Der Knecht
Der Knecht,
[
1655-1656] des -es, plur. die -e, ein
Wort, welches ehedem von einem weitern Umfange der Bedeutung war als jetzt. Es
bedeutete, 1. * Eigentlich, eine junge Mannsperson bis in das männliche Alter,
besonders eine unverheirathete Mannsperson, einen Junggesellen, im Gegensatze
einer Magd; in welcher längst veralteten Bedeutung es mit dem Worte Knabe
gleichlautend war, und bloß ein Kind männlichen Geschlechtes bedeutete. Bey dem
Ottfried heißen daher so wohl die Jünger Christi, als Kinder männlichen
Geschlechtes Knehto. Im Tatian wird das Kind Jesus kneht genannt, und von dem
Herodes heißt es daselbst er arsluo alle thi knetha, alle Knäbchen in
Bethlehem. In den Bremischen Statuten heißt es, die Vormünder sollen Vormünder
bleiben den Jungfrowen wenthe se to vöftein Jahren kamen, und den Knechten to
achtein Jahren. 2. Da jüngere Personen gemeiniglich ältern zu dienen verbunden
sind, so bedeutete dieses Wort, so wie Knabe und Knappe, schon seit den
frühesten Zeiten eine Person männlichen Geschlechtes, welche einer andern zu
gewissen Diensten verbunden ist. 1) Eigentlich, wo es, (a) Überhaupt und in der
weitesten Bedeutung, ehedem von allen Arten der Dienste gebraucht wurde. Im
Isidor Chneht, bey dem Willeram Gnecht. So hießen Personen vom hohen Adel
ehedem des Reichs Knechte, ja ein jeder Vasall wurde ein Knecht seines
Lehensherren genannt. Adelige männliche Personen, welche zur Erlangung der
ritterlichen Würde andern Rittern dieneten, hießen so wohl Knappen und
Edelknappen, als Knechte und Edelknechte. Engl. Knight. In der Deutschen Bibel
kommt es in dieser weitern Bedeutung noch mehrmahls vor, wo unter andern auch
so wohl Christus, als die guten Engel und fromme Personen Knechte Gottes
genannt werden. Im Hochdeutschen ist es, seitdem Diener dafür üblicher
geworden, um des folgenden verächtlichen Nebenbegriffes willen, veraltet, wo
man es nur noch zuweilen aus Höflichkeit gegen welt erhabnere Personen
gebrauchet, den großen Abstand zwischen sich und ihnen dadurch merklich zu
machen; daher man sich in Briefen, Memorialien u. s. f. solcher Personen
allerunterthänigsten, unterthänigsten, unterthänigen Knecht unterschreibet. (b)
In engerer Bedeutung aa) * Ein Soldat, schon bey dem Notker Chneht; eine
gleichfalls veraltete Bedeutung, in welcher es noch in der Deutschen Bibel
vorkommt. Daher die ehemaligen Zusammensetzungen Landsknecht, Fußknecht, ein
Infanterist, Hutknecht, ein Soldat in der Besatzung u. s. f. Im Schwed. Knecht.
In Kaiser Ferdinands und Leopolds Kriegs-Artikeln werden die Soldaten zu Fuß
noch immer Knechte und die Reiter reistge Knechte genannt. bb) Leute geringen
Standes, welche so wohl zur Erhaltung der öffentlichen Ruhe, als auch zur
Aufsuchung und Einhohlung der Verbrecher gebraucht werden, sind an vielen Orten
unter dem Nahmen der Knechte, Stadtknechte, Amtsknechte, Landknechte,
Gerichtsknechte u. s. f. bekannt. cc) Verschiedene Handwerker pflegen ihre
Gesellen Knechte zu nennen; dergleichen sind die Brauer, Bäcker, Fleischer,
Grobschmiede, Schuster und vor einiger Zeit noch die Bader. Daher der
Brauknecht, Backerknecht, Fleischerknecht, Schmiedeknecht, Schuhknecht,
Badeknecht. Die Handwerker, bey welchen dieser Gebrauch eingeführet ist,
gehören unter die ältesten, welche noch vor Einrichtung der Städte auf dem
Lande getrieben wurden. dd) Ein Dienstbothe, welcher seiner Herrschaft zu den
geringsten und beschwerlichsten Diensten verbunden ist. Die besondern Arten
dieser Knechte werden durch allerley Zusammensetzungen näher bestimmet; z. B.
