Der Faden
Der Faden,
[
9-10] des -s, plur. ut nom. sing.
auch häufig Fäden, Diminut. das Fädchen, Oberd. das Fädlein. 1) Zusammen
gedrehete Härchen des Flachses, der Wolle, Baumwolle, Seide u. s. f. zum Nähen
oder Weben. Ein seidener, zwirnener, wollener Faden. Bindfaden, ein starker
Faden aus Hanf zum Binden. Oft wird der Singular auch collective gebraucht.
Einen groben, zarten Faden spinnen. Spanische Tücher haben den besten Faden;
Englische und Holländische führen einen dickern. Zu Faden schlagen, den Faden
schlagen, bey den Schneidern, zwey Stücke Zeug mit weitläufigen Stichen
verloren zusammen nähen, damit man sie ordentlich zusammen nähen könne;
anschlagen. In der Garnhandlung bedeutet dieses Wort oft einen Faden von
bestimmter Länge, gemeiniglich von vier Ellen, so viel nehmlich der Umfang des
Haspels beträgt. Alsdann machen zwanzig Faden ein Gebünde, zwanzig Gebünde eine
Zaspel, drey Zaspeln ein Strähn, vier Strähn aber ein Stück Garn. Figürlich
wird Faden im gemeinen Leben zuweilen für das daraus gewirkte Zeug genommen.
Habe ich dir nicht alle Faden, die du am Leibe trägst, zugeworfen? Gell. Nach
einer andern Figur pflegen die Jäger auch wohl den kleinen Strich in des
Hirsches Fährte, welcher von dem Näßlein über den Ballen gehet, den Faden oder
das Fädlein zu nennen. 2) Ein Längenmaß, welches vornehmlich in der Seefahrt
und in dem Niedersächsischen Forstwesen für Klafter gebraucht wird, und
gemeiniglich drey Ellen oder sechs Fuß hält. Eine Faden Holz, ein Haufen
Scheite drey Ellen lang und hoch. Holz in Faden setzen, zu Faden schlagen.
S. Klafter. Anm. In den gemeinen Mundarten so wohl Ober-
als Niederdeutschlandes lautet dieses Wort Fadem, Faem, bey dem Ottfried Fadom,
im Engl. Fadom, Fathom, im Angels. Faedm, im Schwäd. Famn, im Dän. Favn. In
beyden Bedeutungen kommt es unstreitig von fahen, fassen, Schwed. famna,
Angels. faedmian, her, weil ein Faden ursprünglich doch wohl zunächst zum Fahen
oder Umfassen gebraucht worden. In der zweyten Bedeutung ist diese Abstammung
noch deutlicher, indem dieses Maß, so wie Klafter, durch die ausgebreiteten
Arme eines Menschen bestimmt wird. In der ersten Bedeutung lautet der Plural in
Obersachsen gemeiniglich Fäden, in der zweyten aber jederzeit Faden.
S. auch Fase, Fehm und Fehmen.