Gehen
Gehen,
[
493-494] verb. irreg. ich gehe, du
gehst, er geht; Imperf. ich ging; Mittelw. gegangen; Imperat. gehe oder geh. Es
ist ein Neutrum, welches alle Mahl, den Fall ausgenommen, wenn es ein
Reciprocum ist, das Hülfswort seyn erfordert, und überhaupt den Ort verändern
bedeutet. I. Von lebendigen Geschöpfen. 1. Eigentlich, den Ort vermittelst der
Füße verändern, so wohl überhaupt, als auch zuweilen in der engsten Bedeutung
von dem gewöhnlichsten Gange in Schritte, da es denn dem Laufen entgegen
gesetzet ist. Langsam, geschwinde, hurtig gehen Krumm, gerade, aufrecht,
gebückt gehen. Mit den Füßen einwärts, auswärts gehen. Auf den Zehen, auf den
Händen gehen. An einer Krücke gehen. Auf Stelzen gehen. Leise gehen. Das Kind
lernt gehen. Das Gehen wird ihm sauer. Rückwärts gehen. Irre gehen, sich im
Gehen verirren. Zurück gehen. Hier kommt sie gleich gegangen, Gell.
S. Kommen. Es ist hier nicht gut gehen, es geht sich
hier nicht gut, d. i. e läßt sich hier nicht gut gehen. Es geht sich hier sehr
glatt, oder es ist hier sehr glatt zu gehen. Er hat sich Blasen in die Füße
gegangen. Ich habe mich ganz müde gegangen. Welche reciproke Arten des
Ausdruckes auch in andern Fällen das Hülfswort haben erfordern. Ich bin des
Gehens müde. Etwas im Gehen verrichten, gehend. In tiefen Gedanken gehen. Der
Ort, wohin man gehet, oder aus welchem man gehet, wird am häufigsten durch
allerley Vorwörter ausgedruckt. An seine Arbeit gehen. An den Berg, bis an das
Thor gehen. Auf das Feld, auf das Land, auf das Dorf gehen. Auf das Rathhaus,
auf die Post gehen. Seinem Gegner auf den Leib gehen. Auf die Jagd gehen. Auf
die Seite gehen. Auf die Hochzeit, auf einem Ball gehen. Auf das Eis gehen. Auf
dem Eise gehen. Einem aus dem Wege gehen. Aus dem Hause gehen. Durchs Feuer für
einen gehen. Durch das Haus, durch die Thür gehen. Durchs Wasser gehen. Einem
entgegen gehen. In die Stadt, in die Schule, in die Kirche, in die Komödie
gehen. Mit einem gehen. Nach Hause gehen. Nach Veilchen gehen, hingehen und
Veilchen hohlen wollen. Es ging jemand nach Weine, Rost. Über eine Brücke, über
das Wasser gehen. Über Land, über Feld gehen. Über einem gehen, ihm zur rechten
Hand gehen; auch figürlich, den Vorzug vor einer Person oder Sache haben.
Darüber geht nichts. Unter die Leute gehen. Von der Arbeit gehen. Zu einem
gehen. Zu Bette, zu Tische, zu Stuhle gehen. Mit zur Leiche, zu Grabe gehen. Zu
Gaste gehen. Zu Schiffe gehen. Zur Stadt (in die Stadt) gehen. Zu Markte gehen.
Zur Hochzeit, zum Schmause gehen. Von einem Orte zum andern gehen. Zum Gebethe
gehen.
Ich singe nicht für kleine Knaben Die voller Stolz zur Schule
gehn, Less.
Die Absicht, warum man gehet, kann in einigen Fällen auch
durch den Infinitiv des andern Zeitwortes ausgedrucket werden. Betteln gehen,
spazieren gehen, schlafen gehen. Andere Ausdrücke dieser Art sind nur im
gemeinen Leben üblich, wie spielen gehen, melken gehen, hausiren gehen, sitzen
gehen, sich setzen.
Denn Schulzens Hadrian ging klagen, Lichtw.
Im Französ. ist diese Wortfügung noch häufiger. Aller boire,
manger, dormir, jouer u. s. f. Die Hauptwörter, welche den Raum ausdrucken,
welchen man im Gehen zurück leget, und die Zeit wie lange man gehet, stehen in
der vierten Endung. Eine Meile gehen. Ich bin schon über tausend Schritte
gegangen. Er ist den ganzen Weg mit mir gegangen. Wir sind fast drey Stunden
gegangen. Ingleichen diejenigen Hauptwörter, welche die Art und Weise des
Ganges näher bestimmen. Den Schritt gehen. Einen starken Schritt gehen. Das
Pferd gehet den Trab, den Galopp, den Paß. So wie auch diejenigen, welche den
Weg ausdrucken, wohin auch das Wort Gang gehöret. Wir wollen den kürzesten Weg
[
495-496] gehen. Einen andern Weg gehen. Wege des
Verderbens gehen, Sprichw. 31, 3. Den Weg aller Welt, alles Fleisches gehen,
sterben.
