Die Kunkel
Die Kunkel,
[
1829-1830] plur. die -n, ein
Oberdeutsches, im Hochdeutschen unbekanntes Wort, den Spinnrocken oder Rocken
zu bezeichnen, welcher im Niedersachsen der Wocken heißt. Die Kunkel anlegen,
einen Spinnrocken aus Flachs zusammen legen. Die Kunkel abspinnen. Figürlich,
die Spinnstube. In die Gunkel oder Kunkel gehen, zum Spinnen zusammen kommen.
In gleichen das weibliche Geschlecht, dessen vornehmstes Werkzeug die Kunkel
oder der Rocken ist, im Gegensatze des Schwertes oder des männlichen
Geschlechtes. Daher die noch hin und wieder üblichen Zusammensetzungen, der
Kunkeladel, der Adel von mütterlicher Seite, das Kunkellehen, das Weiberlehen,
Spindellehen, oder Schleyerlehen, welches auch auf das weibliche Geschlecht
fällt, und vielleicht noch andere mehr. Anm. Im Nieders. ehedem gleichfalls
Kunkel, im mittlern Lat. Concula, Iniclaris, im Ital. Conocchia, im Franz.
ehedem Coloigne, Connoille, Conoingnole, Quelogne, jetzt Quenouille, im Wallis.
Cogail. Wachter hält es für ein aus dem alten Kona, Weib, und dem Slavon. Kolo,
Rad, zusammen gesetztes Wort, ungeachtet es nicht das Spinnrad, sondern nur
einen Theil desselben bedeutet; Frisch aber leitet es eben so gezwungen von
Concha, eine Muschel, her. Am wahrscheinlichsten ist die länglich runde oder
kegelförmige Gestalt der Grund der Benennung, so das es zu dem Geschlechte des
Lat. Conus, des Deutschen Kegel und anderer ähnlichen Wörter gehöret, zumahl da
auch das Wallis. Cogail kein n hat, welches in den meisten Wörtern ohnehin sehr
zufällig ist. Die Sylbe -el bedeutet ein Ding, von welchem etwas gesagt wird,
ein Subject, dessen Prädicat Kunk ist. Im Dithmarsischen ist Kunkelpip der
Nahme einer weißen Grützwurst.