Naiv
, [
425-426] (zweysylbig,) -er, -este, aus
dem Franz. naiv, und dieß vermuthlich aus dem mittlern Latein nativus,
offenherzig. 1) Natürlich, der Natur des Gegenstandes angemessen; natürlich.
Naive Gedichte, welche die Empfindungen der Natur des Gegenstandes gemäß
ausdrucken. 2) Natürliche Gegenstände, ohne die durch den Wohlstand nothwendig
gewordenen Umschweife ausdruckend; natürlich. In beyden Bedeutungen könnte man
es entbehren, wenn nicht die Vieldeutigkeit des Wortes natürlich es zuweilen
erforderte. 3) In der engsten in den schönen Künsten üblichen Bedeutung ist
naiv und das Naive, das Unerwartete mit einer unschuldigen Offenherzigkeit
verbunden. So auch die Naivheit, Franz. Naivete, so wohl als ein Abstractum und
ohne Plural, als auch im Concreto von naiven Gedanken und Ausdrücken, mit
demselben.