Der Weg zu uns ist nicht so leicht zu gehen, Gell.
Geh deinen Weg, geh fort, Less. Seinen Gang gehen. Den
Krebsgang gehen, rückwärts gehen, und figürlich, mißlingen, fehl schlagen.
Seine Straße gehen, weggehen.
Du streust Rosen und Jesmin Auf die sichern Pfade hin, Die ich
gehe, Weiße.
Im Oberdeutschen bedient man sich dafür gemeiniglich der
zweyten Endung. Thaz er ge sines sindes, Ottfr. seines Weges. Gang thines
sindes, ebend. Das Weib ging hin ihres Weges, 1 Sam. 1, 19. Welches auch im
gemeinen Leben der Hochdeutschen nicht ungewöhnlich ist. Seines Weges gehen,
fortgehen, weggehen. Gehet eurer Wege! Ich gehe meiner Wege, Gell. Gehen sie
ihrer Straße, Weiße. Alle in der Bedeutung des Weggehens. Hierher gehören auch
verschiedene figürliche Redensarten, wo gehen zwar seine eigentliche Bedeutung
behält, der ganze Ausdruck aber doch sinnbildlich ist. Einem an die Hand, oder
zur Hand gehen, ihm hülfliche Hand leisten. Er gehet sehr schwer daran, ist
sehr schwer dazu zu bewegen. Auf der Grube gehen, bald sterben werden. Auf den
Grund gehen, gründlich verfahren. Auf den Hieb, auf den Stoß gehen, hauend,
stoßend fechten. Auf Leben und Tod gehen. Darauf ist nicht zu gehen, man kann
sich nicht darauf verlassen. Auf Freyers Füßen gehen, im gemeinen Leben,
heirathen wollen. Auf bösen Wegen gehen, Böses thun, Böses zu thun im Begriffe
seyn. Mit sich zu Rathe gehen, bey sich überlegen. In sich gehen, über böse
Handlungen nachdenken, Reue darüber empfinden. In sein Verderben gehen. In der
Irre gehen. Nach Brot gehen, Brot zu erwerben suchen. Über einem gehen, den
Rang über ihn haben. Einem um das Maul gehen, in der niedrigen Sprechart, ihm
schmeicheln. Etwas mit Stillschweigen vorbey gehen, davon schweigen. Der Hirsch
geht hoch, bey den Jägern, wenn er völlig verecket und gut von Leibe ist. Und
andere mehr. 2. In weiterer Bedeutung, den Ort verändern, ohne die Art und
Weise zu bestimmen, sich begeben, reisen; in welchem Verstande das Zeitwort
auch in vielen der vorigen Arten des Ausdruckes genommen werden kann. 1) Für
reisen. Mit der Post gehen. Nach Leipzig gehen. Zu Fuße gehen, seine Reise zu
Fuße verrichten. Zu Felde gehen. Mit Extrapost gehen. Dein Freund ist gestern
durch Leipzig gegangen. Zu Wasser gehen. Nach Italien gehen. In das Bad gehen.
Einem entgegen gehen, entgegen reisen. 2) Sich begeben. Vor die Obrigkeit, an
den Rath, an die Landesregierung gehen, sich mit einer Klage oder Bitte an
dieselbe wenden. An den Hof gehen, sich an den Hof begeben. Davon gehen,
flüchtig werden. Zu Felde gehen. In den Krieg gehen. In ein Kloster gehen. Auf
die Universität gehen. Auf Reisen gehen. Zum Abendmahle gehen. Einem über sein
Geld gehen, unbefugt etwas davon nehmen. Einen über sein Geld gehen lassen, ihm
den Zutritt dazu verstatten. Einem aus den Augen gehen, sich von ihm entfernen.
