Das Gesinde
Das Gesinde,
[
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Collectivum, welches 1) * Überhaupt alle diejenige Personen bedeutet, welche
man in seinem Gefolge oder zu seiner Bedienung hat. In welcher weitern jetzt
veralteten Bedeutung es ehedem für Diener, Bediente überhaupt gebraucht wurde,
da denn Hofgesinde, Hofleute, Hofbediente, Reitgesinde das Reisegefolge u. s.
f. bedeutete. Ja Opitz nennet noch die Schüler das Schulgesinde. 2) In engerer
und gewöhnlicher Bedeutung sind es diejenige Personen der häuslichen
Gesellschaft, welche sich verbindlich machen andern um Lohn geringe Dienste zu
leisten, da es denn Knechte, Mägde, und geringe Hausbediente unter sich
begreift, welche man sonst auch Dienstbothen, im Oberd. aber auch Ehehalten,
Brötlinge, zu nennen pfleget. Gesinde halten. Viel Gesinde haben. Untreues
Gesinde haben. 3) Figürlich im verächtlichen Verstande, gemeine liederliche
Leute, wo vornehmlich das Diminut. Gesindel, Oberd. Gesindlein, gebraucht wird.
Allerley schädliches Gesindel beherbergen. Besonders in den Zusammensetzungen
Diebsgesinde oder Diebsgesindel, Raubgesinde, Raubgesindel, Lumpengesinde,
Schelmgesindel u. s. f. Anm. Gesinde, im Nieders. nur Sinde, im Dän. Gesinde,
stammet entweder von senden, oder, welches wahrscheinlicher zu seyn scheinet,
von dessen Stammworte Sind, der Weg, ab, so daß es eigentlich das Reisegefolge
bedeutet. Sind, Weg, kommt schon bey dem Kero vor, und lautet im Angels. Sith;
S. Senden. Davon ist bey dem Ulphilas Gasinthja, in dem
alten Gedichte auf Carls Feldzug bey dem Schilter Sind, im Angels. Gisith, bey
dem Ottfried Samansindo, ein Gefährte. Doch wurde es auch sehr frühe von einem
Bedienten, selbst höherer Art, individualiter gebraucht. Ther diufells gisindo,
des Teufels Diener, Ottfr. Thu sis sines gisindes, du seyest seines Gelichters,
seines Gleichen. Häusliche Bedienten hießen daher zum Unterschiede von andern
ehedem Ingesinge, Hausgesinde.
S. auch das mittlere Latein. Gasindus.
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