Nacket
, [
405-406] noch häufiger zusammen
gezogen, nackt, oft auch nackend, nackig, nackicht, nackter, nackteste, ohne
andere Bekleidung oder Bedeckung, als welche die Haut gewähret. 1. Eigentlich,
wo es von thierischen Körpern gebraucht wird, wenn sie ohne andere Bekleidung
als der bloßen Haut sind. Ein nackter Hund, welcher keine Haare auf der Haut
hat; ein kahler Hund. Ein nackter Vogel, welcher noch keine Federn hat. Das
Murmelthier hat einen kurzen fast nackten Schwanz. Und in diesem Verstande kann
man auch die nackte Haut des Menschen der haarigen Haut der Thiere entgegen
setzen. In Ansehung des menschlichen Körpers wird es am häufigsten von dem
ganzen Körper gebraucht, für unbekleidet, ohne alle andere Bekleidung, als die
bloße Haut. Nackt oder nacket gehen. Sich nackt ausziehen. Nackt auf die Welt
kommen. Eine nackte Venus. Adam und Eva waren beyde nackt, 1 Mos. 2, 25. Sie
wurden gewahr, daß sie nackt waren, Kap. 3, 7.
Sie kleidet Nackende von Raub der fetten Trift, Hall.
Das Nackende oder Nackte erfordert von Seiten des Mahlers
viele Geschicklichkeit. Eine nackte Figur, welche nicht bekleidet ist, zuweilen
auch in engerm Verstande, an welcher diejenigen Theile nicht bedeckt sind,
welche Gewohnheit und Ehrbarkeit bey allen gesitteten Völkern zu bedecken
pflegen. Von einzelnen Theilen des menschlichen Körpers ist freylich bloß
üblicher, ob es gleich auch nicht an Fällen fehlet, wo das Wort nackt
gewöhnlich ist. So gebrauchen es z. B. die Mahler von unbekleideten Theilen des
menschlichen Leibes. Ein nackter Arm. ein nackter Fuß. Nackte Theile des
Leibes. Wenn man unbekleideter Theile des Leibes, welche bekleidet seyn
sollten, im verächtlichen Verstande erwähnet, pflegt man gleichfalls das Wort
nackt zu gebrauchen. Auch von unbehaarten oder unbefiederten Theilen des
thierischen Körpers ist dieses Wort üblich, dagegen man von unbehaarten Theilen
des menschlichen lieber kahl und in der anständigern Sprechart zuweilen glatt
gebraucht. Ein kahles Kinn, ein glattes Kinn, ein unbärtiges. Ein kahler Kopf.
2. In weiterer Bedeutung auch von andern unbedeckten Körpern; doch nur in
einigen Fällen. So ist ein nackter Same in der Botanik ein Same, dessen äußere
Haut mit keiner Hülse bekleidet ist. Die nackte Gerste, eine Art kleiner Gerste
ohne Hülsen; Reißgerste. Nackte Felder, welche mit keinen Gewächsen bekleidet
sind, kahle Felder. Nackte Hügel, auf welchen nichts wächset, kahle. In noch
weiterer aber jetzt ungewöhnlicher Bedeutung nennt der Verfasser des alten
Fragmentes auf Carln den Großen ein bloßes Schwert ein nachetes Swert. 3.
Figürlich. 1) Schlecht bekleidet, der Kleider größten Theils beraubt. Du hast
den Nackenden die Kleider ausgezogen, Hiob 22, 6. Am häufigsten im
verächtlichen Verstande. Nackt und bloß einher gehen, in schlechten,
zerrissenen Kleidern. 2) Ein nacktes Gemählde, bey den Mahlern, in welchem es
an den nöthigen Gegenständen mangelt. 3) Aller andern Eigenschaften beraubt.
