Die Kogel
Die Kogel,
[
1681-1682] plur. die -n. 1) Ein im
Hochdeutschen veraltetes, aber noch in einigen Oberdeutschen Gegenden übliches
Wort, eine Art eines Kopfputzes, besonders des andern Geschlechtes zu
bezeichnen, welches eine kugelförmige Gestalt hatte, und einem Türkischen Bunde
glich, daher derselbe auch von ältern Schriftstellern eine Gugel, Kogel oder
Kugel genannt wird. In diesem Verstande scheinet es auch Luther Ezech. 23, 15
genommen zu haben, wo es heißt, daß die Babylonier und Chaldäer bunte Kogel auf
ihren Köpfen tragen. In der Randglosse sagt er: "Kogel heißt Hebräisch Geruch -
Und ist eine Kogel, wie vor Zeiten die Magistri und Studenten Kogel trugen, da
viel unnützes Tuchs um den Kopf herhing." Die Mode veränderte die Gestalt der
Kogeln, behielt aber den Nahmen bey, so daß sehr vielerley Arten der
Kopftrachten beyder Geschlechter diesen Nahmen führeten, besonders wurden die
Kappen, so wie sie heut zu Tage nicht nur das schöne Geschlecht, sondern auch
die Mönche an ihren Kleidern, die Bergleute u. s. f. tragen, Kogeln, Gugeln und
Kugeln, ingleichen Gugelhauben, Kogelhauben genannt. Die Bergleute haben dieses
Wort noch beybehalten, indem sie ihre Kappen zuweilen Gugeln oder Kugeln zu
nennen pflegen. Im Nieders. ehedem Kagel, im Angelsächs. Cugle, bey dem Kero
Cucalun, im Lat. Cucullus, welches sich schon bey dem Martial findet, im Ital.
Cocolla, im Böhm. Kukla, im Wallach. Kagula, im Alban. Kasulia, alle von einer
Kappe, oder doch ähnlichen Kopftracht. Es gehöret zu den Wörtern Kog, Kagel,
Kugel u. s. f. so fern solche entweder etwas Erhabenes, und folglich auch
Vertieftes, Hohles bezeichnen, oder auch so fern sie nach einer sehr
gewöhnlichen Figur eine Bedeckung, Bekleidung bedeuten. Im Wallisischen ist
daher Cochl ein Mantel. 2) Ein Oberdeutsches mit dem vorigen genau verwandtes
Wort, welches den Gipfel, die Spitze eines Berges bedeutet, und zuweilen
gleichfalls Gugel lautet. Oben auf des Berges Kogel, Theuerd. Kap. 36. Die
Gugeln, wo firstenweise gebauet wird, Spergg in der Tirol. Bergwerksgesch. Im
Schwed. ist Kogg der Zahn eines Nades. Es gehöret mit dem vorigen Worte zu dem
Geschlechte des Wortes hoch, so daß die Endsylbe el bloß ein Ding, ein Subject
bezeichnet, von welchem etwas gesagt wird. [
1683-1684]