Einem unter die Augen gehen, ihm vor die Augen kommen. 3. Figürlich. 1) Mit
verschiedenen Nebenbegriffen oder Auslassungen. (a) Für hingehen. Geh doch und
unterhalte ihn eine kurze Zeit. Ich will gehen, und ihm unsern Vorschlag
eröffnen, Gell. (b) Für fortgehen, weggehen, am häufigsten in der vertraulichen
Sprechart. Ich höre es wohl, ich [
495-496] soll gehen,
Gell. Ich habe es wohl eher gesehen, daß du hast gehen wollen, ebend. Sie ging
und sagte, sie wollte uns nicht hören, ebend. Einen Käufer, einen Bettler gehen
lassen, unverrichteter Sache. Ich will gehen - - O gehen sie noch nicht. Geht
doch, oder geht mit eurem dummen Zeuge, eine im gemeinen Leben übliche Art
seinen Unwillen, sein Mißfallen und seinen Zweifel auszudrucken. Gehen sie
doch! er hat mir ja nichts gethan. Einen gehen lassen, ihn nicht aufhalten;
nach einer noch weitern Figur auch, ihn nicht stören, nicht anrühren, sich
nicht mit ihm einlassen. 2) Machen, handeln, verfahren. In einer Sache sehr
ordentlich, gründlich, bedachtsam, vorsichtig gehen. Lassen sie mich nur gehen,
ich will meine Sachen schon machen, Weiße. Wie weit darf ich in dieser Sache
gehen? Ein jeder ging nach seines bösen Herzens Gedanken, Jer. 11, 8; welcher
biblische Gebrauch doch sonst nicht üblich ist. 3) In verschiedenen Ausdrücken
bezeichnet es auch gewisse Arten des Zustandes. Müßig gehen. Schwanger gehen,
schwanger seyn. Er geht mit Unglück schwanger. Aber die biblischen Ausdrücke
gefangen gehen, Jer. 20, 6, für gefangen werden, und betrübt gehen, Kap. 14, 3,
betrübt seyn, sind ungewöhnlich. Verloren gehen, verloren werden; auch im
theologischen Verstande, nach diesem Leben verdammt werden. Einer Sache
verlustig gehen, sie verlieren. Besonders die Art und Weise der Kleidung.
Nackend gehen, barfuß gehen, mit bloßem Kopfe gehen. Prächtig gekleidet gehen.
Sehr oft auch mit Weglassung des Mittelwortes gekleidet. Prächtig, sittsam,
zerrissen, zerlumpt gehen. Im Mantel gehen. Er geht in Seide. In langen
Kleidern gehen, Marc. 12, 38. Schlecht und recht gehen. Wer sich trägt, wie die
Alten gingen, der ist ehrbar und sittsam, Gell. Er kann zwölf Jahre in Einem
Kleide gehen. II. Von leblosen Körpern, den Ort vermöge seiner eigenen Schwere,
oder vermittelst einer fremden Kraft verändern, sich bewegen, oder beweget
werden. 1. Eigentlich. Der Wagen geht schnell, langsam. Es geht ein kalter
Wind. Der Wind geht. Die Uhr geht nicht, sie geht zu früh, zu spät, zu langsam,
zu geschwinde, sie geht richtig, unrichtig. Die Mühle geht nicht mehr. Zu
Grunde gehen, untersinken. Die Thür geht in den Angeln. Der Fluß geht mit Eis,
führet Eis mit sich. Der Fluß geht schnell, langsam; er geht um die Stadt,
durch die Stadt. Das Wetter geht vorbey. Das Schiff geht sehr schnell. Unter
Segel gehen, absegeln. Vor Anker gehen, sich vor Anker legen. Die Räder gehen.
Ein Zeiger an der Uhr kann nicht so sachte gehen, Lichtw.
Der Weitzen geht zu Lager, wenn er sich legt. Den Strick
gehen (fahren) lassen. Es geht Blut darnach. Es gehet von ihm wie Wasser. Das
Wasser geht durch die Schuhe. Das Glas vorbey gehen lassen. Der Klingebeutel,
der Teller geht herum. Dahin gehören auch verschiedene figürliche ganze
Redensarten. Entzwey gehen, zerbrechen. Zu Trümmern gehen.
Ja sollte schon die Welt zu tausend Trümmern gehen, Opitz.
Das Faß ist aus einander gegangen. Das Korn geht in die
Ähren, bekommt Ähren. Das Silber durch das Feuer gehen lassen, es läutern. Es
gehet alles durch seine Hände, er bekommt alles in seine Hände; und nach einer
weitern Figur, er ordnet alles an, führet die ganze Aufsicht.
