Eben
, ein Wort in doppelter Gestalt üblich ist.I. Als ein Bey-
und Nebenwort, und da bedeutet es, 1. eigentlich, gleich, was keine hervor
stehende Erhöhungen oder Ungleichheiten hat, am häufigsten von der
Oberfläche des Erdbodens. Ein ebenes Feld, welches keine Berge,
Hügel, oder Thäler hat. Ein ebener Weg. Der Weg ist sehr eben. Etwas
eben machen. 2. In figürlicher Bedeutung, 1) * hübsch, fein, von der
Gesichtsbildung.
Wer Jüngling ebener Gestalt, Wer Jungfrau ist, ja jung und
alt, Opitz Ps. 148.
Diese Bedeutung ist im Hochdeutschen ungewöhnlich.
S. Uneben. 2) Genau, eigensinnig, im gemeinen Leben
einiger Gegenden. Er ist ein ebener Mann, ein Mann, der alles sehr genau haben
will. Er ist in seinen Sachen sehr eben.II. Als ein bloßes Nebenwort, oder
Adverbium.1. * Gleich, aequalis, gemäß; welche Bedeutung aber im
Hochdeutschen veraltet ist. Als es der Natur der Dinger eben kommt, Buch der
Natur, Augsb. 1483. Es gilt alles eben viel, Opitz.2. Genau, accurat, im
gemeinen Leben. Eben voll, ganz voll. Ich kann es so eben nicht wissen.
Jemanden gar eben ansehen. Merke eben darauf, was ich dir zeigen will, Ezech.
40, 4. Da sah ich eine Magd sitzen - und sahe eben auf ihn, Luk. 22, 56.3.
Besonders wird es in diesem Verstande gebraucht, ein Wort und den dadurch
ausgedruckten Begriff sehr genau zu bestimmen, da es denn zu allerley
Redetheilen gesetzet werden kann, 1) Zu Nebenwörtern und
Bindewörtern. Es geschiehet dir eben recht. Du thust eben als wenn du mich
fragtest. Eben damahls, genau zu derselbigen Zeit. Eben jetzt habe ich ihn
gesehen. Eben daselbst. Ich wollte eben gern ein Wort mit ihm allein reden,
Gell. Eben, weil sie fühlt, daß ihr Herz überwunden ist, so
wendet sie auch noch die letzte Bemühung an u. s. f. ebend. Eben
deßwegen singt und bethet sie alle Stunden, weil, sie alle Stunden reicher
werden will, ebend. Es ist eben heute ein Jahr, da sie ihr Vermögen
verloren, ebend. Besonders stehet es gern bey der Partikel so, die
Ähnlichkeit noch genauer zu bestimmen. Ich bin eben so alt als du. Er ist
eben so groß als ich. Eben so reich als Crösus. Eben so, auf eben
dieselbe Art. Er ist eben so glücklich als vorher. Ich verlange den
Reichthum eben so wenig, als die Armuth, Gell. 2) Zu Pronominen. Eben dich
meine ich. Besonders zu den anzeigenden der, die, das, derselbe, dieselbe,
dasselbe. Ich sahe ihn noch an eben demselben Tage. Er ist noch an eben dem
Orte, wo er gestern war. Eben derselbe Mensch, welchen wir gesehen haben. Im
gemeinen Leben setzet man die Präposition gern zwischen eben und das
Pronomen, welches aber in der edlen Schreibart nur selten eine gute Wirkung
thut. Ich sahe ihn noch eben an demselben Tage. Eben mit dem Maß, da ihr
mit messet, Luc. 6, 38. Noch weniger ist es zu rathen, das Nebenwort in dieser
Bedeutung zu verschweigen. Es ist derselbe Mensch, welchen wir gestern gesehen
haben. Oder noch das und einzuflicken, welches hier völlig unnütz
ist: hat es vor diesem Menschen gegeben, so kann es auch wohl eben und
dieselben Fehler gegeben haben. Die gemeinen Sprecharten gebrauchen für
eben derselbe gern der nehmliche, der nehmlichste, der gleiche, welche
Ausdrücke aber einem Hochdeutschen Ohre anstößig sind. 3) Zu
Nenn- und Zeitwörtern. Es ist mir eben eins, in gemeinen Leben, es ist mir
gleich viel. Das mußte ich eben [
1627-1628] nicht, das
war eigentlich die Sache, welche ich nicht wußte. Das läugnet er
eben. Das ist eben, was ich sage. Dieses ist eben mein Wunsch, Gell. Sie sagte,
sie wäre unruhig, und das war eben schlimm, ebend. Eben der Leute wegen
will er nur Abends kommen, Weiße. Du hättest sie eben sollen ruhig
machen, Gell. Eben durch die Gutheit macht man nur mehr Bettler, ebend. Man
weiß, daß nicht eben die besten Schriften am häufigsten
abgehen.4. Auch eine Zeit sehr genau zu bestimmen, in welcher etwas geschehen
ist. Da das Thor eben zugeschlossen war. Wir haben eben deiner gedacht, eben
jetzt. Du warst eben weggegangen, den Augenblick zuvor. So eben erhalte ich
einen Brief, im gemeinen Leben. Eben da ich trinke. Wir wollten eben gehen und
sie rufen, Weiße, eben jetzt, oder zu eben derselben Zeit. Dahin
gehören auch die Oberdeutschen Ausdrücke, eben gedachter, eben
bemeldeter u. s. f. für jetzt gedachter.5. Zuweilen hat diese Partikel
eine bloß einschränkende Kraft, zumahl wenn sie einer Verneinung
beygefüget wird, deren Härte sie oft bloß mildert; welcher
Gebrauch der vertraulichen Sprech- und Schreibart vorzüglich eigen ist,
und der Bedeutung des Wortes zwar nahe kommt. Das wäre mir nun eben nicht
recht, wenn mir so einer wieder Querfeld ein käme, Weiße. Ich will
mich eben nicht groß damit machen, Gell. Das will ich eben nicht sagen.
Die Frage geschahe eben aus keinem Mißtrauen. Das dächte ich eben
nicht, Gell.
Die Hand, die könnet ihr mir küssen, Dieß wird
mich eben nicht verdrießen, Gell.
Anm. Eben, in Oberschwaben eban, im Nieders. even und effen,
kommt fast in allen obigen Bedeutung schon bey den Alten vor. Für gleich
gebraucht Kero eban, ebanlih. Bey dem Ottfried bedeutet ebeno genau, eban
gleich als, ebanon vergleichen; dem Isidor ist eban so, und Notker gebraucht
diese Partikel auch für ja. Ze mannis ebin christanin minno, zu des
Menschen ja Christen Liebe; anderer veralteten Bedeutungen zu geschweigen. Das
alte Goth. ibn, das Angels. efn, efen, em, das Schwed. efwen, jafn, jefn, aem,
das Wallis. eun, das Engl. even, das Dän. effen und jävn, kommen mit
dem Deutschen genau überein. Selbst das Griech. -
hier nichtlateinischer Text, siehe Image - , -
hier nichtlateinischer Text, siehe Image - , und die Latein.
imitor, imago, gehören, dem Ihre zu Folge, zu dieser Verwandtschaft, wohin
man denn auch unser Deutsches ahmen rechnen müßte;
S. Nachahmen. [
1629-1630]