Ewig
, adj. et adv. 1. Einem Menschenalter an Dauer gleich; doch nur
noch in einigen Ausdrücken. Ein ewiges Gefängniß. Zu ewiger
Gefangenschaft verurtheilet werden, d. i. auf des Verurtheilten Lebenszeit. Er
ist auf ewig des Landes verwiesen worden. Ich werde doch nicht auf ewig
verpflichtet seyn? d. i. auf meine ganze Lebenszeit. Das ist dir eine ewige
Schande, so lange du lebest. Ein ewiger Friede, der auf die ganze Lebenszeit
der contrahirenden Theile geschlossen wird; wenn nicht diese letztern R. A. zur
folgenden Bedeutung gehören. Die ewigen Einwohner in Bern sind den
Bürgern entgegen gesetzet, und nur darin von ihnen unterschieden, daß
sie nicht regierungsfähig sind, wie diese, ob sie gleich ihnen
beständigen Aufenthalt daselbst haben. 2. Eine lange unbestimmte Zeit
während. 1) Eigentlich. Sich einen ewigen Nahmen machen. Das wird dir zu
einem ewigen Ruhme gereichen. Zum ewigen Gedächtnisse. Zu ewigen Zeiten.
Der ewige Bund der Beschneidung, 1 Mos. 17, 7, 13, 19. Der ewige Bund der
Haltung des Sabbathes, 2 Mos. 31, 16. Ewig soll das Feuer brennen, 2 Mos. 6,
13. Die ewige Sitte von Opfern, Kap. 3, 17; und so in vielen andern Stellen
mehr. Im gemeinen Leben auch nach einer bekannten Vergrößerung von
einer kürzern Zeit, wenn sie als lang vorgestellet werden soll. Mit deinem
ewigen Zanken. Ich möchte wissen, was ich von dem ewig langen Schlafen
hätte, Weiße. Mit deiner ewigen Freyheit, Gell. wovon du
unaufhörlich sprichst. 2) Figürlich. (a) Von dem Raume. So ist in dem
Bergbaue eine ewige Teufe, eine unbekannte große Tiefe. Der Gang setzet in
ewiger Teufe fort, in einer unbekannten Tiefe. (b) Im gemeinen Leben ist das
Nebenwort ewig oft eine Ausfüllungs-Partikel, den Nachdruck zu
befördern. Alcander glaubt das ewig nicht, Gell. gewiß nicht,
nimmermehr. Es ist doch ewig Schade, ebend. Was wird doch ewig hieraus werden?
Allein, wie ward es ewig kund? Less. Wie werde ich nun ewig. zurechte kommen?
Was soll ich ewig sagen? Auf welche Art die Ausdrücke immer, in aller Welt
u. s. f. gleichfalls gebraucht werden. 3. Kein Ende der Zeit nach habend, in
welchem Verstande es besonders in der Theologie üblich ist. Der Geist des
Menschen ist ewig. Gottes Güte währet ewig. Die ewige Seligkeit. Die
ewige Verdammniß. Ingleichen, keinen Anfang habend. Viele Weltweisen
behaupten, daß die Welt ewig ist, daß sie keinen Anfang gehabt habe.
4. In der engsten Bedeutung, der Zeit nach weder Anfang noch Ende habend, in
welchem schärfsten Verstande dieses Wort besonders von Gott gebraucht
wird. Gott allein ist ewig. Der ewige Gott.Anm. Dieses Wort lautet bey dem Kero
euuic, bey dem Ottfried euuig und euuinig, bey dem Willeram euueg, bey dem
Stryker ewic, im Schwed. und Dän. gleichfalls ewig, bey dem Ulphilas aber
aiwein. Die letzte Sylbe ist die Ableitungssylbe ig, daher das Stammwort Ew, Eu
lautet. Dieses ist ein sehr altes Wort, welches so wohl als ein Hauptwort, als
auch als ein Nebenwort, eine lange, immer währende Zeit bedeutet, und zu
welchem das Ulphilas, aio, das Griech. -
hier nichtlateinischer Text, siehe Image - , das Angels. a, aa, das Schwed. a, das
Isländ. ei. das Wallis. eu, allezeit, semper, ingleichen das Griech. -
hier nichtlateinischer Text, siehe Image - ,
gleichsam -
hier nichtlateinischer Text, siehe Image - , und Lat. aevum gehören.
S. Ewigkeit. Im Schwed. bedeutet Aefwe noch die
Lebenszeit. Das verlängerte Alemannische ewiglich, welches in der
Deutschen Bibel noch sehr vorkommt, ist im Hochdeutschen veraltet. Es scheinet,
daß ewig nach einer gewöhnlichen Figur ehedem auch fest, unbeweglich
bedeutet habe. Wenigstens kommt das veraltete Zeitwort ewigen in einer
Übersetzung der Sprichwörter Salomo aus dem Anfange des 15ten
Jahrhundertes für befestigen vor: Got hat die Himmel mit weistum
geewigt. [
1983-1984]