[
497-498] 2. Figürlich. 1) Für abgehen. Die Post geht
noch nicht, sie geht um sechs Uhr. Ingleichen für aufgehen, gähren, besonders
von dem Teige. Der Teig ist zu viel gegangen. Den Teig zwey Stunden gehen
lassen. 2) In sich enthalten können, dem körperlichen Raume nach. Es gehen zwey
Maß in diese Flasche. Es sind über hundert Kannen in dieses Faß gegangen. Es
gehen nicht mehr als hundert Karpfen in diesen Teich. Geduldiger Schafe gehen
viele in einen Stall. Der Faden gehet nicht durch das Loch. Der Wagen gehet
nicht durch das Thor. So viel Holz gehet nicht unter dieses Dach. Ingleichen
dem Werthe, dem Maße und dem Gewichte nach. Wie viel Batzen gehen auf einen
Thaler? Es gehen zwey und dreyßig Loth auf ein Pfund. 3) Klingen, von
musikalischen Instrumenten, im gemeinen Leben. Die Geige geht schon. Die Orgel
geht vortrefflich. Die Pfeifen gehen wie Flöten. Aus was für einem Tone geht
das Stück? 4) Reichen, sich erstrecken. (a) Eigentlich. Das Kleid gehet ihm bis
an die Knie. Das Wasser gehet mir bis an den Hals. Der Weg geht bis an das
Thor. Er geht mir kaum bis an die Schulter. Das Dickbein gehet von dem Gesäße
bis an das Knie. (b) Nach einer noch weitern Figur auch von unkörperlichen
Dingen. Die Sparsamkeit muß nicht bis zur Kargheit gehen. Eine Kaltsinnigkeit,
welche bis zum Abscheue gehet. Kann man sich wohl vorstellen, daß die
Verblendung so weit gehen sollte? Das gehet zu weit. 5) Von der Richtung,
gerichtet seyn. (a) Eigentlich. Die Thüre gehet auf die Gasse. Das Fenster geht
in den Garten, auf den Hof. Die Straße geht auf Nürnberg. Die Mauer geht um die
Stadt. Der Stich war durch das Herz gegangen. (b) Figürlich. (1) Wo gehet die
Reise hin? Seine Meinung ging dahin u. s. f. Es gehet gegen den Morgen, gegen
die Nacht. Es gehet auf zwölfe, es ist bald zwölf Uhr. Das Kind gehet jetzt in
das vierte Jahr. Es gehet nunmehr in die vierte Woche, das ich ihn nicht
gesehen habe. Es gehet auf die letzte, auf die Neige. Es geht mit ihm zum Ende.
Ingleichen mit dem Vorworte an und dem Infinitive eines Zeitwortes, im gemeinen
Leben. Es gehet an ein Fragen, an ein Spielen, an ein Lärmen u. s. f. es fängt
sich ein starkes Gefrage u. s. f. an.
S. An II. 1, 1). (2) Auf etwas abzielen, etwas zu seinem
Endzwecke haben. Er geht allein auf seinen Nutzen. Seine Liebe geht nur auf die
Schönheit des Leibes. Seine Ermahnungen gehen alle auf die Liebe. Ich merke,
die Fabel geht auf mich. III. Von unkörperlichen Dingen, Begebenheiten, der
Zeit, Abstractis u. s. f. Wo dieses Zeitwort. 1. In sehr vielen figürlichen
Arten des Ausdruckes von solchen Dingen gebraucht wird, welchen eigentlich
keine körperliche Bewegung zugeschrieben werden kann. Wenn Noth an den Mann
gehet, im gemeinen Leben, wenn die Noth es erfordert. Das gehet mir sehr nahe,
kränket mich, schmerzet mich. Sein Abschied ging mir sehr nahe.
Es geht ze nahe mir ich muos es sagen,
Heinrich von der Mure. Eigentlich, an das Herz gehen.
Dem ein wib so nahem an sin herze ge, Heinrich von Morunge.
Es gehet ihm zu Herzen, er empfindet es lebhaft. Das ging ihm
durchs Herz, verursachte ihm die lebhafteste Empfindung. Diese entsetzlichen
Dinge gehen mir durch die Seele. Den Schaden über sich gehen lassen, ihn
tragen, über sich nehmen. Dieser Aufwand gehet über mein Vermögen. Der Kauf
gehet zurück, es wird nichts daraus. Die Sache kann nun nicht mehr zurück
gehen. Darüber geht nichts, es wird von [
497-498] nichts
übertroffen. Gewalt geht über Recht. Die Arbeit geht ihm frisch von der Hand.
Es geht noch so hin, es ist erträglich. Die Heirath geht gewiß nicht vor sich,
wird nicht wirklich. Sollte der Kauf noch vor sich gehen? Mein ganzes Vermögen
gehet darauf, wird dabey aufgewendet. Viel darauf gehen lassen, viel verthun.
