Liederlich
Liederlich,
[
2063-2064] -er, -ste, adj. et adv. ein
Wort, welches 1. Eigentlich, den Begriff des leichten, leicht beweglichen hat,
und im Grunde auch zu dem Geschlechte des Wortes leicht gehöret. Durch die
Wollensäcke ist nicht liederlich zu schießen, nicht leicht, nicht leichtlich,
Fronsberg bey dem Frisch. Bey den Jägern ist ledig so viel als schlaff, (
S. Ledig 1.) In dieser weitern Bedeutung ist es
veraltet, wo man es nur im verächtlichen Verstande von einem fehlerhaften,
leicht beweglichen Zustande solcher Dinge gebraucht, welche fest, derb anliegen
sollten. So heißt ein Mensch oder seine Kleidung liederlich, wenn seine
Kleidungsstücke an dem Leibe schlottern, anstatt fest und derb anzuliegen, wenn
die Lumpen daran herunterhängen u. s. f. Etwas sehr liederlich befestigen, so
daß es nicht die gehörige Haltung oder Festigkeit hat. 2. Figürlich, und im
verächtlichen Verstande, wo in vielen Fällen in der anständigern Sprechart auch
das Stammwort leicht üblich ist. 1) Einen geringen, schlechten Werth haben.
Liederliches Geld, leichtes, geringhaltiges. Liederliche Scheidemünze. Ein
liederlicher Lohn, ein geringer, niedriger. Ein liederlicher Preis. 2)
Nachlässig, obenhin, ohne die gehörige Aufmerksamkeit, ohne den gehörigen
Fleiß. Lauter liederliche Arbeit machen. Liederlich arbeiten. Ein Liederlicher
Arbeiter. 3) Die pflichtmäßige Ordnung in seinen Geschäften und Handlungen
nicht beobachtend. In seinen Sachen sehr liederlich seyn. Auf seiner Stube
sieht es sehr liederlich aus. 4) Leichtsinnig.
Ach Herr, dein Knecht, der dein Gesetze Bisher so liederlich
verlacht, Gryph.
Wo es aber, so wie in allen Bedeutungen, für die edle und
feyerliche Schreibart zu niedrig ist. 5) Den Ausschweifungen in den Sitten
ergeben, besonders wenn damit Unordnung und Sorglosigkeit in den häuslichen
Geschäften verbunden ist; im harten und sehr verächtlichen Verstande.
Liederlich leben. Ein liederlicher Mensch. Liederlich seyn. Liederliches
Gesindel. Anm. Im Schwed. liderlig. Wachter, Frisch und andere leiten es von
Luder her, und wollen es daher auch lüderlich geschrieben haben, wogegen aber
schon die allgemeine Aussprache streitet. So hart und gezwungen die Figur seyn
würde, wenn man dieses Wort von Luder ableiten wollte, so leicht begreiflich
wird die Abstammung von leicht, und die Verwandtschaft mit lose, lodern,
flattern, schlottern, Lotterbube, schlendern, und allen dieses Geschlechtes, in
welchen insgesammt der Begriff der Beweglichkeit der herrschende ist. Im
Angelsächs. ist lutherlice, pessime, und lythre, lithre, schmutzig, böse. Im
Wendischen ist liede, lieden, leicht, kaum, dagegen in den Nordischen Sprachen
und Mundarten liden klein bedeutet. [
2065-2066]