Die bloße nackte Fähigkeit, die auch ohne vorliegendes Hinderniß keine Kraft,
nichts als Fähigkeit sey, ist ein tauber Schall. Herd. Anm. Bey dem Ulphilas
naquaths, bey dem Kero nahhut, bey dem Ottfried nakot, im Tatian naccot,
nachet, im Nieders. naakt, im Dän. nogen, im Schwed. nakot, im Isländ. naken,
im Angels. naced, im Engl. naked, im Pohln. nagi, im Böhm. nahy, bey den
Krainerischen Wenden ohne allen Ableitungslaut nag, im Bretagnisch. noas, im
Wallis. noeth, woraus zugleich die Verwandtschaft mit dem Latein. nudus, und
dem von Perizonio irgend wo gefundenen Griech. -
hier nichtlateinischer
Text, siehe Image - erhellet. Aus den obigen Formen siehet man schon, wie
unwahrscheinlich Wachters Etymologie ist, welcher es von dem Angelsächs.
nacenned, nacende, d. i. neu geboren, ableitete. Eben so unwahrscheinlich ließ
Dietrich von Stade es von nagen abstammet. Das Wort ist alt, sehr einfach, denn
es kommt hier nur auf die Sylbe nag, nad, na an, und daher eben nicht leicht
auf seine erste eigentliche Bedeutung zurück zu führen. Im Finnländ. ist Nahca
die Haut; fänden sich im Deutschen und den verwandten Sprachen Spuren von
dieser Bedeutung, so würde sich unser nacket sehr wohl davon ableiten lassen.
Es wäre alsdann vermittelst der Ableitungssylben -icht, -ig, im Oberdeutschen
-et, von Nacke, die Haut, gebildet, und bedeutete eigentlich, die bloße Haut
habend oder zeigend. In den neuesten Zeiten hat man das Franz. Sans-culotte
Deutsch zu geben gesucht, und das alberne unanalogische Ohnehose gestämpelt.
Die gemeinen Mundarten haben schon lange, ehe noch die Sans-culottes in
Frankreich bekannt wurden, sie zu benennen gewußt. Sie nennen einen solchen
Menschen Nackarsch, Engl. Baldarse. Fehlt es dem Worte gleich an Würde, so
fehlt es doch auch dem Gegenstande selbst daran. Im Deutschen, selbst in der
Hochdeutschen Mundart, wird die Endsylbe sehr verschieden geschrieben und
gesprochen, indem sie bald nackend, bald nackendig, bald nacket und nackt, bald
nackicht, und bald nackig lautet. Die letzten Formen scheinen die wahren zu
seyn, und da die Ableitungssylbe -ig im Oberdeutschen sehr häufig -et lautet,
flecket für fleckig, (
S. -Ig,) so hat aus nackig und nackicht gar leicht
nacket und zusammen gezogen nackt werden können. Nackend ist kein Mittelwort,
sondern bloß das vorige nacket, welches nur das euphonische n vor sich genommen
hat,
S. N. Diejenigen, welche in der adverbischen Gestalt
nacket sagen, müssen das e bey Verlängerung des Wortes heraus werfen, ein
nackter Mensch für nacketer. Völlig nacket heißt in den gemeinen Mundarten
mutternacket, faden- oder fasennacket, und splinter- oder splitternacket,
S. diese Wörter. Ich hatte in der ersten Auflage bey dem
Worte Bloß gesagt, daß dieses der anständigern Sprechart gemäßer sey, nackt
sich aber mehr für die niedrige und gesellschaftliche schicke. Stosch
widersprach diesem Satze in seinen kritischen Anmerkungen, und suchte mit
vielen Beispielen sonst angesehener Schriftsteller zu beweisen, daß man sich
des Wortes nacket ganz wohl in der erhabenen Schreibart bedienen könne. Darin
hat er Recht, daß man bloß nicht alle Mahl da gebrauchen kann, wo man nackt
saget, und daß es sich von einem ganzen unbekleideten Körper in den wenigsten
Fällen gebrauchen läßt. Ich gebe auch zu, daß es gute Schriftsteller genug
gibt, welche dieses Wort im eigentlichsten Verstande in der feyerlichsten und
anständigsten Schreibart gebrauchen haben. Allein ich glaube doch noch immer,
daß ein feines Gefühl etwas Widriges bey dem nacket empfinden muß, zumahl da
die Sache selbst, die es ausdruckt, unsere heutigen Sitten so sehr beleidiget.
Ein kluger Schriftsteller wird daher, wenn er die seinen Empfindungen des
Lesers zu schonen, und widrige niedrige Bilder zu vermeiden hat, wie in der
erhabenen Schreibart der Fall ist, dieses Wort lieber zu vermeiden. Die Grazien
unbekleidet mahlen, eine unbekleidete Venus, sagt doch im Grunde eben das, nur
mit mehr Würde und nicht mit dem widrigen Nebenbegriffe, was die Grazien nacket
mahlen und eine nackte Venus sagt. [
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