Bothsknecht, Ruderknecht, Henkersknecht, Postknecht, Reitknecht, Schäferknecht,
Stallknecht, Hausknecht, u. s. f. In der engsten Bedeutung ist der Knecht auf
dem Lande ein männlicher Dienstbothe zum Behufe der Feld- und Ackerarbeit, da
es denn wieder Fuhrknechte, Pferdeknechte, Bauknechte, Großknechte,
Mittelknechte, Kleinknechte u. s. f. gibt. In Braunschweig wird ein solcher
Knecht noch Knape genannt. ee) Eine leibeigene Person männlichen Geschlechtes;
eine veraltete Bedeutung, in welcher es noch einige Mahl in der Deutschen Bibel
vorkommt. Zuweilen wird es noch figürlich und mit einem verächtlichen
Nebenbegriffe von Personen männlichen Geschlechtes gebraucht, welche einer
andern Person oder Sache auf eine sclavische Art ergeben sind. Ein
Pfaffenknecht, Weiberknecht, Jungfernknecht u. s. f. 2) Figürlich, bey
verschiedenen Handwerkern und Künstlern, ein Werkzeug oder Theil eines
Werkzeuges, welches stehet, und einem andern Dinge zur Unterstützung dienet.
Ein hölzernes Gestell, worauf die Mägde in den Küchen Niedersachsens die
gewaschenen Schüsseln trocken werden lassen, heißt der Knecht oder
Schüsselknecht. Auf den Kupferhämmern ist der Knecht ein schmahles Eisen in dem
Amboßstocke, worauf die Kupferscheibe ruhet; bey den Tischlern, ein stehendes
Holz mit Kerben und zuweilen auch mit einem Sattel, das Bret mit der scharfen
Ecke darauf ruhen zu lassen; auf den Schiffen, ein aufrecht stehendes Holz nahe
am Maste mit starken Rollen zum Gebrauche der Hißtane, der Standblock; an einer
Ramme der eigentliche Rammblock, welcher den Pfahl schläget, und auch der Bär
genannt wird; in der Artillerie, eine Feuerkugel in Gestalt eines unten
zugespitzten Cylinders, welche rund herum mit eisernen Schlägen versehen ist,
und das ihrige stehend verrichtet; und so in andern Fällen mehr.
S. Stiefelknecht, Lichtknecht. Anm. Das Verächtliche,
welches diesem Worte nunmehr anklebet, ist demselben nicht wesentlich, sondern
rühret bloß daher, weil man es so häufig von dienstleistenden Personen der
geringsten Art gebrauche. Eine weibliche Person dieser Art heißt eine Magd.
[
1657-1658] Im Nieders. gleichfalls Knecht, im Dän.
Knegte, im Angels. Cnighta. Es hat mit Knabe und dem dazu gehörigen Knappe,
sehr viel Ähniches in der Bedeutung, daher auch Frisch glaubt, daß es aus
diesem Worte entstanden ist. Vielleicht hätte er sich besser ausgedruckt, wenn
er gesagt hätte, daß beyde vermittelst verschiedener Ableitungslaute aus einem
und eben demselben Stammworte gebildet worden. Dieses Stammwort scheinet klein,
niedrig bedeutet zu haben, und ist allem Ansehen nach mit neigen verwandt; denn
daß das K nicht wesentlich sey, erheltet unter andern auch aus dem Franz.
Naquet, ein Knecht. Wachter findet viele Ähnlichkeit zwischen diesem Worte und
dem Hebr. -
hier nichtlateinischer Text, siehe Image - , und Griech.
-
hier nichtlateinischer Text, siehe Image - , dienen.
S. Knickholz. [
1657-1658]