Der Hundsfott
Der Hundsfott,
[
1321-1322] des -es, plur. die -fötter,
ein sehr niedriges Schimpfwort eines nichtswürdigen, besonders eines feigen
Menschen, welches für die höchste wörtliche Beschimpfung gehalten wird. Im Dän.
lautet es gleichfalls Hundsfot, und im Schwed. Hunsfott. Die vielen zum Theil
seltsamen Ableitungen, welche man von diesem niedrigen Worte versucht hat, kann
man bey dem Wachter finden. Ihre glaubt, daß es aus Hundhufwud, Hundshaupt,
zusammen gezogen worden, welches im Schwed. ein figürlicher Ausdruck für
Schande ist, und von der ehemahligen Strafe des Hundetragens hergeleitet wird.
Auf ähnliche Art bedeutet Hundskopf 2 Sam. 3, 8 einen verächtlichen,
nichtswürdigen Menschen. Allein es ist wohl gewiß, daß es eigentlich einen
Hundsvogt oder Hundswärter bedeutet, welches nach der damahligen Denkungsart
der Franken wohl das verächtlichste war, was man einem freyen tapfern Manne
Schuld geben konnte. Es erhellet dieses aus dem Salischen Gesetze, wo es Tit.
33 heißt: Si quis alterum Cinnitum vocaret, Malb. Quintvo. Dieses Cinnitus,
worüber alle Ausleger so wenig befriedigendes gesagt haben, ist alt Gallisch,
wie aus dem Wallisischen erhellet, wo Cynydd noch jetzt einen Hundswärter,
Hundsjungen bedeutet. Die beygefügte Glosse Quintvo ist daher unser Hundsfott
nach der ältesten Fränkischen Mundart; woraus zugleich das hohe Alter dieses
Schimpfwortes erhellet. Bey den ältern Franzosen war statt dessen Chienfoutre
üblich, woraus in den neuern Zeiten Jean foutre gemacht worden. Die eben so
niedrigen hundsföttisch, und Hundsfötterey, plur. die -en, sind nicht weniger
ehrenrührig. [
1323-1324]