ein Handtuch, Franz. Touaille, Ital.
Tovaglia, im Span. Toalla, im Engl. Towel. Die Niedersachsen sagen noch Dwehle,
wie die Oberdeutschen Zwehle. Vossius sah es als das Dimin. von Toga an, wozu
ihn das Togilla bey dem Johann von Genua verleitete. Frisch leitet es von dem
Franz. Touaille her, Schilter und andere von dem alten tualon, waschen, (
S. Zwangen.) und dem Niederdeutschen dwaideln, dweueln,
abwischen. Allein die letztern scheinen vielmehr Seitenverwandte von Quehle zu
seyn, und in einer der dritten Bedeutung mit demselben überein zu kommen,
welches allem Ansehen nach der Begriff der Bewegung ist. Das schon gedachte
Nieders. dwaideln bedeutet eigentlich hin und her bewegen, wedeln, welches
wiederum ein Intensivum von wehen ist. Der Vorschlag vor dem Blaselaut ist bloß
zufällig, und wenn man diesen absondert, so kommt Quehle oder Dwehle mit dem
Lat. Velum überein. Das Franz. Toile und Lat. Telum scheinen selbst hierher zu
gehören. So wie Velum von seiner flatternden Beschaffenheit benannt worden, so
kann auch das lange und schmale Hand- oder Tischtuch, und in weiterer Bedeutung
ein jedes leinenes Gewebe, daher seinen Nahmen haben. Zu dem Geschlechte dieses
Wortes gehöret unter andern auch das Nieders. dwalen, in der Irre gehen,
eigentlich wallen. [
889-890]