Mit der Heirath ist der größte Theil des Tages darauf gegangen, ist damit
zugebracht worden. Es gehet sehr über die Zähne, die Zähne leiden dabey. Es
gehet sehr über mein Vermögen, über meinen Beutel. Alles Unglück gehet über
ihn. Es gehet rechtschaffen über ihn her. Eine Gesundheit herum gehen lassen.
Das gehet mir von Herzen. Wenn es ihm nur von Herzen gehet. Sein Alter geht mit
der Jahrzahl. Das will ihm nicht in den Kopf gehen, im gemeinen Leben. Es geht
die Rede, ein Geschrey, ein Gerücht. Im Schwange gehen, üblich, gebräuchlich
seyn. In Erfüllung gehen, erfüllet werden. Es soll dir zu Gute gehen, es soll
dir zum Besten angerechnet werden, du sollst es gut behalten. Kein Wort aus
seinem Munde gehen lassen, kein Wort sprechen. Die göttliche Vorsehung gehet
auch auf einzelne Dinge, erstrecket sich über sie. Und so in tausend andern
Fällen mehr. 2. Besonders von dem Fortgange, dem Erfolge der Begebenheiten,
größten Theils als ein Impersonale, oder doch in der dritten Person. Gut von
Statten gehen. Es wird allen gut gehen. Es wird schon gehen. Es gehet ganz
gewiß. Es gehet nicht so, wie man denkt. Es gehet ihm sehr unglücklich mit
seinem Sohne. Es ist mir eben so damit gegangen. Wie mans treibt, so gehts. Es
geht sehr langsam mit der Sache. Er hat es mir gesagt, wie das alles gehen
wird. Wenn es nach mir gehet, so muß er ein Medicus werden, Less. wenn mein
Wille erreicht wird. Es soll alles nach seinem Kopfe (nach seinem Willen)
gehen. Wenn es nach Verdienste gehen sollte. So geht es, wenn man nicht folgt.
Es geht ihm alles nach Wunsche. Es geht der Frau unrichtig, wenn sie
mißgebäret. 3. Ingleichen von den Schicksalen des menschlichen Lebens, von der
Reihe der Begebenheiten, welche den Menschen und besonders dessen äußern
Wohlstand betreffen; gleichfalls in unpersönlicher Gestalt. Wie geht es ihnen?
Es geht ihm schlecht, übel, elend. Es kann dir niemahls wohl gehen. Auf daß es
dir wohl gehe und du lange lebest auf Erden. Es mag mir gehen wie es will. Anm.
Dieses Zeitwort lautet bey dem Kero und Notker kan, bey dem Ottfried gan, bey
den heutigen Oberschwaben gon, gan und gaun, im Nieders. gaan, im Angels. gan,
im Holländ. gaen, im Engl. to go, im Schwed. ga, im Dän. gaan, im Wendischen
jidem, ich gehe, im Griech. -
hier nichtlateinischer Text, siehe
Image - , im Lat. eo. Das Hebr. -
hier nichtlateinischer Text, siehe
Image - , sich erheben, und -
hier nichtlateinischer Text, siehe
Image - , gehen, sind genau damit verwandt. Schon vor Alters war von diesem
Worte ein Intensivum, wie es scheint, üblich, welches gangan lautete, bey dem
Ulphilas und Ottfried gaggan (sprich gangan,) im Angels. gangan, im Schwed.
ganga, von welchem unser gehen das Imperfectum und Mittelwort beybehalten hat.
In einigen Oberdeutschen Gegenden lautet auch der Imperativ gang, für gehe, so
wie man in andern für ich ging, im Imperf. ich gie saget. Zu diesem alten
gangan gehöret auch das noch jetzt im Nieders. übliche wanken für gehen; denn
die Hauchlaute und Blaselaute werden sehr oft mit einander verwechselt, und
gehen selbst gehöret zu wehen, wegen, und übrigen zahlreichen Wörtern dieses
Geschlechtes, welche eine Bewegung überhaupt andeuten. Schon das Franz. je
vais, tu vas il va, hat statt des Hauchlautes einen Blaselaut. Im Imperfecto
schreibt man es gemei- [
499-500] niglich gieng, welches
ein Überbleibsel einer gedehnten Oberdeutschen Mundart ist, welche gi-eng in
zwey Sylben spricht, bey dem Kero keanc, bey dem Ottfried giang. Allein da man
im Hochdeutschen nur ein geschärftes i hören lässet, so schreibet man es
richtiger ging, so wie auch in gibst, gibt, fing, hing, das ie überflüssig, ja
der Hochdeutschen Aussprache nach unrichtig ist.
[
499-500]